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SEINE SCHWÄCHE IST STÄRKE

aus DER SPIEGEL 38/1966

Viel mehr Leute müßten den Präsidenten dann sehen können, wenn er nur Präsident ist«, sagte kürzlich ein enger Mitarbeiter Lyndon B. Johnsons. »Wenn er ist, wie er ist - wenn er auf Leutseligkeit, auf Lächeln verzichtet und nur der immens routinierte Berufspolitiker ist -, dann macht er wirklich Eindruck und erweckt Vertrauen. Sowie er aber versucht, etwas zu sein, was er nicht ist, gerät er in Schwierigkeiten.«

Lyndon B. Johnson ist seit 34 Monaten Präsident - genauso lange, wie John F. Kennedy im Amt war -, und er hat tatsächlich Schwierigkeiten - große Schwierigkeiten. Selbstverständlich hatte auch Präsident Kennedy seine Probleme - mehr Probleme, als die meisten Leute heute noch wissen. Aber drei Probleme, denen sich Präsident

Johnson gegenübersieht, sind gefährlicher und schwerer zu lösen als jedes Problem, mit dem Kennedy zu kämpfen hatte.

Das erste Problem ist, natürlich, der Krieg in Vietnam, der zu Kennedys Lebzeiten in erster Linie ein vietnamesischer Krieg war und jetzt in erster Linie zu einem amerikanischen Krieg wurde, dessen Ende immer weniger abzusehen ist.

Das zweite Problem ist die Gefahr unkontrollierbarer, gewalttätiger Rassenkonflikte, die sich zu Kennedys Zeiten auf den Süden beschränkten, nun aber auch den Norden bedrohen.

Das dritte Problem, das die beiden anderen noch sehr viel komplizierter macht, liegt darin, daß viele Amerikaner - nach Ansicht beider Parteien eine ständig wachsende Zahl - den Präsidenten der USA nicht sehr sympathisch finden oder ihm sogar mißtrauen.

Niemand kann voraussagen, wie das verantwortungsvolle und zermürbende Amt den jeweiligen Präsidenten beeinflußt. Lyndon Johnson, jetzt seit drei Jahren im Weißen Haus, ist jedoch seit seiner Amtsübernahme ständig genau beobachtet worden, am genauesten von seinen jetzigen und ehemaligen engen Mitarbeitern im Weißen Haus selbst.

Im Gespräch mit Männern beider Kategorien - und die ausgeschiedenen Johnson-Mitarbeiter sind zur Zeit einer der größten »Ehemaligen-Klubs« in Washington - läßt sich ein lebendiges und ungeschminktes Bild gewinnen, wie Johnson aussieht, wenn er »nur Präsident ist«.

Einer der Charakterzüge Johnsons ist schlichtes »Anderssein«. Man kann sich kaum jemanden vorstellen, der weniger herkömmlichen Regeln entspricht oder dessen Tagesablauf sich mehr von dem des Durchschnittsamerikaners unterscheidet als Person und Lebensstil Lyndon Johnsons.

»Exzentrisch? Natürlich ist er exzentrisch«, sagt einer seiner Mitarbeiter. »Alle bedeutenden Männer sind exzentrisch. Denken Sie doch nur an Lincoln. Als der kleine Willie gestorben war, schloß sich Lincoln vier Tage lang in seinem Schlafzimmer ein und weigerte sich, mit irgend jemandem zu sprechen*. Stellen Sie sich die Schlagzeilen vor, wenn Johnson sich vier Tage lang einschließen würde.«

Das geschichtliche Beispiel ist umstritten (in Protokollen ist nachzulesen, daß Lincoln in den vier Tagen nach Willies Tod 1862 mehrere Kabinettsmitglieder empfangen hat), aber der Akzent stimmt. Wir haben eine ganze Menge betont individueller und sogar exzentrischer Präsidenten gehabt, und Abraham Lincoln, der bedeutendste Mann, den die USA hervorgebracht haben, gehört ganz gewiß dazu.

Aber man kann sich kaum eines Präsidenten entsinnen, der individualistischer und exzentrischer war als der gegenwärtige. Nehmen wir zum Beispiel die ausgefallenen Arbeitsgewohnheiten, die es dem Präsidenten möglich machen, zwei volle Arbeitstage in einen Tag zu quetschen.

Präsident Johnsons zweitägiger Tag beginnt um sieben Uhr morgens, wenn er nach fünf Stunden Schlaf aufwacht. Die nächsten drei oder vier Stunden verbringt er im Pyjama im Schlafzimmer; in dieser Zeit ist er, wie Ludwig XIV. bei seinem täglichen Lever von Höflingen, von den augenblicklichen Favoriten seines Stabs umgeben.

Manchmal bleibt er fast die ganze Zeit im Bett; meistens aber schlendert er durch das große Zimmer, zieht sich ratenweise an, gibt Anordnungen, liest. Berichte, telephoniert. Gegen elf geht er in seine Amtsräume hinunter, und sehr oft arbeitet er dann bis vier Uhr nachmittags durch, ohne zu essen.

