Zur Ausgabe
Artikel 44 / 48
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Briefe

SCHÖNER DEUTSCHER
aus DER SPIEGEL 35/1967

SCHÖNER DEUTSCHER

(Nr. 32/1967, Schröder und Bundeswehr)

Ich habe selten eine so erstklassige und so gut fundierte Beschreibung des jetzigen deutschen Verteidigungsministers gelesen. Sie trifft in allen Punkten zu und erinnert mich an die seinerzeit veröffentlichte Serie über den häßlichen Deutschen, obwohl sich Gerhard Schröder selbst zu den »schönen« Germanen zählt.

Zürich JOSEF WEGENER

Sie hätten den Heiligenschein um das Haupt des Herrn Bundesministers noch etwas vergrößern sollen. Habe nicht gewußt, daß auch Sie dem Byzantinismus huldigen.

Berlin DR. HANS ARNDT

Ihr Artikel strotzt von soviel einäugiger Arroganz und süffisantem Intelligenz-Mangel, daß man als demokratischer Staatsbürger nur lächeln kann.

Marburg (Hessen)

GUDRUN UND HANSJÖRG BINDER

Als Verteidigungsminister schon halberlei aufs politische Altenteil abgeschoben bemüht sich Schröder, Irrungen und Wirrungen des Kiesinger-Kabinetts durch seine Ich-bin-auch-noch-da-Einstellung zu vergrößern. Die Strauß-von-Hassel-Mixture ergibt einen perfekten Schröder-Cocktail: Machthunger und politischer Dilletantismus mit einem Schuß Arroganz.

Berlin FRIEDHELM SCHMUCK

Daß Herr Schröder zu den profiliertesten Politikern, die wir je hatten, gehört, daran besteht kein Zweifel. Er weiß, was er will. Er kriecht vor de Gaulle nicht zu Kreuz. Er besitzt eine nationale Gefühlsart, die sich mit allen unseren Verbündeten in Einklang bringen läßt. Nicht umsonst ist Dean Rusk sein Freund und auch Harold Wilson. Eggerscheidt (Nrdrh.-Westf.)

ALFONS GRAFENDER

Schröder versucht sich in penetranter Weise als Autoritätsapostel aufzubauen, denn er fühlt, Deutschland brauche einen nationalen Gegenpol zu de Gaulle.

Köln FRIEDRICH MEYER JUN.

Es ist kein Wunder, daß Herrn Schröder die neuen Gesichter im Bundeskabinett unheimlich vorkommen. Die roten Kabinettsmitglieder haben nämlich eine schlohweiße Weste ins Parlament gebracht.

Berlin ELSE EMMERT

Dieser hochinteressante Artikel über die Kämpfe hinter den Kulissen von Kabinett und Parlament gibt zu ernsthafter Empörung des Wählers Anlaß. Hier ein aufsässiger, sehr auf »Selbstachtung« bedachter, aber brauchbarer Verteidigungsminister, dort ein um die Gesamtverantwortung bemühter Kanzler. Wie soll eine für jeden Minister mit großen demokratischen Freiheiten ausgestattete Regierung funktionieren, wenn einzelne unlauter opponieren? Intern müssen sicher anläßlich nötiger Debatten unliebsame Wahrheiten gesagt werden, ohne auf Stellung und Person Rücksicht zu nehmen. Aber was sich Herr Schröder anläßlich der Kürzung des Verteidigungs-Etats erlaubt hat, indem er sofort von erheblichen Truppenverringerungen sprach, entweder wider besseres Wissen oder sehr leichtfertig, weil er sich vorher nicht über eventuelle andere Möglichkeiten von Einsparungen unterrichtet hat, läßt wenig Bewußtsein um die Gesamtverantwortung erkennen und hat dem deutschen Ansehen bei unseren westlichen

Verbündeten, erneut völlig unnötig, erheblich geschadet.

