Zur Ausgabe
Artikel 50 / 84
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

»Sie werden gewinnen, aber nicht siegen«

Vor fünfzig Jahren begann der Spanische Bürgerkrieg (IV) / Von SPIEGEL-Redakteur Siegfried Kogelfranz *
Von Siegfried Kogelfranz
aus DER SPIEGEL 32/1986

In der Schlacht von Guadalajara, nach der das italienische Expeditionskorps erst mal für zwei Monate aus dem Krieg genommen werden mußte, hatte die Republik einen militärischen, politischen und moralischen Sieg errungen. »New York Times"''-Korrespondent Matthews nannte die Niederlage der Italiener an der Guadalajara-Front »das Wichtigste, das sich in der Welt seit dem großen Europäischen Krieg ereignet hat: Zum ersten Mal haben die Antifaschisten die Faschisten entscheidend geschlagen.« Reporter Ernest Hemingway jubelte für seine amerikanischen Blätter den Sieg gar zu »einer der wichtigsten Schlachten der Militärgeschichte« hoch.

Zu früh und zu viel des Jubels. Dieser erste große Sieg der republikanischen Waffen war auch ihr letzter von Bedeutung. Zwar verschaffte er der Republik nach sieben Monaten Krieg eine Atempause, aber sie nutzte die schlecht.

Spaniens Antifaschisten gingen immer wieder noch erbitterter aufeinander los als auf den gemeinsamen Feind, verstrickten sich in Bürgerkriege gegeneinander mitten im Bürgerkrieg.

Stalin dehnte die große Säuberung, die er eben in Rußland begonnen hatte, bis nach Spanien aus. Die Kommunisten, die am besten organisierte und disziplinierte Kraft der Linken, begannen einen Ausrottungskrieg gegen »Ketzer« in den Reihen der Republik - und deren gab es aus ihrer Sicht viele: Anarchisten, die Sozialrevolutionäre der Poum, Trotzkisten, Sozialdemokraten, Liberale, Idealisten, die einfach gegen den Faschismus kämpften, sich aber keinem anderen Ismus unterordnen wollten.

Schon im Dezember 1936 schrieb die Moskauer »Prawda": »In Katalonien hat die Beseitigung der Trotzkisten und Anarchosyndikalisten begonnen. Diese Säuberung wird mit der gleichen Energie wie in der Sowjet-Union bis ans Ende durchgeführt werden.«

Der sozialistische Regierungschef Largo Caballero verbat sich Stalins Ratschläge und die Einmischung der russischen Kommissare. Als der sowjetische Botschafter Rosenberg die Entlassung des stellvertretenden Verteidigungsministers General Jose Asensio verlangte, trat der Premier den Diplomaten buchstäblich aus seinem Zimmer hinaus.

Stalin mußte klein beigeben, zog seinen Botschafter zurück, vergaß es aber nicht. Obwohl Largo Caballero »die volkstümlichste Gestalt des Sozialismus in Spanien« war, wie selbst Gegner bestätigten, waren seine Tage gezählt. Im März 1937 beschloß eine geheime Konferenz

von kommunistischen Funktionären unter dem Druck von Stalins Agenten, den Premier zu stürzen. Die Kommunisten bestimmten auch schon, wer nächster Regierungschef werden sollte: der sozialistische Finanzminister Juan Negrin, jener Mann, der Spaniens Goldschatz nach Moskau hatte bringen lassen.

Negrin lieferte auch den Anlaß für den Konflikt, über den Largo Caballero schließlich stürzen sollte: Er bestand darauf, daß an der Grenze zu Frankreich künftig wieder allein ihm unterstellte Zollpolizisten und nicht mehr lokale Anarchisten kontrollieren sollten. Darüber kam es in dem Pyrenäenstädtchen Puigcerda zu Schießereien, bei denen mehrere Anarchisten starben.