Geht er zum Lunch, dann oft sehr spät, gegen drei oder halb vier. Zu seinen kleineren persönlichen Eigenarten gehört die Fähigkeit, viele Stunden lang keinerlei Hunger zu verspüren - der Präsident erklärte sie einmal mit der medizinisch sicher eher umstrittenen Theorie, sein großer Magen horte die Nahrung wie ein Kamelhöcker das Wasser. Eine weniger weit hergeholte Theorie führt einer seiner Mitarbeiter an: Die Fruchtsäfte, die er nahezu ununterbrochen trinkt, ließen kein Hungergefühl aufkommen.

Um vier Uhr etwa geht der Präsident hinauf in sein Schlafzimmer im zweiten Stock des Weißen Hauses, zieht sich aus, legt sich zu Bett und schläft eine Stunde oder auch länger. Anders als die meisten Mittagsschläfer, fühlt er sich beim Aufwachen nicht, als hätte er in einen alten Teppich gebissen. Im Gegenteil, er explodiert beinahe vor Energie, dank jener »Extradrüsen ... die normalerweise kein Mensch hat«, wie sein ehemaliger Mitarbeiter Jack Valenti einmal gesagt hat.

Nun beginnt der zweite Arbeitstag des Präsidenten. Steht kein formelles Dinner auf dem Programm, dann ißt er sehr spät zu Abend. Ein noch herumsitzender, erschöpfter Mitarbeiter läuft ständig Gefahr, zu einem Dinner um elf oder noch später aufgefordert zu werden. Hin und wieder, vor allem in Krisenzeiten, entschließt sich der Präsident erst um ein Uhr morgens zum Abendessen.

Um halb eins oder zwei, wenn ganz Washington schläft, sitzt der Präsident noch immer bei seiner Nachtlektüre, sieht Schriftstücke durch, kritzelt Randbemerkungen wie »Bitte Rücksprache« oder »Tun Sie's nicht« oder einfach »Nein« und greift häufig zum Telephon, um einen schlaftrunkenen Untergebenen anzurufen.

Der französische Koch der Kennedys soll dem Weißen Haus gekündigt haben, weil Johnson lieber Gerichte wie Katzenwels (eine köstliche Sache) als »quenelles de brochet« ißt; doch die Angewohnheit des Präsidenten, nur dann zu essen, wenn er gerade Lust hat, würde auch meinen selbstbewußten Koch aus der Haut fahren lassen. Für den Menschen Johnson sind die Eß- und Arbeitsgewohnheiten des Präsidenten jedenfalls recht aufschlußreich.

Lyndon Johnson hat einen fast quälenden Drang, alles zu erledigen, wie und wann es ihm gefällt. Er will nicht dann arbeiten oder dann essen oder dann schlafen, wenn andere Leute arbeiten, essen oder schlafen - er will, was er zu tun hat, dann tun, wenn es ihm paßt, und keinen Augenblick früher oder später.

Er will »auf die Dörfer fahren«, eine Rede halten, ein wichtiges Gespräch führen, einen entscheidenden Beschluß fassen, wenn er dazu aufgelegt ist, nicht zu dem Zeitpunkt, den irgend jemand anders - und sei er noch so bedeutend - für richtig hält.

Der Präsident hat einfach eine tiefe und instinktive Abneigung, sich auf irgend etwas festzulegen, sich gebunden zu fühlen. Er besteht darauf, »die Wahl zu haben«, ob es nun darum geht, wann er essen will, oder darum, was als nächster Schritt im Vietnamkrieg zu tun ist.

»Er will immer die Möglichkeit haben«, sagt Jack Valenti, der über zwei Jahre lang beinahe jede Stunde, in der er nicht schlief, beim Präsidenten verbracht hat, »nach rechts, nach links, zurück oder vorwärts zu gehen. Genauso war es bei Franklin Roosevelt. Und genauso verhielt sich Napoleon auf dem Schlachtfeld.« -

Um »die Möglichkeit zu haben, nach rechts, nach links, vorwärts oder rückwärts zu gehen«, sträubt sich Präsident Johnson jeweils bis zur letzten Minute, sich für etwas zu entscheiden - und dann, nach der letzten Minute, ist er imstande, seine Meinung sogleich wieder zu ändern. Das erleichtert seinem Stab nicht gerade das Leben.

Ein Kollege Jack Valentis erinnert sich, wie Valenti durch den Säulengang vor den Amtsräumen des Präsidenten hastete: Er streckte den Kopf vor, sah und hörte nichts, als er den Gang entlangraste, dem Weißen Kaninchen in »Alice im Wunderland« ziemlich ähnlich. Allerdings murrte er nicht »Oh, meine Löffel, oh, meine Schnurrhaare«, sondern: »Warum kann er sich nie entscheiden? Warum kann er sich nie entscheiden?«

Weil sich der Präsident bis zur letzten Minute sträubt, einen Beschluß zu fassen, muß er sich dann oft sehr schnell entscheiden, und das - unter anderem - hat ihm den Ruf eingebracht, übereilt und impulsiv zu handeln.

