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ITALIEN Schnee am Mittelmeer

aus DER SPIEGEL 12/2007

Kokain ist auf bestem Weg, zum neuen Espresso zu werden - der kleine Kick für zwischendurch und für wenig Geld überall zu haben. Als »furchterregend und gigantisch« hat Innenminister Giuliano Amato die Kokserei seiner Landsleute bezeichnet: »Man kann von den Ordnungskräften nicht verlangen, gegen den Drogenhandel vorzugehen, wenn es eine Nachfrage gibt, die von Familien, von Jungen und Erwachsenen kommt.« Im Geschäftsviertel von Catania, so berichtete die Tageszeitung »La Stampa«, würden bereits Kokain-Bestecke in einem gewöhnlichen Tabakladen verkauft. Zwei Millionen Italiener schnupfen die Droge, behauptet der Minister, vom Broker über den Babysitter bis zum Bauarbeiter, der so besser seine Doppelschichten schafft: Kokain als Antidepressivum im Haushalt, Aufputschmittel im Beruf und Freizeitdroge ohnehin. Ihr Konsum habe sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt, die Preise für ein Gramm dafür in den vergangenen drei Jahren mehr als halbiert, auf jetzt 40 Euro. Koks sei längst keine Luxusdroge mehr, behaupten Experten des Innenministeriums. In der Finanzkapitale Mailand habe jeder Zehnte schon probiert, zwei Prozent aller Bürger gäben zu, regelmäßige Nutzer zu sein. Der Radprofi Marco Pantani kokste sich zu Tode. Fiat-Erbe Lapo Elkann kam mit einer Überdosis ins Krankenhaus. Auch Emilio Colombo, ein 86-jähriger Senator auf Lebenszeit, hatte zugegeben, regelmäßig Kokain zu nehmen - aber »nur aus therapeutischen Gründen«.

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