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Schutzlos gegen Atom-Terroristen?

Individueller Terror wie im Fall Schleyer, Massen-Kidnapping wie im Fall der entführten Lufthansa-Boeing: Polit-Gangstern scheint jedes Mittel recht, ihre abstrusen Ziele durchzusetzen. Was also sollte sie von einer noch bösartigeren Terror-Dimension zurückhalten, vor dem Angriff auf Kernreaktoren? Bisher ist in der Bundesrepublik trotz besseren Wissens nichts geschehen, um, Atomkraftwerke gegen solche Terroranschläge zu sichern,
aus DER SPIEGEL 43/1977

Am Freitag dieser Woche, morgens um 8.30 Uhr, trifft sich im Saal 2304 des Bonner Abgeordnetenturms »Langer Eugen« ein geheimer Zirkel.

Die Experten der Bereiche Reaktorsicherheit, Strahlenschutz und Zivilschutz des Innenausschusses haben Spezialisten aus dem Innen- und Verteidigungsministerium eingeladen, um erstmalig amtliche Auskünfte über ein brisantes Thema einzuholen: die Gefährdung der bundesdeutschen Bevölkerung bei »Sabotage, Terrorismus und militärischer Einwirkung« auf Kernkraftwerke.

Wenige Wochen vor den Parteitagen von SPD und FDP markiert diese Parlamentarierklausur eine neue Dimension in dem Allparteienstreit um die Atomenergie.

Bereits Ende vergangener Woche hatte Harald B. Schäfer, stellvertretender baden-württembergischer SPD-Vorsitzender und Fachmann der Bonner Bundestagsfraktion für Reaktorsicherheit, ein warnendes Zeichen gesetzt. In einem Beitrag für die nächste Nummer der SPD-Zeitschrift »Neue Gesellschaft« stellte sich der Abgeordnete frontal gegen seine Regierung: »Der Bau und die Inbetriebnahme neuer Kernkraftwerke ist bei Würdigung aller Aspekte zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zu verantworten.«

Seine Begründung: Jedes deutsche Kernkraftwerk könne hei zielgenauem Angriff zerstört werden, auch durch Terroranschläge. »Wir wissen«, so brachte er seine Insider-Kenntnis unter die Genossen, »daß heute die Terroristen spätestens drei bis vier Jahre nach der Produktion der neuesten Waffen über diese verfügen und zunehmend bereit sind, sie entsprechend zu verwenden.«

Warnungen nach Schäfer-Art kursieren nicht nur in Parteizirkeln. Schon seit etwa zwei Jahren beschäftigen sich auch die beamteten Sachverständigen der Bundesregierung mit der Frage der äußeren Sicherheit von Kernreaktoren. Auf einer geheimen Tagung in der Bad Godesberger »Akademie für zivile Verteidigung« hatten sich bereits Ende 1975 Vertreter des Kanzler- und Außenamtes sowie des Verteidigungs- und Innenressorts mit dem explosiven Stoff befaßt. Die Ergebnisse blieben bislang ohne Folgen.

In einem Geheim-Dossier wurde nach der Behandlung des ersten Tagesordnungspunkts »Ausgangslage bei potentiellen Angreifern« protokolliert: »Unabhängig von einer kriegerischen Auseinandersetzung sind Terroraktionen denkbar, welche von Terroristengruppen durchgeführt werden, die von feindlichen Staaten oder transnationalen Vereinigungen gesteuert sind. Zweck einer Aktion gegen Kernkraftwerke könnte sein, die Bundesregierung von der Weltöffentlichkeit unter Druck zu setzen, die Bevölkerung zu demoralisieren und die Bundesrepublik innenpolitisch instabil sowie außenpolitisch handlungsunfähig zu machen.«

Bislang hatte sich die Kontroverse um Kernkraftwerke an zwei Konfliktthemen entzündet: Zur Angst der Bevölkerung vor technischen Pannen in den Atommeilern kam der von Bürgerinitiativen geschürte Dauerstreit uni die Entsorgung, die Beseitigung und Wiederaufbereitung des Plutoniumabfalls.

