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Sendeverbot

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aus DER SPIEGEL 16/1987

Die »Report«-Affäre beim Südwestfunk (SWF) weitet sich aus. Hanno Kühnert, Freiburger Rechtsanwalt und freier Mitarbeiter des SWF-Hörfunks, erhielt von Chefredakteur Ernst-Alfred Reiss ein Sendeverbot. In einem Beitrag für die Hamburger »Zeit« ("Vom Elend des Südwestfunks") hatte Kühnert das Vorgehen der SWF-Chefs gegen »Report«-Redakteur Wolfgang Moser gerügt, der nach kritischen Sendungen über die Sicherheit von Atomkraftwerken ins Dritte Programm versetzt worden war. Intendant Willibald Hilf (CDU) sei dabei, so Kühnert, »unbequeme Glieder seines Funks abzuhacken«. Mit einer eigenen Darstellung über den Fall Moser habe sich die SWF-Leitung des »Eingriffs in ein arbeitsgerichtliches Verfahren, Verletzung der Fürsorgepflicht für einen Redakteur« und der »glatten Unwahrheit« schuldig gemacht. Hörfunk-Chef Reiss, der Beiträge des SWF-kritischen Kühnert schon vorher nur duldete, wenn »ein anderer geeigneter Mitarbeiter nicht zur Verfügung« stand, ordnete nun an, »daß von Programmbeiträgen Herrn Kühnerts künftig ganz Abstand genommen wird«.

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