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Briefe

Schon etwas abenteuerlich
aus DER SPIEGEL 24/1994

Schon etwas abenteuerlich

(Nr. 23/1994, Serie: Die alliierte Invasion in der Normandie 1944)

Sie führen aus, daß mein Vater wenige Tage vor seinem Tod an Hitler geschrieben hätte: »Mich beherrschte stets nur ein Gedanke - zu kämpfen und siegen für Ihr neues Deutschland.« Erstens wäre hier anzumerken gewesen, daß mein Vater diesen Brief, wie aus seinem Inhalt klar ersichtlich ist, entworfen hat, um seinem von der Gestapo inhaftierten und vom Tode bedrohten Generalstabschef, Generalleutnant Dr. Hans Speidel, zu helfen, für dessen Schicksal er sich verantwortlich fühlte. Dieses Ziel wäre wohl kaum zu erreichen gewesen, wenn mein Vater Hitler ein Arschloch geheißen hätte, wie man sich das heute vorstellt. Zweitens hat mein Vater diesen Brief nicht abgeschickt, weil er ihn bei nochmaliger Durchsicht nicht für glaubwürdig hielt. Drittens hat meine Mutter den Brief nach dem Tode meines Vaters einem Offizier übergeben und diesen gebeten, den Brief über die Waffen-SS Hitler zuzuleiten, weil auch sie etwas für General Dr. Speidel tun wollte. Der Offizier fand aber keine Gelegenheit, den Brief weiterzuleiten. So blieb er erhalten. Ihn, der zu einem klaren Zweck verfaßt wurde, als einen Ausdruck der wahren inneren Gesinnung meines Vaters darzustellen, ist schon etwas abenteuerlich. *UNTERSCHRIFT: Stuttgart MANFRED ROMMEL Oberbürgermeister _(* Als 15jähriger mit seiner Mutter Lucie ) _(am 18. Oktober 1944 in Ulm. )

Rommel bei der Beerdigung seines Vaters*: Für Speidel verantwortlich

* Als 15jähriger mit seiner Mutter Lucie am 18. Oktober 1944 in Ulm.

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