Es folgte der Kampf um die »Telefonica« von Barcelona. Die Telephonzentrale der katalanischen Hauptstadt war von der anarchistischen Gewerkschaft CNT kollektiviert worden. Die Anarchisten hörten Gespräche ab und schalteten sich ungeniert ein, wenn ihnen eine Unterhaltung gegen den Strich ging. Als ein Minister aus Valencia die Regierung in Barcelona verlangte, antwortete ihm der Anarchist in der Schaltzentrale, so was wie eine Regierung gäbe es nicht, allenfalls einen Verteidigungsrat. Ein anderer funkte bei einem Gespräch zwischen Präsident Azana und dem Katalonien-Präsidenten Companys dazwischen, die beiden sollten die Leitung für Wichtigeres freihalten. Minister oder Generäle, die miteinander telephonierten, vernahmen plötzlich den Rat aus dem Hörer, sie sollten mehr arbeiten und nicht soviel quasseln.

Am 3. Mai befahl die katalanische Regierung der Polizei, die Telefonica zu besetzen. Die Anarchisten empfingen sie mit MG-Feuer. Binnen Stunden wütete in Barcelona ein Bürgerkrieg innerhalb der Linken, der in der Stadt mehr Opfer forderte als der Aufstand der Generäle im Juli 1936.

Anarchisten und die trotzkistische Poum, die »den inneren Feind, die kommunistische Konterrevolution, vernichten« wollten, schossen ihre Gegensätze mit den Kommunisten, der Regierung und der Polizei aus. Nach vier Tagen und mehr als tausend Toten streckten die Anarchisten, obwohl keineswegs geschlagen, die Waffen - aus Valencia waren Verstärkungen für die Regierung eingetroffen. Largo Caballero weigerte sich, die anarchistische Gewerkschaft sowie die Poum aufzulösen, ihre Anführer zu bestrafen. Da verließen die kommunistischen Minister das Kabinett und zwangen den alten Sozialisten zum Rücktritt. Nachfolger wurde Juan Negrin.

Der rechte Sozialdemokrat Negrin, Großbürgersohn von den Kanarischen Inseln, hatte in Deutschland Medizin studiert und war Physiologieprofessor an der Madrider Universität geworden. Er sprach zu Hause mit seiner russischen Frau Französisch, aber auch noch fließend

Englisch und Deutsch. Ein Bourgeois, der sich vom sowjetischen Botschafter die Anrede »Genosse« verbat, den Sowjets und Kommunisten aber genehm war, da er ihrer Politik und ihren Zielen nicht mehr im Wege stand.

Er überließ die Liquidierung der unliebsamen Linken den Kommunisten und Russen, die mit ihren Tschekas aufräumten wie daheim: Neue Geheimdienst-Kommandos, darunter der Chef der Auslandsabteilung des NKWD, Sluzki, waren nach Spanien gekommen. Sluzki erläuterte einem Mitarbeiter, was Sache ist: »Wir dürfen nicht erlauben, daß Spanien zum internationalen Lager aller antisowjetischen Elemente wird, die dort aus der ganzen Welt zusammenkommen. Wer weiß, wie viele Spione es unter den Freiwilligen gibt? Wir dürfen nie vergessen, daß Anarchisten und Trotzkisten Konterrevolutionäre sind und daß man sie bis zum letzten vernichten muß.«

Darum hatte sich längst ein Deutscher namens Alfred Herz verdient gemacht, dessen »Servicio Alfredo Herz« im Hotel Colon von Barcelona zur berüchtigtsten Folterstätte Spaniens wurde.

NKWD-Kommandos verhafteten nun den Poum-Führer Andreu Nin. Er wurde gefoltert und, wie sein Mitkämpfer Julian Gorkin in seinem Buch »Stalins langer Arm« berichtet, im Pardo-Schloß bei Madrid erschossen.

