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Briefe

Schmerzliche Worte
aus DER SPIEGEL 31/1992

Schmerzliche Worte

(Nr. 29/1992, Ostdeutsche: Interview mit dem Ost-Berliner Altbischof Gottfried Forck über die »Komitees für Gerechtigkeit")

Altbischof Forck hat recht: Ich hatte, als er sein Interview gab, den Aufruf zur Gründung der Gerechtigkeits-Komitees tatsächlich nicht gelesen. Ich war zu dieser Zeit in Birma und habe mich für Gerechtigkeit und Freiheit für die unter Hausarrest stehende Friedens-Nobelpreisträgerin Frau Aung San Suu Kyi und andere politische Gefangene eingesetzt. Die Worte, mit denen mich der SPIEGEL richtig zitiert, waren weder schnell noch unüberlegt, wie mir Herr Forck unterstellt. Sie wurden bereits Anfang Juni gesagt und bezogen sich nicht auf den Gründungsaufruf und dessen Unterzeichner, sondern auf Diestels und Gysis Gerede von der Ostpartei. Allerdings schmerzt es mich schon, daß Altbischof Forck und Heinrich Albertz, Barbara Thalheim und Dieter Hildebrandt und andere von mir sehr respektierte Frauen und Männer gemeinsame Sache mit dem rechtslastigen DSU-Gründer, korrupten Innenminister a. D. und sich nun linkssmart gebenden Peter-Michael Diestel gemacht haben. Glauben sie wirklich daran, daß es Herrn Diestel, der sich aus seinen Ämtern immer nur persönliche Vorteile verschafft hat, um Recht und Gerechtigkeit für Ostdeutsche geht? Und daß ausgerechnet die SED-Nachfolgepartei PDS die geeignete Interessenvertreterin für die Opfer des Realsozialismus ist? Gysis aufgewärmte Volksfrontsuppe macht weder die Arbeitslosen in Brandenburg oder Sachsen noch die Gefangenen in Birma oder die Hungernden in Afrika satt. *UNTERSCHRIFT: Berlin KONRAD WEISS Bündnis 90/MdB

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