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IRAN Schwert des Imam

aus DER SPIEGEL 37/2006

Im Streit mit dem Westen um sein Atomprogramm bereitet Teheran die nächste Stufe der Eskalation vor. In der vergangenen Woche brachte der einflussreiche Ausschuss für Außen- und Sicherheitspolitik eine Gesetzesvorlage ins Parlament ein, die das Regime auf einen härteren Kurs gegen die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) verpflichten will: Falls der Uno-Sicherheitsrat in New York tatsächlich Sanktionen gegen Iran beschließt, soll Teheran den Inspektoren aus Wien keine weiteren Kontrollen mehr gestatten, fordert der Entwurf. Ganz im Sinne des islamistischen Staatschefs Mahmud Ahmadinedschad ist für die meisten Parlamentarier unvorstellbar, auf die Urananreicherung, die auch Kernstück einer Atomwaffenproduktion sein könnte, zu verzichten. Die Beherrschung des kompletten Brennstoffkreislaufs

für zivile Zwecke, die Iran nach dem Atomwaffensperrvertrag erlaubt ist, gilt inzwischen als Frage der nationalen Ehre. Parlamentspräsident Gholam-Ali Haddad Adel verteidigte das vorgesehene Inspektionsverbot als »korrekt, logisch und auf der Grundlage der nationalen Anforderungen basierend«. Es sei sinnlos, mit einer Behörde zu kooperieren, welche die Rechte der iranischen Nation nicht anerkenne. Eine breite Zustimmung der von den Konservativen dominierten Volksvertretung zu der Vorlage gilt als sicher. Empört über das »Diktat des Westens«, fordern einige Ultras in der Madschlis, dem Parlament, seit geraumer Zeit sogar die Aufkündigung des Atomwaffensperrvertrags.

Während Präsident Ahmadinedschad tönt, Iran werde sich »Drohungen und Ultimaten nicht beugen«, soll das Regime bereits Milliardenbeträge auf geheime Konten in Asien verschoben haben, wohl um im Embargo-Fall auf dem Schwarzmarkt einkaufen zu können. Wirtschaftsminister Dawud Danesch Dschaafari versicherte, sein Land sei bestens »auf Sanktionen vorbereitet«.

Benannt nach dem legendären Schwert des Imam Ali, Urvater aller Schiiten, veranstaltet das Regime des Gottesstaates derzeit mit dem Manöver »Schlag des Dhu al-Fikar« demonstrativ eine der größten Militärübungen in der Geschichte der Islamischen Republik und fordert die Bevölkerung zum Durchhalten auf - »bis zum letzten Blutstropfen«.

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