Schon diese beiden Probleme haben beide Regierungsparteien in je zwei feindliche Lager gespalten. Bundeskanzler Helmut Schmidt und sein neuer FDP-Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff argumentieren, jede Verzögerung bei der Errichtung neuer Kernkraftwerke oder gar ein genereller Baustopp müßten den Zusammenbruch der energieabhängigen deutschen Wirtschaft nach sich ziehen.

Kernkraftkritiker wie SPD-Präsidiumsmitglied Erhard Eppler und die Hamburger FDP-Vorsitzende Helga Schuchardt hingegen werten jeden neuen Reaktor und jede Teilbaugenehmigung als lebensgefährdende Bedrohung der Menschheit.

Doch die Frage, ob und wie Atommüllbeseitigung möglich ist und wie die Betriebssicherheit der Reaktoren garantiert werden kann, verblaßt fast zu einem allenfalls technischen Problem vor dem Schreckens-Szenario, das die Atomkraftgegner neuerdings entwerfen: Was passiert, wenn militärisch geschulte Terroristen mit internationalem Rückhalt vom Mord- und Entführungsgeschäft auf die Eroberung oder Zerstörung von Kernkraftwerken umsteigen?

Angesichts einer solchen Horrorvision werden sich die Atomfreunde quer durch die Parteien erneut fragen lassen müssen, wie sie's mit der Kernenergie halten. Bundeskanzler Schmidt hat sich bislang im Entführungsfall Schleyer von den RAF-Guerilleros nicht erpressen lassen. Sein Haltegriff: Er verteidige den Rechtsstaat, und sei es um den Preis eines Geisellebens. Er wird sich nun auch die Frage stellen müssen, ob er auch bereit wäre, bei atomarer Erpressung hart zu bleiben.

* Während der Demonstration von Kernkraftwerksgegnern am 24. September 1977.

Völlig daneben liegt dann auch der Kohl-Rivale Alfred Dregger, der, um die Bevölkerung im Kriegsfall zu schützen, lautstark die Unterbunkerung der Republik propagiert. Denn wer wie Dregger nach »Schutzraumbauten für die Zivilbevölkerung«, wer nach der »Anlage einer Lebensmittelversorgung« für den »Hauptkriegsschauplatz« Bundesrepublik ruft, aber zugleich das Land mit Atommeilern vollstellen will, muß sich zumindest Unordnung der Gedanken vorhalten lassen.

Noch vor einem halben Jahr kam FDP-Innenminister Werner Maihofer mit knapper Not am Rücktritt vorbei, als er von der rechtswidrigen Einbruchs-Aktion bei dem Atom-Manager Klaus Traube Kenntnis und Wissen vermissen ließ. Je mehr Reaktoren gebaut werden, um so größer wird die Gefahr, daß der Sonderfall Traube zur Regel wird. »Eine Plutoniums-Wirtschaft ist in einem straff organisierten Polizeistaat vielleicht sogar ungefährlich«, sagt beispielsweise der Essener Umwelt-Professor Klaus Meyer-Abich. »aber wer möchte um dieser Art der Energieversorgung willen einen Polizeistaat in Kauf nehmen?«

Die Atomskeptiker in der SPD jedenfalls wollen dies nicht. Sie wehren sich dagegen, daß über die Gefahren der Kernenergie immer nur mit ökonomischen Argumenten oder denen des Umweltschutzes gestritten und der brisante Aspekt der Gefährdung von außen verdrängt wird.

Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Haenschke mußte beispielsweise noch vor gut einem Jahr erleben, daß seine eigenen Genossen ihn zum Schweigen aufforderten, als er im Bundestag das Thema der äußeren Sicherheit von Kraftwerken anschnitt. Haenschke, jetzt Professor an der Fachhochschule in Aalen: »Bei uns entstehen nur sogenannte klassifizierte Papiere, alles wird geheimgehalten. In Amerika denkt man ganz anders darüber.«

