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Briefe

Schwierigeres und härteres Leben
aus DER SPIEGEL 39/1999

Schwierigeres und härteres Leben

Nr. 37/1999, 40 Jahre DDR: Günter Kunert über die Ära Ulbricht

Ein Schriftsteller wie Herr Kunert kann und will sich wahrscheinlich nicht in die Lebenssituation der vielen Menschen auf dem Lande versetzen, die auf Grund von Eigentum nicht so ohne Weiteres der sowjetischen Besatzungszone den Rücken kehren wollten oder konnten. Viele hofften ja auch, dass es bald zu einer Wende kommen würde. Dazu lebte Herr Kunert wohl zu sehr in seiner privilegierten Berliner Künstlerszene, fernab vom Leben auf dem Lande. Dieses Leben war sicher schwieriger und härter als das in Berlin. Ich habe den Eindruck, dass sich Leute wie Kunert oftmals wissentlich mit der DDR-Führung anlegten. Etwas Besseres als eine Ausbürgerung ohne Gefahr konnte ihnen doch nicht passieren. Und das Risiko einer Haft wegen Republikflucht, die jedem DDR-Bürger bevorstand, gab es doch auch nicht. Deshalb ist es sehr schmutzig, sich abwertend über die restlichen 17 Millionen DDR-Bürger zu äußern, die in keiner Weise so privilegiert waren.

RADISLEBEN (SACHSEN-ANH.) PETER MUSER

Wenn das SED-Politbüro im Januar 1971 an Breschnew schrieb, dass Ulbricht sich gern auf einer Stufe mit Marx, Engels und Lenin sieht, so gehört dieser Vorgang vermutlich in die Vorbereitungsphase seiner Ablösung. Mit Sicherheit war das aber keine neue Erkenntnis, denn zu meiner Zeit als DDR-Bürger bis 1961 und damit zehn Jahre vor diesem Schreiben war schon für Ulbricht die Bezeichnung »Sachsenlenin« landläufig.

HAMBURG HARTWIG BUNZEL

Ich bin doch sehr verwundert, dass Sie in Ihrem hervorragenden Beitrag zur ehemaligen DDR das Bild Ihres Herausgebers nicht gezeigt haben. Augstein ist bei einem SPIEGEL-Gespräch von 1957 mit Ulbricht als Stenograf abgebildet. Offenbar befürchtete er einen zu langen Händedruck des Spitzbarts, der die Hand so lange hätte drücken können, bis die SED-Fotografen ihr Bild im Kasten hatten. Das Gespräch führte allerdings Augsteins Freund und Mitgeschäftsführer Hans Detlev Becker.

HAMBURG HANS NEUMANN

Leser Neumann erinnert sich richtig. Das Bild hätte aber nicht in den Text gepasst, der gedruckt wurde. Indes ist Augstein nicht der Stenograf gewesen. -Red.

Selbstverständlich waren Ulbricht die Maßnahmen der Teilung Berlins bereits bekannt, als er den Satz »Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen« prägte.

PLAUEN (SACHSEN) DIETRICH SCHÖNWEIß

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