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KULTURPOLITIK »Schöner Luxus in schweren Zeiten«

Michael Naumann, 58, Staatsminister für Kultur, fordert mehr Mitsprache des Bundes in der Hauptstadtkultur.
aus DER SPIEGEL 52/1999

SPIEGEL: Sie fordern mehr Einfluss des Bundes auf die Berliner Kulturpolitik. Wollen Sie die Landeshoheit umgehen?

Naumann: Keineswegs. Ich möchte erreichen, dass die großen, auch vom Bund subsidierten Berliner Bühnen in GmbHs umgewandelt werden, wie das beim Berliner Ensemble der Fall ist. Das hat sich zum Beispiel in Hamburg schon bewährt. Die Häuser können so langfristiger und eigenständiger wirtschaften. Und zweitens glaube ich in der Tat, dass der Bund - also kompetente Vertreter meines Ministeriums - in den Aufsichtsräten dieser Häuser vertreten sein sollte.

SPIEGEL: Weil Sie kontrollieren wollen, wo die Bundes-Millionen bleiben?

Naumann: Wir geben alles in allem mehr als 640 Millionen Mark für das Berliner Kulturleben, Deutsche Welle inklusive, aus. Es wäre legitim, dass wir entsprechend unserem Anteil an der Finanzierung auch in den Aufsichtsräten der verschiedenen Institutionen vertreten sind.

SPIEGEL: Haben Sie mit Kultursenatorin Christa Thoben über Ihre Pläne gesprochen?

Naumann: Ich habe um einen Termin gebeten. Sie hat aber erst Ende Januar Zeit.

SPIEGEL: Was hätte eine Mitwirkung des Bundes schon Positives bewirken können?

Naumann: Man hat bei der Besetzung von Intendantenposten auf die glanzvollen Namen gesetzt, ohne an die Programmarchitektur der ganzen Stadt zu denken. So ist es dazu gekommen, dass zu vieles zu ähnlich geworden ist. In Berlin konkurrieren allein drei »Zauberflöten« und zwei Wagner-»Ringe«. Ein schöner Luxus in schweren Zeiten.

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