Das ist richtig. US-Präsident Jimmy Carter hat in diesem Jahr einen für die Öffentlichkeit bestimmten Kernenergie-Bericht der Ford-Foundation in Empfang genommen, worin unter anderem das Thema »Nuklearterrorismus« ausführlich abgehandelt wird. In dem jetzt auch in deutscher Sprache erschienenen Werk ("Das Veto") kommen 21 unabhängige Wissenschaftler zu dem Schluß, daß »terroristische Gruppen überall auf der Welt an Größe, Raffinesse und Schlagkraft erheblich zugenommen« haben. Mit dem weltweiten Ausbau der zivilen Atomenergie hätten »Terroristen aller Gattungen -- Revolutionäre, Nationalisten, Dissidenten oder Kriminelle -- neue Möglichkeiten, die Atomenergie als Waffe zu gebrauchen«.

Die Professoren empfahlen ihrem Präsidenten deshalb, beim Reaktorbau wenigstens auf die sogenannten »Schnellen Brüter«, bei deren Betrieb das lebensgefährliche Plutonium anfällt, zu verzichten -- offensichtlich mit Erfolg.

In der Bundesrepublik ist dagegen bislang nicht erkennbar geworden, ob sich die Verantwortlichen in Bonn von solchen Mahnungen beeindrucken lassen.

Bundesforschungsminister Hans Matthöfer verhängte statt dessen, ähnlich wie der Kanzler im Entführungsfall Schleyer, kurzerhand eine Nachrichtensperre. »Die technischen und administrativ organisatorischen Schutzmaßnahmen gegen Gewalteinwirkungen (zum Beispiel Sabotage, Terrorismus, Krieg) sowie deren Begutachtung unterliegen aus naheliegenden Gründen der Geheimhaltung.«

Das Schweigen der Verantwortlichen verschafft unteren Chargen Freiraum für Kommentare. So verkündete Anfang Februar Erwin Münch von der zu 90 Prozent bundeseigenen Kernforschungsanlage Jülich, Sabotage und Terror könnten das Kernenergierisiko »nicht erkennenswert« erhöhen.

Ein Leitender Kriminaldirektor namens Egon Rößmann aus Recklinghausen erklärte auf einer Tagung der Polizeiführungsakademie Münster-Hiltrup, die deutschen Kernkraftwerke seien -- gemessen am internationalen Standard -- gegen Angriffe von außen »optimal« gesichert.

Dabei ist den Experten in der Bundesregierung spätestens seit jenem Erfahrungsaustausch der Godesberger Verteidigungsakademie vor zwei Jahren die Bedrohlichkeit der Lage bekannt. Die Regierungs-Experten haben sich jedoch bisher zumeist damit beruhigt, daß in einem konventionell geführten Ost-West-Krieg die Kernkraftwerke vom Gegner geschont würden. Schließlich, so das Argument jener Anhänger der Philosophie vom Gleichgewicht des Schreckens, brauche auch die Sowjet-Armee den Atomstrom, um die eroberten Industrieanlagen zu nutzen. Im übrigen seien ja erst dieses Jahr in den GenferZusatzprotokollen zum Kriegsvölkerrecht Atomkraftwerke in die Liste zu schonender Bauten aufgenommen worden.

Und selbst im Atomkrieg, so das Kalkül der Spezialisten, werde sich der Gegner scheuen, Reaktoren zu knacken: Die zusätzliche radioaktive Verseuchung treffe auch den Aggressor.

Andreas von Bülow, Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, antwortete denn auch am 20. September dieses Jahres dem CDU-Abgeordneten Alois Mertes, es sei »wenig wahrscheinlich«, daß der potentielle Gegner »mit sehr hohem Aufwand versuchen wird, Kernkraftwerke bevorzugt anzugreifen, um durch Freisetzung radioaktiver

Substanzen eine Geländeverstrahlung zu erzielen«. Zudem, so beschwichtigte der Staatssekretär den Oppositionellen, seien die Streitkräfte »in Ausbildung und Ausstattung auf Bewegungen in verstrahlten Gebieten eingestellt«.