In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt. »Er ist so vorsichtig wie ein alter Kojote«, sagte ein alter Freund Johnsons. »Immer wieder hält, er die Schnauze in den Wind und schnuppert, geht ein paar Schritt weiter, beschnüffelt die Fährte und hält wieder die Schnauze in den Wind.«

Seine Mitarbeiter sind der Meinung, Johnsons Abneigung,

sich vorzeitig zu entschließen oder sich an einen längst festgelegten Terminplan zu halten, entspringe vornehmlich seinem

Sicherheitsbedürfnis. Sicher ist etwas Wahres dran - man weiß, daß der Präsident glaubt, John Kennedy wäre heute noch am Leben, wenn der Secret Service seine Route durch Dallas nicht vorher bekanntgegeben hätte. Aber im Grunde ist Präsident Johnsons fast leidenschaftlicher Widerstand gegen jede irgendwie vermeidbare Festlegung ein tiefer Wesenszug des Menschen Johnson.

In der Politik hat das seine Nachteile. Jede »Fahrt auf die Dörfer« läßt verärgerte Parteimenschen zurück, die verschnupft sind, weil der Präsident auftauchte, wo man ihn nicht erwartete, oder weil er ausblieb, wo man ihn erwartete.

Vielleicht ist es gar nicht so übel, einen Mann zum Präsidenten zu haben, der »vorsichtig ist wie ein alter Kojote«. Eine Katastrophe wie in der kubanischen Schweinebucht wird es kaum geben, solange Johnson Präsident ist. Es ist sehr unwahrscheinlich, daß er eine vermeidbare Katastrophe riskiert; wahrscheinlicher ist, daß er sich übertrieben gegen einen möglichen Fehlschlag absichert - wie bei der Entsendung von 20 000 Mann in die winzige Dominikanische Republik, als es dort Unruhen gab.

Aber leidenschaftlicher Widerstand gegen ein Sich-Festlegen kann manchmal ebenso gefährlich sein wie eine zu große Bereitschaft, Risiken einzugehen.

Die »Kojoten-Vorsicht« des Präsidenten, seine Angst, sich festzulegen, erklärt vieles, was sonst in seiner Kriegführung in Vietnam unbegreiflich wäre. Oft sah es so aus, als mache er das eine und sage das andere:

Im März 1965 zum Beispiel entschloß sich der Präsident zu dem unwiderruflichen Schritt, amerikanische Kampftruppen nach Vietnam zu entsenden. Drei Monate lang aber blieb das Weiße Haus damals bei der Behauptung, an Amerikas Vietnam-Politik habe sich »nichts geändert«. Wenige Monate darauf waren bereits mehr als 200 000 Mann amerikanischer Kampftruppen in Vietnam.

So entstand der Eindruck, der Präsident woge die USA insgeheim nach und nach in einen Landkrieg in Asien verwickeln. In Wirklichkeit wollte Lyndon Johnson Amerika keineswegs hinters Licht führen. Er wollte sich selber etwas vormachen.

Als die erste Kompanie, amerikanischer Kampftruppen sich bei Da Nang eingrub, hatten sich die USA unwiderruflich festgelegt, und der Präsident, der ja alles andere als ein Narr ist, wußte das ganz genau. Doch in seiner Angst, sich nun gebunden zu sehen, sträubte sich Lyndon Johnson monatelang, diese Tatsache auch nur sich selbst einzugestehen.

Präsident Johnsons Verhältnis zum Stab des Weißen Hauses, zu den Männern, die Tag für Tag mit ihm arbeiten -ist für den Menschen Johnson ebenfalls sehr bezeichnend. Zu ihnen hat er ein völlig anderes Verhältnis als zum Kabinett. Die Veränderungen im Kabinett seit Kennedys Tod sind eine Folge natürlicher Abnutzung, wie sie auch unter Kennedy eingetreten wären, hätte er länger gelebt. Der Wechsel im Stab des Weißen Hauses dagegen - »meine Männer«, sagt Johnson manchmal - war total.

Selbstverständlich haben alle Kennedy-Gefolgsleute das Weiße Haus verlassens - O'Donnell, O'Brien, Salinger, Sorensen, Schlesinger, Powers, Dungan, Clifford, Goodwin und Bundy. Viele Johnson-Männer sind ebenfalls gegangen - Jenkins, Busby, Reedy und Valenti. Vom ganzen Stab, der die ersten Monate, mit Johnson als Präsident miterlebt hat, ist nur einer übriggeblieben - Pressesekretär und Faktotum Bill Moyers.

»Der einzigartige Moyers gleicht dem Helden des schauerlichen Gedichts, das die meisten Schulkinder einst lernen mußten:

Der Junge stand auf dem brennenden Deck,

Als alles um ihn her floh.

Die Flammen erhellten des Schiffes Wrack

-Bis aus ihn waren alle tot*.

