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Briefe

SCHWABENSTREICH
aus DER SPIEGEL 5/1969

SCHWABENSTREICH

(Nr. 4/1969, Gerstenmaier-Titel)

Im Falle Gerstenmaier möchte man Karl Kraus zitieren: »Ein ganzer Kerl ist einer, der die Lumpereien nie begehen wird, die man ihm zutraut. Ein halber, dem man die Lumpereien nie zugetraut hat, die er begeht.«

Tübingen JOHANN-HENRICH KRUMMACHER stud. theol.

... manche Tiere sind gleicher als die andern.

Barntrup (Nrdrh.-Westf.) FRIEDRICH WILH. MEIER

Heil Dir im Dulderkranz, nimm, was Du kriegen kannst! Heil, Eugen, Dir!

Müllheim (Bad.-Württ.) RONALD SCHADE!

Gehen Sie zu »Bernie«.

Bonn M. MIATKI

Nur ein Schwabe hat die Gabe.

Oberkollbach (Bad.-Württ.) JOACHIM HEINHOLD

Die Groteske des Jahres 1969!

Stuttgart HANS-GEORG KOEPPE

Man müßte ein Gerstenmaier sein ...!

Frankfurt JOACHIM FRIEDRICH GOLDMANN

Gott verschone unsere angebenden Theologen vor diesem Professor!

Solingen (Nrdrh.-Westf.) C. KUNZE

Gebt ihm um Gottes willen, um der Ehre und des ohnehin gefährdeten Ansehens der Deutschen Universität willen, um dieses bedrohten und von innen gefährdeten deutschen Staates willen gebt ihm um unser aller Ehre und der Glaubwürdigkeit Deutschlands willen »nicht Rang und Würde eines deutschen Professors!

München ANTON MAIER

Der wackere Schwabe forcht sich nit, geht seines Weges Schritt vor Schritt, läßt sich den Schild mit DM spicken und tät nur spöttisch um sich blicken. Er muß ja so verfahren: »Die Würde seines Amts zu wahren.«

Zweibrücken (Rhl.-Pf.) RUDOLF LEONHARDT

Aber sollte Herr Gerstenmaler wirklich selbst von jenem deutschen Wappenspruch »Ich dien« gesprochen haben? O si tacuisses ... Das »ich dien« hat nämlich weder mit deutscher Sprache noch mit deutscher Spruchweisheit zu tun, denn es ist schlicht und recht walisischen Ursprungs und bedeutet »Euer Mann«, »Euer Landsmann«.

Es handelt sich hier um die Devise des Prinzen von Wales und des Bathordens seit Eduard 1. von England (1272--1307, unterwarf 1277 Wales), der mit diesen Worten seinen Sohn als im Lande geboren den Häuptlingen vorstellte.

Essen PAULUS SCHWAB

Man muß sich doch fragen, wie die »Lex Gerstenmaler« das Parlament passieren konnte?

Minden (Nrdrh.-Westf.) THEODOR KORELLA

Wäre es nicht höchste Zeit, das anmaßende »C« in der Firmierung zu streichen ...?

Bayrischzell RUTH GABOR

... eine ausgezeichnete Arbeit ...

Frankfurt DR. C. A. WINTER

Wer sind die zuständigen Behördenleiter und Experten, die -- ob mit oder ohne sanften Druck von oben -- in hektischem Untertanen-Eifer dem Großen Meister in Rekordzeit dieses Vermögen aus unser aller Steuergeldern an den Hals werfen?

Glashütten (Hessen) GERHARD MÜLLER

SDS und Apo danken erfreut mit einem »Gelobt sei Jesus Christus« und seinent irdischen Stellvertreter im Bundestag. Amen!

München FRANZ WEIDI

Ich nehme an, daß die NPD sich bei Herrn Gerstenmaler für die wirklich ausgezeichnete Wahlhilfe bestens bedankt hat.

Gauting (Bayern) DR. JUR. KURT RUNKEL

Hier in Hannover munkelt man übrigens, daß die NPD Herrn Gerstenmaier auch noch einmal DM 280 000 aus der Parteikasse zahlen will, für die einmalig wirkungsvolle Wahlhilfe.

Hannover HANS ROTHER

Vielleicht sind es 281 000 Wähler, die der CDU verloren gewertet werden?

Dortmund WALTER KUCHANNY

Der Fall Gerstenmaier ist publik geworden. Wie viele Fälle gibt es im Bundesgebiet noch?

Glehn (Nrdrh.-Westf.) ARTHUR BACHMANN

»Eugenitis fatalis« dürfte die richtige Diagnose und Symptombezeichnung für den fatalen und in der politischen Wirkung krankhaften Erwerbstrieb eines Eugen Gerstenmaier sein.

