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RUSSLAND Schlüpfrige Spekulationen

aus DER SPIEGEL 8/2009

Politischen Schmuddeljournalismus der besonderen Art liefert zurzeit die regierungsnahe russische Zeitung »Iswestija«. Mit vermeintlich »sensationellen Neuigkeiten« versucht das Blatt, den ermordeten Moskauer Bürgerrechtsanwalt Stanislaw Markelow, der vor dem Straßburger Gerichtshof für Menschenrechte mehrere Prozesse gegen den russischen Staat führte, zu diskreditieren. Dazu veröffentlicht die Zeitung schlüpfrige Spekulationen über ein vermeintliches Liebesverhältnis des Anwalts zu der gemeinsam mit ihm Ende Januar am helllichten Tag in Moskau erschossenen Journalistin der »Nowaja gaseta« Anastassija Baburowa. Bevor sie zu der Kreml-kritischen Zeitung wechselte, war Baburowa für die »Iswestija« tätig gewesen. Ihre alten Kollegen orakeln nun über einen denkbaren Eifersuchtsmord an Markelow und Baburowa. Der getötete Anwalt erscheint in dem Beitrag als Frauenheld, der »begeisterte weibliche Augenpaare wie Doping« genossen habe. Die »Iswestija« gilt als Blatt am Gängelband der Staatsmacht. Der Umgang mit politischen Mordfällen ist zwischen Hardlinern und Reformern in Moskau umstritten. Demonstrativ hatte Präsident Dmitrij Medwedew Anfang Februar den »Nowaja gaseta«- Chefredakteur Dmitrij Muratow im Kreml empfangen und von den Chefermittlern eine beschleunigte Aufklärung verlangt.

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