Kernkraftgegner lassen sich jedoch durch noch so ausgeklügelte Beruhigungsstrategien nicht davon abbringen, daß Atomkraftwerke im Kriegsfall schwerste Gefahren heraufbeschwören. Und sie wissen auch, daß alle Theorien, die für militärische Angriffe noch gelten mögen, für terroristische Anschläge längst nicht mehr gültig sind -- eine Erkenntnis, die auch in den Planspielen Bonner Katastrophenschützer neuerdings immerhin einkalkuliert wird. Der Fall X: Ein Trupp internationaler Guerilleros erobert oder beschießt ein Kernkraftwerk.

Der Tätertyp: Eine »Kader-Guerilla«, der es nicht mehr darauf ankommt, bei der breiten Bevölkerung Sympathisanten zu gewinnen.

Das Ziel: Die Zerstörung der staatlichen Ordnung.

Zwar kam kürzlich die Washingtoner »Nuclear Regulatory Commission« (NRC) in einer Studie zu dem Resultat, in den USA gebe es derzeit nur wenige antisoziale Gruppen, die organisatorisch und von der Sachkenntnis her ein Kernkraftwerk angreifen können.

Die Zukunft sahen die Forscher jedoch düster: Schlechter werdende soziale. politische und wirtschaftliche Bedingungen -- wie sie auch für die Bundesrepublik prophezeit werden -- könnten schließlich sogar Kernfachleute und Kraftwerksangestellte für Terror und Sabotage motivieren.

Auch der deutsche Atomphysiker Carl Friedrich von Weizsäcker kam zu der Erkenntnis, daß die meisten Kernkraft- und Sicherheitsfachleute immer »nur das Modell von Gangstern in einer im übrigen funktionierenden Gesellschaft und nicht von Revolutionären in einer allgegenwärtigen Krise vor Augen haben«.

Wo der Wille ist, da sind auch Waffen. Die Wissenschaftler der Ford-Foundation zweifeln nicht: »Terroristen verfügen über immer kompliziertere Waffen die neuesten Sprengstoffe, automatische Waffen, sogar Raketen- und Flugabwehrgeschosse.«

Und auf dem Energiekongreß der SPD Ende April dieses Jahres in Köln hat Ex-MdB Haenschke aufgrund des Wissensstandes, den ihm Bonner Spitzenbeamte noch während seiner Parlamentarierzeit vermittelt hatten, offengelegt, wozu Terroristen mit einem solchen Arsenal imstande wären.

Was im Krieg eine Fünf-Tonnen-Lenkbombe, exakt auf einen Reaktor gesteuert, bewirke, können Terroristen laut Haenschke heute schon mit den panzerbrechenden Infanteriewaffen erreichen. Umd im »Vorwärts« schrieb Wolfram Wette am 4. August 1977: »Mit modernen Panzerabwehrlenkwaffen -- etwa der Typen ROT und MI-LAN kann die Betonhülle eines Reaktors durchdrungen, das Kühlsystem und möglicherweise auch der Reaktorkern zerstört werden.« Betonstärken bis zu 2 Meter sind kein Hindernis für diese Geschosse, die nach Meinung der Bonner Spezialisten von geschickten Bastlern nachgebaut werden könnten.

Haenschke: »Mit solchen konventionellen Waffen kann man heute jedes oberirdisch gebaute Kernkraftwerk genau treffen und zerstören.«

Galten bislang meist Talsperren als besonders anfällig für Terroranschläge, so gehen mittlerweile Kriminologen, die sich in die Psyche von Terroristen hineinzuversetzen suchen, davon aus, daß mit einem Anschlag auf ein Kernkraftwerk mit weniger Aufwand weit größerer Schaden unter der Bevölkerung anzurichten sei, als Gift in Trinkwasser-Stauseen zu schütten.

Zudem hätten -- wiederum aus der Sicht von Attentätern -- Anschläge auf Reaktoren den Vorteil, daß auf diese Weise die Stromversorgung wichtiger militärischer Objekte, des Fernmeldenetzes, wichtiger Bahnknotenpunkte und Wirtschaftsbetriebe zusammenbräche. Und was diese Vision noch düsterer macht: Die Stromverbundnetze in der Bundesrepublik können bislang noch nicht so geschaltet werden, daß bei einem Desaster in einem Kernkraftwerk die Versorgung lebenswichtiger Einrichtungen wie Krankenhäuser und Wasserwerke gesichert bleibt.

