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Schlachtfeld Dritte Welt

aus DER SPIEGEL 12/1988

Bis zu einem halben Dutzend Raketenangriffe gehen seit drei Wochen täglich auf Teheran nieder, an die zehn weitere Luftangriffe auf andere iranische Städte. Zur Vergeltung bombardieren die Iraner Bagdad und industrielle wie militärische Zentren des Irak. Schon drohte der irakische Führer Saddam Hussein tollkühn, alle iranischen Städte zu zerstören, falls der Gegner den Golfkrieg nicht beende.

Auch der seit sieben Jahren dauernde Krieg zwischen der linken Regierung Nicaraguas und US-finanzierten Contras hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Wenige Tage vor dem geplanten Beginn erster direkter Waffenstillstandsverhandlungen starteten die Sandinisten eine Großoffensive gegen die Contras im Norden des Landes. Sie setzten 6000 Soldaten ein, um die Aufständischen ins Nachbarland Honduras zu treiben. Im Gegenzug entsandte US-Präsident Reagan 3200 US-Soldaten nach Honduras. Die Sandinisten fürchten eine US-Invasion und mobilisierten ihre Reservisten.

In den vergangenen Wochen steigerte sich der Terror der Sikh-Separatisten, die im nordindischen Grenzstaat Pandschab für ihre Unabhängigkeit kämpfen: Über 500 Hindus wurden seit Januar von den Terroristen umgebracht. Im vergangenen Jahr hatten Sikhs über 1200 Hindus ermordet; etwa 300 Separatisten waren durch Polizeikugeln gestorben.

Vergangenen Montag lieferten sich Kriegsschiffe der chinesischen und vietnamesischen Marine ein Feuergefecht im Südchinesischen Meer um die Besitzrechte an den Spratly-Inseln. Eigentlicher Hintergrund des Seegefechts ist jedoch der seit 1979 dauernde Konflikt beider Länder um das vietnamesisch besetzte Kambodscha.

Schauplatz dieser vier und 20 weiterer Kriege ist die Dritte Welt. Insgesamt kosteten sie bisher drei Millionen Tote, vier Fünftel davon Zivilisten.

Mit Ausnahme des Golfkriegs sowie der Grenzkonflikte zwischen Vietnam und China, Laos und Thailand sind alle Bürgerkriege. Meist werden sie von einheimischen Rebellen angezettelt. Später werden die Guerillakämpfer häufig von den Supermächten oder einem in der Region einflußreichen Land unterstützt. Krisenmotor ist der internationale Waffenhandel: Zwischen 1982 und 1986 wurden in die Dritte Welt Waffen im Wert von mehr als 160 Milliarden Dollar verkauft.

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SCHLACHTFELD DRITTE WELT Bürgerkriege und Aufstände Zwischenstaatliche Kriege Intervention ausländischer Truppen GUATEMALA EL SALVADOR NICARAGUA KOLUMBIEN PERU SUDAN WESTSAHARA TSCHAD UGANDA ANGOLA NAMIBIA SÜDAFRIKA LIBANON IRAN/IRAK AFGHANISTAN INDIEN SRI LANKA ÄTHIOPIEN MOSAMBIK BURMA VIETNAM/CHINA PHILIPPINEN LAOS/THAILAND KAMBODSCHA INDONESIEN

[GrafiktextEnde]

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