Es lassen sich manche Gründe anführen, warum so viele das brennende Deck des Weißen Hauses flohen - Geld, Plattfüße, lobenswerter Ehrgeiz, ein Nervenzusammenbruch. Aber in beinahe allen Fällen spielte Präsident Johnsons eigenwillige Haltung seinen Mitarbeitern gegenüber die entscheidende Rolle.

Ein jetziger Johnson-Mitarbeiter bemerkte einmal, Präsident Johnsons Verhältnis zu seinem Stab entspräche Jehovas Verhältnis zu seinen Propheten - vielleicht dachte er an Jehovas Gewohnheit, Blitze zu schleudern, wenn er unzufrieden war. Zutreffender wäre es wohl, den Präsidenten mit einem viktorianischen Paterfamilias zu vergleichen und seinen Stab mit dessen zahlreicher Kinderschar.

Paterfamilias Johnson kann um das Wohl seiner Kinder besorgt und sogar sentimental sein - er denkt an Geburtstage und hat mehr als einmal Krankenhausrechnungen bezahlt. Als Jack Valenti das erste Mal die Möglichkeit erwähnte, er könne, Präsident der Motion Picture Association werden, wischte Johnson die ganze Sache als undenkbar beiseite. Dann schrieb Valentis reizende Frau Mary Margaret, die früher Sekretärin des Präsidenten gewesen war, Johnson ein rührendes Briefchen und bat ihn, er möge ihr doch ihren Mann zurückgeben. Sofort gab der Präsident nach und setzte sich sogar bei den Hollywood-Moguln dafür ein, daß Valenti seinen 150 000-Dollar-Job bekam.

Aber Paterfamilias Johnson kann auch überaus anspruchsvoll und unerbittlich sein. Sein Wort ist Befehl. »Er sagt einem sogar, wo man essen soll«, erzählt ein grollender Ex-Mitarbeiter; »und wann man und sogar was man essen soll.«

Selbstverständlich werden nicht alle Mitarbeiter gleich behandelt. Der Präsident ist stets betont höflich zu dem fast gleichaltrigen Kabinettssekretär Robert Kintner, dem brillanten ehemaligen Chef der Rundfunkgesellschaft NBC; auch Walt Rostow, der Spezialist für Außenpolitik und Parade-Intellektuelle, bildet eine eigene Kategorie, genauso wie Bill Moyers, der innerhalb gewisser Grenzen sogar das Recht hat, dem Präsidenten zu widersprechen - er gleicht dem Lieblingssohn eines viktorianischen Familienvaters.

»Der Präsident verlangt nichts von Ihnen, was Sie nicht von sich aus zu tun bereit wären«, sagt Moyers. Das ist sicher richtig, aber um für den Präsidenten überhaupt arbeiten zu können, muß man sehr hohe Anforderungen an sich selbst stellen.

Am meisten wird von Sekretär Marvin Watson und dem Mann-für-alles, Jake Jacobsen, verlangt. Beide wechseln einander in der »Nachtschicht« ab und bleiben so lange, bis der Präsident seinen zweiten Arbeitstag beendet hat. Keiner von beiden findet noch Zeit für Privatleben. Die anderen Stabsmitglieder, darunter Joe Califano, Harry Mc -Pherson und Douglass Cater, arbeiten fast genauso schwer, sie fangen kurz nach Morgengrauen an und kommen selten vor acht Uhr abends weg - und wenn der Präsident sie festhält, wird es noch später.

Aber eine grausam lange Arbeitszeit ist nur ein Teil des Preises, den man für den Kitzel des Dabeiseins im Zentrum der Weltereignisse bezahlen muß. Der Präsident kann zu seinen Untergebenen wirklich sehr grob sein. »Bei Wichtigem explodiert er nicht«, sagt ein Mitarbeiter, »aber er explodiert mit lautem Knall bei Nebensächlichkeiten: einem Wagen, der nicht pünktlich ist, einer weitschweifigen Denkschrift. Man muß lernen, das einzustecken - fünf Minuten später hat er alles vergessen.«

Ein Besucher des Präsidenten, der kürzlich Zeuge solch kurzfristigen Zorns wurde, traf ihn in guter Stimmung an. Der Präsident plauderte ein paar Minuten höchst liebenswürdig mit ihm, warf dann einen Blick auf ein Schriftstück auf seinem Schreibtisch, entschuldigte sich, nahm einen Telephonhörer auf und verabreichte einem namenlosen Untergebenen am anderen Ende der Leitung eine eiskalte Dusche. Dann setzte der Präsident die unterbrochene Unterhaltung liebenswürdig fort.

»Verstehen Sie«, sagte der Besucher in Erinnerung an diese Szene, »der Mann am anderen Ende der Leitung hat bestimmt befürchtet, Johnson bekäme wieder eine Herzattacke, so wütend klang das, was er sagte. Aber ich glaube, sein Blutdruck ist nicht um einen Strich gestiegen.«

Leute, die ihn gut kennen, glauben, daß der Präsident seinen berühmten Jähzorn bewußt als Druckmittel benützt. Ehemalige Mitarbeiter nennen das Weiße Haus deshalb einen »Druckkochtopf«, und einerschwört er habe nach seiner Kündigung an seelischer Verkrampfung gelitten. Ein anderer trug stets ein Gerät mit sich herum, das summte, sobald der Präsident ihn telephonisch sprechen wollte. »Wie verhaßt mir das verdammte Ding war, ist mir erst bewußt geworden, als ich es endlich los war«, sagt er.