Die Folgen eines solchen Blackouts wären um so verheerender, argumentieren die Kernkraftgegner, je stärker sich die Bundesregierung in ihrer Energieversorgungsplanung auf den Atomstrom stütze. Planung: Von derzeit sieben auf 35 Prozent im Jahre 1985.

Bei den bevorstehenden Debatten um die Kernenergie im Bundestag und auf dem Hamburger SPD-Parteitag im November wollen Atomgegner weitere Versäumnisse ihrer Regierenden anprangern. So moniert Haenschke, daß es keine »Vorplanungen für großflächige Evakuierungen im Augenblick eines schweren Störfalles gibt«. Der Katastrophenschutz sei »unzureichend« ausgebildet, es fehlten die Spezialisten, ja es mangele sogar an Schutzanzügen und Dosismeßgeräten.

Reaktorsicherheitsexperte Harald Schäfer weiß, daß ein wirksamerer Schutz der Atommeiler beispielsweise durch dickere Betonmauern oder zusätzliche Panzerplatten technisch möglich wäre. Doch -- so seine skeptische Prognose -- der Bau dickerer Wände werde »an Kostengründen und wirtschaftlichen Rentabilitätsüberlegungen« scheitern.

Als Schäfers Mitstreiter SPD-MdB Reinhard Ueberhorst Mitte September in einem nichtöffentlichen Hearing des Forschungsausschusses den Bochumer Professor Albert Ziegler fragte, ob der Schnelle Brüter wirksamer armiert werden könne, antwortete der Wissenschaftler: »Bezüglich bestimmter Gefahren, etwa der Einwirkung im Kriegsfall, könnte man etwas tun. Man könnte größere Betonabschirmungen bauen. Es ist nur die Frage, ob man das will.«

Werden allein ökonomische Maßstäbe angelegt, so müssen auch jene Kernkraftexperten der Bundesregierung die Hoffnung aufgeben, die behaupten, durch den Bau unterirdischer Kernkraftwerke könne der Gefahrenpegel entscheidend gesenkt werden. In einer im August dieses Jahres im Auftrag der US-Administration erstellten Studie werden der unterirdischen Bauweise zwar Vorteile in Angriffssituationen attestiert. Doch die Nachteile überwiegen: Es entstehen Mehrkosten von 20 bis 40 Prozent.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen die Jülicher Kernkraftforscher. Ihrem Auftraggeber, dem Bundesinnenministerium, meldeten sie bereits, daß solche Atommeiler mindestens 10 bis 20 Meter unter der Erde gebaut und mit einem zusätzlichen Betonschild geschützt werden müßten. Mehraufwand an Arbeitszeit: 24 bis 26 Monate.

Kein Zweifel: Die neue Dimension der Debatte um Atomenergie wird die nach dem Entsorgungsstreit schon bestehenden Fronten noch weiter verhärten.

Wer die Ängste der Warner vor militärischen und terroristischen Anschlägen teilt, muß, zumal in einem dichtbesiedelten, mit Kernkraftwerken vollgestellten Land wie der Bundesrepublik, den Atomstrom bedingungslos ablehnen; schon 1975 mußte die Regierung einräumen: »In der Bundesrepublik Deutschland stehen unbesiedelte oder sehr dünn besiedelte Standorte praktisch nicht zur Verfügung.« Oder er muß sich auf die Seite der Fatalisten schlagen, die wie der Bundeskanzler darauf setzen, daß wenigstens im Kriegsfall schon nichts passieren wird, weil ja auch die militärischen Gegner Reaktoren im Land haben.

Von einer Studienreise in die informationsfreudigeren Vereinigten Staaten brachte der nordrhein-westfälische Sozial- und Umweltminister Friedhelm Farthmann die beklemmende Erkenntnis mit: »Unsere Gesellschaft überlebt nur noch, wenn der äußere Frieden erhalten werden kann. Ein Land, das Atomkraftwerke hat, ist eigentlich nicht mehr verteidigungsfähig.«

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