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Studentenproteste Selber spülen

aus DER SPIEGEL 22/1996

Mit ungewöhnlichen Methoden protestieren Studenten der Berliner Universitäten gegen radikale Sparmaßnahmen des Senats. In der Hauptstadt sollen 30 000 von 115 000 Studienplätzen wegfallen, Fakultäten geschlossen und Sachmittel wie Stellen gestrichen werden. Außerdem wird den Studenten ab Herbst eine »Verwaltungsgebühr« von 100 Mark pro Semester abverlangt.

Seit drei Wochen wehren sich die Studenten mit heiter-harmlosen »Aktionstagen ohne regulären Lehrbetrieb": Angehende Philosophen spielten »Diogenes in der Tonne«, andere Studenten putzten Windschutzscheiben von Autos, die sie durch Blockaden in einen Stau gezwungen hatten. Vor dem Roten Rathaus hält ein Grüppchen eine Mahnwache.

Auch Professoren haben sich dem Protest angeschlossen. Vom Alexanderplatz bis zur Gedächtniskirche dozierten Hochschullehrer unter freiem Himmel: Sie hielten Vorlesungen über Jura, Geographie und Ökonomie.

Gescheitert ist bislang der Versuch der angehenden Akademiker, Berlins Wissenschaftssenator Peter Radunski (CDU) zu einem »Tag als Gaststudent« zu überreden. Auszug aus der Tagesplanung: »Frühstück in einer Studenten-WG (jeder spült seinen Teller selber), mit dem Fahrrad zur Uni, Vorlesung (Kissen nicht vergessen, Sitzplatz kann nicht garantiert werden).«

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