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Briefe

SCHÖPFERISCHER GEIST
aus DER SPIEGEL 39/1968

SCHÖPFERISCHER GEIST

(Nr. 34/1968, Schallplatten)

Ich erlaube mir. Sie darauf hinzuweisen, daß der Sinn meines von Ihnen zitierten Aufsatzes »Zum musikalischen Denken Isang Yuns« in dem oben erwähnten Artikel entstellt erscheint. Es entsteht der Eindruck, ich würde Yun die Tatsache, daß sich seine Musik westlichen Analysen entzieht, keine thematischen Gestalten et cetera enthält, zum Vorwurf machen: Im Gegenteil sind das alles positive Feststellungen, die die starke Eigenart Yuns und die Unabhängigkeit seines künstlerischen Denkens klarmachen sollen. Der Aufsatz verfolgt das Ziel,

Yuns Kunst vor Mißverständnissen zu bewahren, die dann entstehen, wenn man ihn mit traditionellen Methoden analysiert. Keineswegs will er aber sagen, daß Yun glattweg unverständlich sei oder etwa von uns gar nicht beurteilt werden könne: Man muß sich nur die Mühe machen, unsere musikalischen Denkgewohnheiten zu durchbrechen, um die adäquaten Maßstäbe zu finden. Dann wird man sehr schnell feststellen, daß der Fall Yun kein »politischer Fall« ist, sondern der Fall eines bedeutenden schöpferischen Geistes.

Wiesbaden HANS ZENDER

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