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ITALIEN / AUTOMOBILE Schöne Aussicht

aus DER SPIEGEL 33/1967

Neidvoll schauen Deutschlands Automobilbauer über die Alpen. Während die Werkhallen von VW, Opel und Ford erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg im Krisenschatten liegen, verkaufen Italiens Konzerne mehr Fahrzeuge als je zuvor.

Von Januar bis Juni rollten über 830 000 Automobile von den Fließbändern italienischer Montagehallen -- 21 Prozent mehr als in der ersten Jahreshälfte 1966. Im gleichen Zeitraum mußten die deutschen Automobilpressen ihre Produktion um mehr als ein Viertel drosseln. Erstmals wurde in diesen sechs Monaten VW vom Thron des größten europäischen Automobil-Fabrikanten gestoßen. Fiat baute in Turin 706 000 Wagen; VW in Wolfsburg 620 000 Fahrzeuge.

Den Rekordabsatz verdanken die Italiener einem neuen Wirtschaftsaufschwung, der auch den PS-Konsum hochtreibt. In keinem EWG-Land steigt das Sozialprodukt derzeit so stark wie in Italien. Geschätzte Wachstumsrate 1967: 5,5 Prozent (Bundesrepublik: 0,5 Prozent).

Aber auch aus dem Ausland melden italienische Autovertreter Rekordverkäufe: Allein in der Bundesrepublik schlug Fiat von Januar bis Juni 50 000 Wagen los, die gesamten Auslandsverkäufe stiegen auf 200 000.

Dabei scheint der Fahrzeugboom im Süden der EWG eben erst begonnen zu haben. Die relativ geringe Autodichte zwischen Po und Messina (Italien: je zehn Einwohner ein Auto: Bundesrepublik: je sechs Einwohner ein Auto) schafft ideale Absatzchancen. Bis 1971 wird die Autodichte vermutlich um elf Prozent jährlich zunehmen.

Italiens größte Autokonzerne bauen ihre Kapazitäten aus. Der Turiner Gigant Fiat, der 85 Prozent aller italienischen Autos produziert und im letzten Jahr fast 1,2 Millionen Kraftfahrzeuge verkaufte, errichtet im sizilianischen Palermo eine neue Fabrik mit einer Jahreskapazität von 50 000 Wagen.

Bei Neapel soll ein Mammutwerk von Alfa Romeo mit, zunächst 300 000 Wagen Jahreskapazität entstehen, Die zum staatlichen In-Konzern gehörende Mailänder Firma will ihre neue Produktionsstätte »Alfa Sud« schon 1971 in Betrieb nehmen. Sie kostet zwei Milliarden Mark und schafft 85 000 neue Arbeitsplätze.

Alfa Romeo, bisher nur als Schmiede exklusiver Sport- und Tourenwagen bekannt, will in dem neuen Werk einen Mittelklassewagen zwischen 1500 und 1700 Kubikzentimeter bauen -- vor allem für den Export. Iri-Präsident Giuseppe Petrilli über den neuen Typ: »Unser Volkswagen-Modell.«

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