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Briefe

Schtonk!
aus DER SPIEGEL 29/1994

Schtonk!

(Nr. 27/1994, Polemik: Wolf Biermann attackiert den Kritiker Marcel Reich-Ranicki)

Biermanns exhibitionistischer Rückzug vernebelt wortreich den eigentlichen Grund seiner Kränkung: Er kann es Reich-Ranicki nicht verzeihen, daß er, Biermann, aus schierer Lust an Polemik auf Walter und Tilman Jens kopflos eingedroschen hat, deshalb drischt er jetzt, nicht minder kopflos, auf den vermeintlichen Verursacher seiner nur von ihm selbst verursachten Peinlichkeiten ein - bis zum nächsten öffentlichkeitswirksamen Widerruf! *UNTERSCHRIFT: Frankfurt/Main DR. PHIL. SALOMON KORN

Die hilflosen Schwafeleien eines Wolf Biermann sprechen natürlich Bände über die Befindlichkeit einer deutschen Intellektuellen (?)- und Literatenszene: über den Geisteszustand jener, die sie (preisgekrönt!) bevölkern als auch derer, die jene unverdrossen gekürt haben. *UNTERSCHRIFT: Hamburg PROF. DR. PETRA KAPPERT

Warum spricht niemand aus, was Faschismus, Stalinismus und alle Diktaturen gemeinsam haben: Sie machen nicht nur die Täter schuldig, sondern oft genug auch die Opfer. Die Opfer stehen dabei vor einer bitteren Alternative: Entweder unschuldig und gleich verderben oder schuldig und später elend werden. *UNTERSCHRIFT: Zeuthen (Brandenburg) MICHAEL BÖHM

Wie geht's weiter? Geschlossener Brief von MRR an WB in FR? Fernsehdiskussion mit JF, WB und MRR in WDR? Bleibt dem geneigten Leser nur eine Frage: Wen interessiert eigentlich, was ein abgehalfterter Politbarde von einem Kritiker hält, der den Zenit seiner Schaffenskraft längst überschritten zu haben scheint? *UNTERSCHRIFT: Gönnheim (Rhld.-Pf.) BRUNO WALTHER

Wo ist der Thomas Bernhard, der uns daraus eine Komödie macht! Denn es gibt keinen Fall Heidegger, es gibt keinen Fall C. G. Jung, es gibt keinen Fall Marcel Reich-Ranicki. Es gibt nur einen - typisch deutschen - Fall Biermann, des humorlosen Moralapostels, des intellektuellen Klugscheißers, und dieser Fall ist eine Tragödie. Aber im Grunde entbehrt auch er nicht der Komik. Schtonk! *UNTERSCHRIFT: München WOLFGANG MÜLLER

Wie häufig will der SPIEGEL Wolf Biermann eigentlich noch eine Bühne für seine an Seelen-Striptease heranreichenden Ausführungen bieten? Vielleicht sollte Herr Biermann nicht immer, aber immer öfter seinen Kopf aus dem Stasi-Mief erheben, um nicht bald die gesamte Welt nach IM oder Nicht-IM zu beurteilen. *UNTERSCHRIFT: Hamburg THOMAS BEHNCKE

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