Die Persönlichkeit des Präsidenten ist erdrückend. »Er läßt Sie Blut und Wasser schwitzen, auch wenn die Klima-Anlage noch so gut arbeitet«, sagt ein Ehemaliger. Andere schildern, wie Johnson einem Untergebenen zuhört, der Vorschläge oder die Politik des Präsidenten anzweifelt oder kritisiert.

»Ob er zuhört? Er hört so intensiv zu, daß Sie halb betäubt sind - Sie fühlen sich wie auf dem Grund eines Sees, so stark ist der Druck. Er sitzt vorgebeugt in seinem Sessel und starrt Sie an - kaum, daß er einmal blinzelt, verstehen Sie. Und dann, wenn Sie weitschweifig werden und zu einem lahmen Schluß kommen, wirft er ein: ,Und nun?' - Sie fahren fort: 'Und nun sollten wir dies und jenes tun.' Aber da müssen Sie zusehen, daß es verdammt überzeugend klingt, sonst blickt er Sie nur an und zuckt ein bißchen mit der Achsel, und Sie fühlen sich winzig klein.«

Dieser Druck ist für manche zuviel. »Für Lyndon Johnson arbeiten - das ist wie eine Taxifahrt durch New York«, sagte ein Johnson-Ehemaliger. »Sie kennen das ja - der Fahrer zickzackt und quetscht sich durch Lücken und tritt auf die Bremse, und wenn man ankommt, ist man völlig fertig. Aber wegen der Verkehrsstockungen und der Ampeln ist man so langsam vorangekommen, daß man zu Fuß viel schneller dagewesen wäre.«

Ein anderer Ehemaliger antwortete auf die Frage, warum er gegangen sei: »Es gibt zwei verschiedene Typen, die einen finden Betrieb um des Betriebs willen und Prestige um des Prestiges willen ganz schön; die anderen können es nicht aushalten, sinnlos im Kreis herumzurennen. Die letzteren sind gegangen.«

Diejenigen, die nicht gegangen sind

- vielleicht mit einer oder zwei Ausnahmen -, sind keine Dummköpfe oder Feiglinge, die der Peitsche des Präsidenten den bloßen Rücken bieten. Sie sind zum größten Teil sympathische und tüchtige, ja sogar harte Männer. Um für Lyndon Johnson arbeiten zu können, bedarf es einer inneren Härte, und alle, die dem »Druckkochtopf« des Weißen Hauses standgehalten haben, haben eines gemein: Sie haben gelernt, etwas einzustecken.

Der Druck, den der Präsident (oft unbewußt) auf seine Umgebung ausübt, lastet in konzentriertester Form auch auf ihm selber. Johnsons »Kojoten-Vorsicht«, seine Angst, sich gebunden zu fühlen, wird aufgewogen durch ein leidenschaftliches Verlangen, etwas zustande zu bringen, zu dirigieren, sich durchzusetzen, Erfolg zu haben.

Der bloße Gedanke an Fehlschlag ist ihm unerträglich. Er war noch Senator, da schilderte er einmal einem Reporter,

wie er als noch nicht Zwanzigjähriger in Texas bei einem Rancher-Wettbewerb unterlag. »Als das letzte Jury -Mitglied seine Stimme gegen mich abgab«, sagte er, »war ich so enttäuscht, daß ich ins Badezimmer gehen mußte und mich sofort erbrach.« Er erzählte das ohne die geringste Spur von Spott - der Schrecken des Mißerfolges stand ihm immer noch lebhaft und schmerzlich vor Augen.

Wieder und wieder waren auf Präsident Johnsons Wahl-Reisen in den letzten Wochen die Sätze zu hören: »Wir werden den Schwanz nicht einziehen und Vietnam verlassen. Wir werden uns durchsetzen. Wir werden Erfolg haben.«

Jeder, der es für nicht ausgeschlossen hält, daß es während Lyndon Johnsons Präsidentschaft vielleicht doch zu Amerikas erster großer Niederlage gegen ein kleines asiatisches Reisbauern -Land kommen wird, sollte den jungen Burschen nicht vergessen, der sich wegen einer Niederlage vor Scham und Wut ins Badezimmer verkroch.

An noch etwas anderes sollte man sich erinnern, wenn man an Lyndon Johnson und die Schwierigkeiten denkt, denen er sich in Vietnam gegenübersieht. Es sind die seltsam-altmodischen Worte, die er während der dominikanischen Krise äußerte: »Ich habe vom Mont Blanc aus den Sonnenaufgang gesehen, aber das Schönste, das meine Augen je wahrgenommen haben, war die amerikanische Flagge in einem fremden Land ... Wohin amerikanische Bürger auch gehen mögen, diese Flagge geht mit ihnen, um sie zu schützen.«

Zweifellos hat der Präsident diese Worte aus längst vergangener Erinnerung hervorgegraben - man sieht im Geiste einen mageren Jungen mit abstehenden Ohren, der die bloßen Zehen im Sand vergräbt und dessen Herz schneller schlägt, während er am 4. Juli in Johnson City, Texas, dem dunklen Wohllaut eines Nationalfeiertags-Redners zuhört.