Oelde (Nrdrh.-Westf.) JOSEF FRENKEN

Jawohl, Herr Gerstenmater, es ist trübe und trostlos, was man in diesem Staat so erleben muß. Das stinkt doch zum Himmel.

Schalldorf (Bayern) FRANZ REUTTER

Daß der Vorstand der CDU diesem Mann nach allem, was geschehen und gesagt worden ist, noch das Vertrauen ausgesprochen hat, kann man nur als einen Skandal empfinden.

Bad Pyrmont WALTER BECKERT

... fällt es mir schwer, den bundesdeutschen Rechtsstaat zu bejahen. Nürnberg F. MARSCHALL Er hatte Hitler schon früh erkannt. Ich selbst war damals nach reichlich dumm, ein Gewehr In die Hand, das gab man mir drum zum Widerstand leistenwahl an der Front, das hab« ich getan -- so gut Ichs gekannt. Drum blieb ich -- es war eine rechte Qual -- über vier Jahre dann nachher nach im Ural. Das hat der Staat dann auch anerkannt, man gab mir 600 Mark in die Hand. Wenn die Rechnung nicht stimmt, das ist nur Schein, man müßt halt ein Bundestagspräsident sein.

Aachen HANS BURGGRAF

Habe noch zehn Monate Wehrsold nachzufordern und außerdem Widerstand geleistet. Soldbuch noch vorhanden.

Minden (Nrdrh.-Westf.) M. OTT

Auch ich bin Geschädigter des Nationalsozialismus. Meine erfolgversprechende Laufbahn bei einem großen Elektrokonzern wurde durch den Kriegsbeginn jäh unterbrochen, und ich möchte eine Entschädigung zwischen den Bezügen eines leitenden Angestellten dieses Industriezweiges und meinem heutigen Gehalt als kleiner 6 b-Angestellter im öffentlichen Dienst. Ich hoffe, daß es nicht nachteilig ist, daß ich nur dem Deutschen Jungvolk angehörte und nicht der« Reiter-SA.

Bochum ERICH PURFÜRST

Ich habe an den Herrn Bundestagspräsidenten Professor Dr. Gerstenmaier, Bonn, Bundeshaus, den Betrag von einer Mark mit folgenden Begleitworten überwiesen: Durch Presse und Fernsehen habe ich von Ihrem beruflichen Mißgeschick erfahren. Für Ihre Alterssicherung erlaube ich mir, Ihnen den Entschädigungsbetrag für einen Tag meiner tausendtägigen Kriegsgefangenschaft zu überweisen.

Berlin GEORG PREUSS

Warum trug Eugen Gerstenmaier zur Zeit des Zweiten Weltkrieges nicht das graue Kleid des Frontsoldaten? Gleich Millionen anderer Deutscher hätte er dann auch die Chance gehabt, zu fallen oder Kriegsversehrter zu werden. Rente bei 50 Prozent im letzten Fall 117 Mark monatlich!

Essen KURT HÄUSLER

Könnte der Bundestag nicht die Wiedergutmachungsgesetze auch noch so abändern, daß ich als nur indirekt Betroffener auch noch zu Geld komme?

Berlin WILFRIED KRAFT

Kennen Sie einen deutschen Parlamentspräsidenten, der sich durch seine Ämter bereichert hat und dessen Name mit einem Buchstaben »G« anfängt? Göring natürlich.

Essen PETER KLOEPFER

Solche Leute gehören nicht mit an die Spitze unseres Staates.

Menden (Nrdrh.-Westf.) CARL G. PLÖGER

Ich halte Herrn Gerstenmaier für einen echten politischen Widerstandskämpfer und halte ihn diesbezüglich und auch wegen seiner Verdienste für den Aufbau der Bundesrepublik für einen Ehrenmann. Dennoch räume ich ein, daß mir einige Ungereimtheiten schwäbischer Geschäftigkeit durchaus nicht gefallen.

Rheinhausen (Nrdrh.-Westf.) ALFONS TEWES

Nazi müßte man allerdings sein, wollte man sich darüber freuen, daß Sie damit unserer braven Bundesrepublik mehr Schaden zufügen, als die arme es eigentlich verdient hat.

Esslingen (Bad.-Württ.) H. KOEGEL

Rat Eugen Gerstenmaler mit dem Satz »Nazi müßte man sein« wirklich so unrecht? Es ist doch seit Jahren allgemein bekannt, daß ehemalige führende Nazis hohe Pensionen und Entschädigungen erhalten.

Heringen (Hessen) HOLZTRAGER

Pfarrer

Als Nazi lasse ich Gerstein als meinen Gesinnungsgenossen gelten. Professor Gerstenmaler jedoch ist der typische Antinazi.

Erlangen (Bayern) WALTER S. RAINER

Nicht erst seit gestern ist mir Gerstenmaier der unsympathischste von jenen Deutschen, die den Krieg gewonnen haben, notabene: Englands Krieg!

