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Briefe

SCHLIMMERES DURCHEINANDER
aus DER SPIEGEL 1/1960

SCHLIMMERES DURCHEINANDER

Ihre Serie müßte den Zweck haben, unserem Volke wieder Vertrauen zu Dokumenten, zu amtlichen Unterlagen, zu dokumentarischer Geschichtsforschung zu geben. Die Artikel-Serie ist aber eher dazu geeignet, den Rest des Glaubens an jedes politische Geschichtsmaterial zu zerstören.

Hamburg 20 HEINRICH CHRISTIAN MEIER

Schriftsteller

In Nummer 49 des SPIEGEL schrieb Ko-Autor Dr. Hans-Otto Meißner in einem Leserbrief: »Wenn auch die Ausführungen des SPIEGEL über den Reichstagsbrand dem diesbezüglichen Abschnitt Schulze-Wildes in meinem Buch 'Die Machtergreifung' weitgehend widersprechen...

Diese etwas unglückliche Formulierung möchte ich richtigstellen. Ich schrieb nicht nur das Kapitel über den Reichstagsbrand (42 Seiten von insgesamt 464), sondern auch noch eine Anzahl weitere (Kapitel 1 bis 7, 12 und 13), von den Sacherläuterungen und Kurzbiographien ganz abgesehen.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch auf einige Schiefheiten Ihres Berichtes hinweisen, die nicht mich, sondern Dr. Richard Wolff betreffen, den Verfasser des »Forschungsberichtes«. So groß, wie man nach Ihrer Formulierung annehmen muß, war das Honorar nicht. Ich fand es, vorausgesetzt, daß Dr. Wolff mir die richtige Höhe genannt hat, sogar ausgesprochen niedrig. Obwohl ich durchaus keinen Grund habe, Dr. Wolff zu verteidigen, denn er hat einige Informationen, die ich ihm gab, entweder nicht beachtet oder falsch wiedergegeben, sollte man ihm dennoch Gerechtigkeit widerfahren lassen. Dr. Wolff hat einige recht entscheidende Dinge zu Tage gefördert, die meines Erachtens allein schon das (niedrige) Honorar rechtfertigen, zum Beispiel das Nürnberger Aussageprotokoll von Göring, das sich weitgehend mit der Aussage von Staatssekretär Dr. Meißner deckt.

Das »Oberfohren-Memorandum« bezeichnete ich schon vor dem Krieg als Fälschung, also lange vor Ihrer Serie, auf Grund ganz präziser Mitteilungen von Willy Münzenberg, nachdem er die KPD verlassen hatte. Auch die angeblichen Beziehungen van der Lubbes zu Röhm und anderen SA-Führern bezeichnete ich bereits vor dem Kriege als erfunden. Im übrigen: Warum polemisieren Sie nur, statt darzustellen, wie es Ihrer Meinung nach war? Bisher brachte Ihr Bericht nicht die Lösung. Er war nicht mehr als alle anderen: ein Beitrag zur Lösung.

Ottobrunn (München) H. SCHULZE- WILDE

Mit größter Befriedigung verfolgen ich und mein »Forschungsteam« die Reichstagsbrand-Serie. Wir verfochten hier seit längerer Zeit dieselben Thesen wie Herr Tobias. Es ist bis jetzt allerdings unmöglich gewesen, diese Thesen auch in Schweden zu drucken. In den historischen Seminaren im neutralen Schweden war es einfach unmöglich, eine andere Theorie zu vertreten als die, die Nazis hätten den Brand gelegt. Ein Mann, der an die Alleinschuld van der Lubbes glaubte, wurde ganz einfach als Nazi zur Seite geschoben. Es ist eine Schande für unsere Wissenschaftler und unsere wissenschaftlichen Publikationen. Eine große Ehre aber ist es für den SPIEGEL, daß der Bericht des Herrn Tobias zuerst in ihm erscheint. Er bedeutet keine Ehrenrettung für deutsche Sadisten, aber die Proportionen werden mit ihren richtigen Grenzen sichtbar.

Stockholm DR. PETER IHLEFELDT

Aus dem alljährlich von der IG Metall herausgegebenen Wandkalender können ihre Mitglieder wichtige gewerkschaftliche und politische Ereignisse entnehmen. Der Kalender für das Jahr 1960 enthält folgende Bereicherung: »28. August 1933*: Die Nazis zünden den Reichstag an.« Damit erübrigt sich wohl Ihre Artikel-Serie.

Dortmund-Hörde KL. STEPHANI

AUGUST

28 1933 Die Nazis zinden den Reichstag an

29 Montag

30 Dienstag

31 Mittwoch

Die inner- und außerdeutschen Reaktionen zeigen, daß der SPIEGEL an einem lukrativen Ast gesägt hat!

Bonn HERBERT HOYER

* Der Reichstag brannte am 27. Februar 1933.

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