Lyndon Johnson ist ein Kind seiner Zeit und seiner Umwelt, und der schlichte Patriotismus, den er vom Texas seiner Kindheit erbte, mag naiv und chauvinistisch klingen. Aber alle, die ihn gut kennen - jene eingeschlossen, die mit gemischten Gefühlen auf ihre Dienstzeit im »Druckkochtopf« des Weißen Hauses zurückblicken -, bezweifeln nicht, daß Johnsons Patriotismus ein völlig aufrichtiges Gefühl ist, das ihn im Vietnam-Krieg stärkt, so wie Harry Trumans ebenso schlichter Patriotismus ihn während des Korea-Krieges stärkte.

Und doch gibt es viele - wahrscheinlich Millionen -, die überzeugt sind, Lyndon Johnson, der »Manipulierer«, der »Meisterpolitiker«, könne überhaupt kein echtes Gefühl haben, und sein Patriotismus à la Texas sei nur eine seiner vielen Masken. Außerdem sind sehr viele Leute überzeugt, Lyndon Johnson trage auch dann nur eine Maske, wenn es um das zweite seiner großen Probleme geht - die Rassenfrage.

Kein anderer ist für so viele entscheidende Bürgerrechtsgesetze - deren erstes 1957 verabschiedet wurde - in gleichem Maße verantwortlich wie Lyndon Johnson. Er hat oft gesagt, als erster Präsident aus dem Süden seit dem Bürgerkrieg habe er den größten Ehrgeiz, dafür zu sorgen, daß die Neger ihren gleichberechtigten Platz in der amerikanischen Gesellschaft bekämen, wodurch auch die Narben des Bürgerkriegs endgültig verheilen könnten.

Auch hier glaubten alle, die ihn sehr gut kennen, daß er genau das meint, was er sagt. Aber Millionen seiner Landsleute im Süden halten ihn für einen Zyniker, der den Mantel nach dem Wind hängt und den Lebensstil des Südens gegen Wahlstimmen verkauft habe. Auf der anderen Seite bekommt er weiß Gott sehr kargen Beifall von den Linksintellektuellen oder den Negerführern der Bürgerrechtsbewegung - vor allem nicht von den neuen Scharlatanen der »Black Power«.

Vielleicht kommt bald eine Zeit, in der dem Präsidenten nichts anderes übrigbleibt, als sehr energisch gegen Plünderer und Brandstifter in den Negergettos vorzugehen. Dann würden die weißen Linksintellektuellen und die Negerführer sicher nur zu gern glauben, daß er ein südlicher Reaktionär, ein zweiter Simon Legree sei, der sein wahres Gesicht zeige*. Und wahrscheinlich würde ein Hollywood -Regisseur, der nach einem Schauspieler für die Rolle des Schurken in »Onkel Toms Hütte« sucht, nach jemandem Ausschau halten, der Lyndon Johnson ähnlich sieht.

So behindert die rein äußerliche Hülle, die Oberfläche, das Scheinbild den Präsidenten ständig bei der Lösung der großen Probleme, mit denen er fertig werden muß. Vielleicht hat der Präsident gerade deswegen so oft versucht, die Oberfläche zu verschönern, wie bei seinem vergeblichen Bemühen, die Photographen des Weißen Hauses dazu zu bringen, ihn nur von links aufzunehmen, weil er sein Profil von links für seine Schokoladenseite hält.

Lange Zeit weigerte er sich, zuzugeben, daß ihn sein Alter zwinge, zum Lesen eine Brille aufzusetzen. So trug er bei Fernsehsendungen Kontaktlinsen, die seine Augen reizten, die ihn nervös machten und doch niemanden täuschen konnten. Es gab auch eine Zeit, da benutzte er bei Fernsehaufnahmen zwei Teleprompter, um vorzutäuschen, er spräche aus dem Stegreif. Das wirkte jedoch so, als schiele er, da sein Blick ständig von links nach rechts schweifte.

In Reden und Fernsehansprachen scheint der Präsident manchmal John Kennedy nachahmen zu wollen, doch wenn er im Kennedy-Stil Klassiker zitiert, klingt das Zitat oft falsch - und manchmal ist es auch falsch. Dann wieder greift er auf den Stil des Landpfarrers zurück, der ihm aus seiner Jugend vertraut ist. In dieser Stimmung hält er die gefalteten Hände wie eine Gottesanbeterin vor sich - eine nicht sehr überzeugende Geste bei einem Mann, der als harter Berufspolitiker bekannt ist.

