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Briefe

SCHWABENSTREICH
aus DER SPIEGEL 35/1967

SCHWABENSTREICH

(Nr. 31 und 32/1967, Affären)

Nach allem, was in der Stuttgarter Grundstücksaffäre und zum Kapitel Vierherrenwald von Ihnen veröffentlicht worden ist -- wofür man Ihnen nicht genug danken kann -, kann doch niemand mehr behaupten, daß Herr Gerstenmaier eine reine Weste hat. Hieran ändert auch das Bestreben Stuttgarts nichts, eine »Ehrenerklärung« für Gerstenmaier abzugeben. Eine Ehrenerklärung in solchen Fällen ist immer eine faule Sache.

Hamburg MAX LINDNER

Wenn die Bodenpreissteigerungen andere reich gemacht haben, warum soll ausgerechnet Gerstenmaier dabei nichts verdienen?

Heppenheim (Hessen) JOSEF SOMMER

Gerstenmaier sollte man doch seine Schwabenstreiche nachsehen. Wer sich so lange Jahre um die Verkündung von Gottes und Gesetzes-Wort verdient gemacht hat, der hat wirklich keine Zeit, um sich auch noch um das Paragraphen-Gestrüpp auf dem Grundstücks- und Schenkungs-Sektor zu kümmern.

Hamburg CHRISTIANE KUHLICH

Ein englischer Minister, der sich mit einer zwielichtigen Person abgegeben hat, muß gehen. Ein deutscher Bundestagspräsident, der Grundstücksspekulationen betreibt, wird von vielen seiner Parteifreunde für fähig gehalten, Nachfolger von Bundespräsident Lübke zu werden.

Goslar (Nieders.) HANS BARDENWERPER

Ist mein Eindruck richtig, daß Sie bezwecken wollen, mit diesen an und für sich langweiligen Beiträgen eine Kandidatur von Dr. Gerstenmaier zu verhindern?

München EWALD HEINRICH VON KLEIST

Ich weiß nicht, ob Sie zum Thema Gerstenmaier eine positive Stellungnahme veröffentlichen. Es ist nicht nur meine Überzeugung, sondern für mich auch ein Bedürfnis, für diesen Mann einzutreten. Haben Sie denn vergessen, daß Gerstenmaier mit seinem Hilfswerk selbstlos und auf vernünftige Weise Hunderttausenden von Deutschen geholfen hat? Dabei hat er für sich selbst nichts gesucht und nichts gewonnen -- wie wir jetzt sehen nicht einmal ein Eigenheim.

Breuel (Nrdrh.-Westf.) P. DOMGORGEN

Jesus von Nazareth, scharfer Kritiker einer antiken Beamtenkirche, warnte: Weh euch Pharisäern (eifrige Kirchgänger und Mitarbeiter) und Schriftgelehrten (Theologen, Pfarrer, Bischöfe)! Er soll auch einmal die Finanzleute zum Tempel hinausgepeitscht haben.

Trost für Herrn Gerstenmaier:

Die Jünger: Ei, wer kann dann selig werden? Jesus: Bei Gott ist alles möglich.

z. Z. Kaiserslautern

PROF. RALPH CHARLES WooD

Wenn es auch keinen Zweck hat, zu den mancherlei Angriffen gegen Dr. Gerstenmaler Stellung zu nehmen, weil Sie in Ihrer Zeitschrift nur das bringen, was zu Ihrer vorgefaßten Meinung paßt, so möchte ich doch einen Satz nicht unwidersprochen lassen, weil er meines Erachtens eine ganz große Unverschämtheit darstellt. Sie schreiben, »daß ein stattlicher Spendenbetrag nicht dazu verwendet worden ist, die unmittelbare Not im Nachkriegsdeutschland zu lindern«. Dieser vielleicht oberflächlich hingeschriebene Satz kann den Eindruck erwecken, als ob wir Männer, die damals alles gewagt haben, um den hungernden und heimatlosen Menschen in Deutschland zu helfen, irgend etwas versäumt oder sogar eigene Interessen verfolgt hätten. Allein »der vielzitierte Vierherrenwald hat drei Millionen Mark für den Sozialen Wohnungsbau eingebracht. Viele, die im Jahre 1943 noch an den Endsieg glaubten oder dafür kämpften oder vielleicht als begeisterte Hitlerjungen Hakenkreuzfähnchen schwangen, sollten zur Kenntnis nehmen, daß damals schon Männer -- und vor allen Dingen Dr. Gerstenmaier -- sich Gedanken machten, wie Leid und Not· nach dem Zusammenbruch zu bewältigen seien. Dr. Gerstenmaier hat das

Verdienst, einer der ersten gewesen zu sein, der die Notlage Deutschlands nach einem verlorenen Kriege erkannte, und der damals schon mit ausländischen Stellen Fühlung nahm, um Mittel und Möglichkeiten vorzubereiten, die Not zu überwinden. Wir können nur dankbar sein, daß, nachdem so treffliche Männer ein Opfer des Naziterrors geworden sind, uns dieser Mann erhalten geblieben ist.

Berlin D. DR. HEINRICH GRÜBER

Propst

»Die Kirch' allein, Ihr lieben Fraun, kann ungerechtes Gut verdaun!«

(Goethe, Faust)

Monreith (Schottland) HILDEGARD PETER

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