Bayreuth KARL HOFFMANN

Trotz Würdigung menschlicher Schwächen und des Rechtsempfindens kann es hier nur heißen: »In voller Kriegsbemalung mit Stahlhelm und Tarnjacke marsch marsch in die Wüste auf Safaris.«

Hückeswagen (Nrdrh.-Westf.) HERBERT PATZAK

Erster Mann im State: Heinrich Lübke! Zweiter Mann im Staate: Eugen Gersteninaier! Mit dem dritten Mann Georg Kiesinger kann man Staat machen (angeblich!). Kurz: Deutschland, Deutschland über alles ... Wir danken der CDU!

Hamburg DR. ING. WALTER SCHÜTZE

Gerstenmaier traf nie richtig. Als er am 20. Juli aus vier Meter Entfernung auf mich vier Schüsse abgab, schoß er daneben. Als er Anfang der fünfziger Jahre mich wegen dieser Schüsse unter Anklage wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit zu seinem Nachteil stellen wollte, wurde die Eröffnung eines Verfahrens abgelehnt, und als er sich jetzt den Titel Professor erschießen wollte, traf er nicht auf die Zustimmung der Öffentlichkeit.

Friedrichsdorf (Nrdrh.-Westf.) BOLKO VON DER HEYDE

Ein blinder Augstein, der trifft ein Gerstenkorn.

Berlin GEORG SEMKL

Lieber SPIEGEL, Deine Titelgeschichte über die Affäre Gerstenmaier hat wieder mal ins Schwarze getroffen.

Nürnberg HELMUT WIEDUWILT

Ohne die Pressefreiheit wäre wohl der Skandal Gerstenmaier niemals ans Tageslicht gekommen.

Bochum FRANZ MÜLLER

Außerdem wäre es interessant, wie sich die Kirche zum Fall Gerstenmeier stellt.

Kiel VOLKER BURGDORF

Wenn sich Dr. Niemöller 1944 nicht mehr an den jungen Theologen Garstenmaier erinnern konnte, so hat das nach keiner Richtung hin einen Aussagewert. Wer bedenkt, was Niemöller zwischen 1937 und 1944 alles erleben mußte, kann es ihm nicht übelnehmen, daß er, der in dieser Zeit von der Außenwelt abgeschnitten war einen Namen nicht behalten hat, der ihm vor 1937 nur als Mann eines recht jungen, aber kaum hervorgetretenen Gesinnungsfreundes erschienen sein mußte. Dazu kommt, daß die Att des Widerstandes bei beiden sehr verschieden war: Bei Niemöller lag der Schwerpunkt auf dem kirchlichen, bei Gerstenmaler von Anfang an auf dem politischen Gebiet. Zwischen beiden Gebieten hatte gerade Niemöller anfangs sehr unterscheiden wollen. Auch er hatte das Ergebenheits-Telegramm des Pfarrernotbundes vom 13. Oktober 1933 gutgeheißen: »Im Namen von mehr als 2500 evangelischen Pfarrern ... geloben wir treue Gefolgschaft ...« Solche Telegramme, verbunden mit der darin liegenden Scheidung zweier verschiedener, voneinander zu trennender Bereiche, waton mit ein Grund, weshalb Gerstenmaier in der Tat der Bekennenden Kirche nie angehört hat, sondern im Kampf gegen Hitler seine eigenen Wege ging. Niemöller galt nun einmal im Ausland als Symbol dieses Kampfes, was nur damit zusammenhängt. daß der direkte politische Kampf gegen Hitler sehr viel mehr geheim und unter Verzicht auf alle Kundgebungen vor sich gehen mußte, Im Ausland war man darüber noch lange nach Kriegsende ahnungslos geblieben. Wenn Gerstenmaler sich in Zürich kurz nach seiner Befreiung aus dem NS-Strafvollzug auf Niemöller berufen hat, so war das ein abgekürztes und undifferenziertes Verfahren, das in diesem Augenblick, wo es um sofortige Hilfe für die Hungernden ging, notwendig war. Die Differenzierungen sind später, als mehr Zeit war, deutlich nachgefolgt.

Heidelberg PROF. DR. H. KRIMM

Leider haben wir erst jetzt erfahren, daß Sie schon seit 1943 Professor sind, Hierzu erlauben wir uns, Ihnen nachträglich noch unseren aufrichtigen Glückwunsch zum Ausdruck bringen zu dürfen. Unsere Studentenschaft würde es sich zur Ehre anrechnen, wenn Sie sich dazu bereit fänden, im Rahmen eines Vortrages, etwa über das Thema »Christ und Geld«, die Reichhaltigkeit Ihrer Erfahrungen vorzutragen.

Nürnberg STUDENTENVERTRETUNG DER WISO-FAKULTÄT

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