Bruchhausen (Nieders.) A. KONRAD

Wenn Herr Schröder von sich selbst sagt, er sei der stärkste Mann in der CDU, dann zeugt das von einer Arroganz und Überheblichkeit, die nur noch durch seine weitere Äußerung überboten wird, nämlich »ein Politiker von meinem Format kann nur noch zwei Ambitionen haben, Außenminister oder Kanzler«. Uns, die wir seit 1946 der CDU angehören, überrascht diese fast krankhafte Überheblichkeit nicht. Aber diese seiner Äußerungen sollten denen die Augen öffnen, die immer noch hinter diesem Mann politische Fähigkeiten vermuten. Daß er keine besitzt, haben wir leider erkennen müssen in den Jahren, in denen er als Innenminister und als Außenminister versagte. Als Verteidigungsminister hat er uns bis jetzt noch nicht eines Besseren belehrt.

Gemünden (Rhl.-Pfalz) GERDA HOPPE Auf Ihrem Titelbild hinter dem Kopf des Verteidigungsministers sind die Worte zu lesen: »Bundesminister der Verteidigung«, die sprachlich ein schauderhaftes Gebilde sind und zudem den Eindruck erwecken, es gehe nicht um die Amtsbezeichnung eines Kabinettsministers, sondern um die des bevollmächtigten Ministers einer außerstaatlichen Macht. Nach dem Grundgesetz (Artikel 65 a, Absatz 1) ist die Amtsbezeichnung des Verteidigungsministers: »Bundesminister für Verteidigung«. Die vom Grundgesetz abweichende Amtsbezeichnung geht auf eine »Entschließung« des Verteidigungsministers Strauß aus dem Jahre 1960 zurück. Er bezweckte mit der sehr kostspieligen Änderung aller Türschilder, Aufschriften und so weiter wohl, sein Ministerium unter die »klassischen« Ministerien («... des Inneren«, »... der Finanzen") einzureihen und sich auf diese Weise mehr Gewicht zu verschaffen.

Freiburg WOLFGANG VON BUCH

Zu Ihrer Titelgeschichte über unseren Kriegskassen-Verwalter Schröder drucken Sie auch einen Artikel Ihres Wehrverwesers Oberst von Claer, den seine alten Kameraden wohl als Kriegserklärung auffassen müssen. Er rechnet der Bundeswehr vor, daß sie ohne die atomare Schlagkraft der USA nicht in der Lage ist, unser Vaterland zu verteidigen. Da die Amis für uns keinen Atomkrieg führen wollen, sollten wir entweder mit de Gaulle einen Atomschild aufstellen oder unsere sogenannten Verteidigungsanstrengungen ganz einstellen.

Köln EBERHARD RÖHRIG Wenn die Bundeswehr, wie Herr von Claer schreibt, innerhalb von vier Tagen nach einem Angriff aus dem Osten zusammenbricht und anschließend die Amerikaner das ganze Land zwischen Oder und Rhein mit Atomwaffen in eine Mondlandschaft verwandeln, dann war und ist die Aufstellung und Unterhaltung dieser Truppe, die den deutschen Steuerzahler innerhalb von zwölf Jahren schon zwanzigmal soviel gekostet hat wie die Wiederaufrüstung des Deutschen Reiches vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, ein kompletter Irrsinn. Baden-Baden DR. RUDOLF E. KRAUS

Oberst a. D.

Wenn im Osten auf den Knopf gedrückt würde, sind wir Staub ehe der oberste und der unterste Verteidiger sich die Unterhosen angezogen haben. Stöckheim (Nieders.) HANS SCHLÜTER

Habe Schröder einen konstruktiven Vorschlag zu unterbreiten, wie er unsere Bundeswehr zu einer allzeit siegreichen Truppe machen kann: Er bestellt bei Cardin für Generalinspekteur de Maizière eine Augenklappe à la Dayan und beim Bundestag ein Gesetz, wonach auch Mädchen Wehrdienst leisten müssen.

Berlin LOTHAR SCHWALB

Mehr lesen über
Zur Ausgabe
Artikel 44 / 48
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.