In den meisten Reden wechselt er zwischen dem leisen Prediger und dem lauten Wahlrednerstil, die in seiner Jugend üblich waren. Den leichten Konversationsstil der Fernsehzeit kann er ebensowenig mehr lernen, wie ein alter Golf -Profi seinen Stil ändern kann. Außerdem ist er wirklich ein Manipulierer und Meisterpolitiker, und häufiger als viele andere Politiker versucht er, seine Ziele auf Umwegen und mit List zu erreichen.

In dieser Hinsicht ist Johnsons Image in der Öffentlichkeit recht exakt, und dieses Image macht es ihm unendlich schwer, mit den harten Tatsachen fertig zu werden, denen er sich gegenübersieht.

Johnsons engste Mitarbeiter sind übereinstimmend der Meinung, er leide unter dem, was im Weißen Haus manchmal »Kontakt-Lücke« genannt wird. Es ist ihm nicht gelungen, ein Gefühl menschlichen Kontakts zum Volk hervorzurufen, wie Franklin Roosevelt es mit seinen Plaudereien am Kamin erzielte oder John Kennedy mit den Live-Sendungen seiner Pressekonferenzen.

In den wenigen vom Fernsehen direkt übertragenen Pressekonferenzen hat Lyndon Johnson eine gute Figur gemacht. Die »Kojote-Vorsicht« behindert ihn jedoch bei spontanen Äußerungen. Charakteristischerweise zeigen die Tonbänder, daß seine Sätze fast immer grammatikalisch stimmen, während sich John Kennedy, wie Dwight Eisenhower vor ihm, ständig im unentwirrbaren syntaktischen Unterholz verirrte.

Kennedy und Eisenhower sprachen aus dem Stegreif, im Konversationsstil, sie riskierten es, sich zu verheddern, und sie verdankten ihre Popularität in großem Maß dem Fernsehen. Lyndon Johnson jedoch ist Risiko verhaßt, und seine Vorsicht läßt ihn im Fernsehen langsam und steif erscheinen.

Die »Kontakt-Lücke« erweitert sich durch Präsident Johnsons Verhältnis zur Presse. Es überrascht nicht, daß Johnson der Presse grollt, denn sie behandelt ihn zuweilen nicht korrekt und manchmal unfair. Dagegen überrascht es, daß Johnson nach so vielen Jahren in Washington noch nicht verstanden zu haben scheint, wie die Presse arbeitet.

»Der gegenwärtige Präsident ist überzeugt«, sagte McGeorge Bundy einmal einem Reporter, der Johnson durch seine genaue Vorhersage des Etatpostens »Auslandshilfe« in Wut versetzt hatte, »daß ein Reporter einen solchen Artikel nur schreiben kann, wenn er Geheimdokumente gestohlen oder Beamte bestochen hat.«

Nicht nur Bundy hat versucht, Johnson klarzumachen, daß ein Reporter durch intensive Arbeit, durch Kombinationsgabe und gesunden Menschenverstand zu stichhaltigen Schlüssen kommen kann, ohne Zugang zu Geheimdokumenten gehabt zu haben. Aber davon ist der Präsident einfach nicht zu überzeugen.

Vor wenigen Wochen beispielsweise wußte ganz Washington, daß die Stabschefs den Präsidenten seit Monaten dazu drängten, die Öllager bei Hanoi und Haiphong zu bombardieren. Als der Präsident damals in einer Rede sagte: »Wir müssen den Preis der Aggression weiterhin steigern«, wußte ganz Washington, daß demnächst die Öllager bombardiert werden würden.

Nach kurzen Recherchen schrieb Philip Gellin vom »Wall Street Journal« nieder, was ganz Washington wußte. Rasend vor Zorn verlangte der Präsident eine Untersuchung durch das Bundeskriminalamt, um den schuldigen Staatsdiener zu finden, der das Geheimnis preisgegeben habe. Der Staatsdiener war selbstverständlich L. B. Johnson.

Lyndon Johnson ist zutiefst überzeugt, daß ein Reporter, der genau voraussagt, was der Präsident vorhat, ihm feindlich gesinnt sei - selbst wenn es sich um etwas durchaus Lobenswertes handelt. Im vergangenen Herbst beispielsweise schrieb Philip Potter von der »Baltimore Sun« einen genauen Bericht über Johnsons großzügige, noch unveröffentlichte Pläne zur Milderung der Hungersnot in Indien.

Der Präsident war darüber so verärgert, daß er ernsthaft erwog, das ganze Projekt fallenzulassen, um nur den Reporter ins Unrecht zu setzen. Dabei ist Potter einer seiner ältesten persönlichen Freunde und einer der letzten Bewunderer des Präsidenten im Pressekorps des Weißen Hauses.

Politische Journalisten sind geneigt, die politische Wirkung ihrer Artikel weit zu überschätzen. Trotzdem hat die gegenseitige Feindseligkeit zwischen Präsident und Presse einen Effekt, durch den es noch schwerer wird, die »Kontakt-Lücke« zu schließen. Aber die wirkliche Schwierigkeit ist, daß es den Präsidenten ständig juckt, etwas sein zu wollen, was er nicht ist. Ein belesener Mitarbeiter des Präsidenten zitiert dazu Yeats: »Johnson muß noch lernen, 'zur Wahrheit zu schrumpfen'.«

Es gibt bereits Anzeichen für einen beginnenden Schrumpfungsprozeß. Bill Moyers, ein guter Menschenkenner, sagt, »der Präsident paßt sich seinem Amt mehr und mehr an«. Ein anderer Mitarbeiter bestätigt, daß eine hartnäckige Eigenheit, die Johnsons Präsidentschaft anfangs kennzeichnete, verschwunden ist: »Es ist ihm nicht mehr verhaßt, allein zu sein.«

Der Präsident selber sagte: »Scherereien - dazu ist der Präsident ja da. Die einzige Möglichkeit, in dieser Stadt Scherereien aus dem Weg zu gehen, besteht darin, nichts zu sagen und nichts zu tun, und das führt dann dazu, daß man auch nichts mehr ist.«

Der Mensch ist, was er ist. Lyndon Johnson ist nicht mehr ganz jung (in den letzten drei Jahren ist er rasch gealtert), und er sieht nicht sehr gut aus (weder von links noch von rechts). Vielen gegenüber ist er nicht sehr liebenswürdig, und nur mit Mühe spricht er die Sprache der Intellektuellen oder des Establishments der Ostküste Kurz, er ist nicht Jack Kennedy. Aber er ist, was er ist - ein Mann von hoher Intelligenz und großer Tüchtigkeit, der das nationale Interesse so, wie er es sieht, aufrichtig vertritt, ein bedeutender Mann, ein starker Mann.

Vielleicht ist er zu stark. Als der verstorbene Oberrichter Felix Frankfurter einmal über einen alten Gegner sprach, begann er mit den Worten: »Seine Schwäche war...«, hielt inne, suchte nach dem treffenden Ausdruck und schloß triumphierend: »... Schwäche.«

Schwäche ist die Schwäche vieler Menschen, aber nicht die Johnsons. Dessen Schwäche ist Stärke. Er ist so mächtig, seine Macht ist so sichtbar, und er macht von ihr mit derart unverhohlenem Genuß Gebrauch, daß viele ihn instinktiv fürchten. Furcht und Abneigung sind Zwillinge, und das ist sicherlich ein Grund, vielleicht sogar der Hauptgrund, warum die Abneigung gegen Lyndon Johnson jetzt zweifellos weitverbreitet ist.

Wenn jedoch Lyndon Johnson die Macht, an der er hängt, dazu gebraucht, um in

Asien einen ehrenhaften Frieden zu erzielen und in den USA schwere Rassenkonflikte zu unterbinden, dann wird er sicher als einer der bedeutendsten Präsidenten in die Geschichte eingehen. Dann werden Eigenheiten wie die kleinen Eitelkeiten und das Verlangen, »zu sein, was er nicht ist«, in die Fußnoten der Geschichte verbannt werden.

Was Mark Twain einmal über den Stahlkönig Andrew Carnegie schrieb, hätte auch auf Lyndon Johnson gemünzt sein können: »Er ist ein erstaunlicher Mensch - mit seiner wirklichen Bescheidenheit, was die großen Dinge angeht, die er geleistet hat, und mit seiner jugendlichen Freude an Banalitäten, die seiner Eitelkeit schmeicheln.«

Niemand, der ihn gut kennt, wird leugnen, daß Lyndon Johnson ein eitler und paradoxerweise auch ein Mensch mit jugendlichen Zügen ist. Aber er ist auch ein erstaunlicher Mensch, der bisher schon Großes geleistet hat und dem noch Größeres zu leisten bevorsteht.

* Lincolns dritter Sohn, William Wallace, starb Im Alter von zwölf Jahren.

* Aus dem 1829 von Felicia Hemans verfaßten Gedicht »Casabianea«.

* Sklavenhalter in Harriet Beecher-Stowes Buch »Onkel Toms Hütte«.

Präsident Johnson: Zwei Arbeitstage an einem Tag

Lincoln-Denkmal, Johnson: »Warum entscheidet er sich nie?«

Rassenkrawall in Rochester: Der Präsident wollte nicht Amerika täuschen ...

... sondern sich selbst etwas vormachen. US-Marine-Infanteristen in Da Nang

Ehemalige Johnson-Mitarbeiter Reedy, Valenti, Jenkins: Er sagt, wo man essen soll ...

... und wann und was man essen soll«;: Johnson-Mitarbeiter Kintner, Moyers, Rostow

Geschlagene Exilkubaner in der Schweinebucht: »Dazu ist der Präsident ja da«

US-Panzer in Santo Domingo: »Vorsichtig wie ein alter Kojote«

New York Herald Tribune

Dienstherr Johnson, Untergebene*: Der Gedanke an einen Fehlschlag ist ihm unerträglich

* V. l. n. r.: Berater Watson, Johnson, Mitarbeiter Moyers, Vatenti, Califano, Budgetdirektor Schultze, Vizedirektor Staats.

Stewart Alsop
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