Auch zahlreiche Ausländer fielen der wie eine Epidemie um sich greifenden stalinistischen Säuberung zum Opfer: der Österreicher Kurt Landau, der Deutsche Marc Rein, der Pole Hans Freund-Moulin, der Tscheche Erwin Wolf, der Brite Robert Smilie, der Belgier Kopp, Kompaniechef George Orwells. Der damals schwerverwundete Brite traf Kopp im Gefängnis wieder, »sauber und glattrasiert« trotz des Unrats in der überfüllten Zelle und guter Dinge: »Ich denke, wir werden wohl alle erschossen.«

Die beiden entkamen dem Tod - Orwell schrieb danach seine totalitäre Utopie »1984«. Zum Sterben zurück in die Sowjet-Union berufen wurden aber prominente Russen: der Berater Bersin, der Diplomat Rosenberg, »Prawda«-Korrespondent Kolzow samt seiner deutschen Lebensgefährtin, der Schriftstellerin Maria Osten.

In den Internationalen Brigaden wüteten Militär- und Standgerichte. Allein der Politchef Andre Marty ließ 500 Interbrigadisten hinrichten und erwarb sich damit den Beinamen »Schlächter von Albacete«. Julian Gorkin traf einen im Gefängnis von Barcelona: _____« Ich erinnere mich eines skeletthaften » _____« Vierzigjährigen, er hatte Haare und Zähne verloren und » _____« war mit der Läusesuche beschäftigt. Ständig wiederhole er » _____« »Die roten Faschisten! Die roten Faschisten!« Ich erfuhr, » _____« daß er Professor in Frankfurt gewesen war und seit zwei » _____« Jahrzehnten der Sozialdemokratie angehörte. In den » _____« Internationalen Brigaden wurde er verhaftet, weil er sich » _____« geweigert hatte, der KP beizutreten. Seit mehr als einem » _____« Jahr zieht er von Gefängnis zu Gefängnis, allmählich ein » _____« menschliches Wrack. Weihnachten lag er sterbend auf der » _____« Krankenstation. »

Die Sozialisten verweigerten der KP zwar die vorgeschlagene Vereinigung der beiden Parteien. Sie unterwarfen sich aber weitgehend der kommunistischen Linie. Largo Caballero wurde aus der Gewerkschaft UGT ausgeschlossen und unter Hausarrest gestellt.

Der sozialistische Verteidigungsminister Indalecio Prieto schuf nach NKWD-Vorbild die Geheime Staatspolizei Sim (Servicio de Investigacion Militar), die eigenmächtig verhaften und in eigenen Konzentrationslagern beliebig lange festhalten konnte, wen sie wollte. _(Auch Franco ließ sich in Sachen ) _(Geheimpolizei von Experten helfen: ) _(SD-Chef Heydrich schickte ihm im Mai ) _(1938 SS-Oberführer Jost als Berater. )

Die Republik hatte nach einem Jahr Bürgerkrieg ihre revolutionäre Unschuld verloren. Jede Spontaneität war dahin, noch mehr, sie konnte gefährlich werden.

Die Zensur wurde verschärft. »Wir mußten in den Korrespondentenberichten alles streichen, was nicht auf einen Sieg der Republik hinwies«, erinnerte sich Zensor Arturo Barea. Premier Negrin verlegte den Regierungssitz von Valencia nach Barcelona, um die stets rebellierenden Katalanen unter Kontrolle zu halten.

Stalin schickte neues Kriegsmaterial und frische Kommissare. Im Heer herrschte Disziplin. Die Offiziere trugen wieder Lametta. Ein Hauptmann erhielt nun 100 Peseten Sold, der des einfachen Soldaten wurde von 10 auf 7 gekürzt. Der 24jährige Sozialist Willy Brandt rechnete nach seiner Rückkehr aus Barcelona vor Genossen in Paris mit den spanischen Kommunisten ab: »Revolutionäre Errungenschaften werden abgebaut. Spanien ist in einer Entwicklung zur kommunistischen Parteidiktatur.«

Seit der Schlacht um Guadalajara war es an der Front ruhig gewesen. Franco hatte nach der Niederlage der Italiener eingesehen, daß er Madrid nicht im Sturmangriff nehmen konnte. Er richtete sein Augenmerk nach dem Norden. Die Basken und Asturier waren vom Rest der Republik abgeschnitten, besaßen aber mit die wichtigsten Bodenschätze und Industrien Spaniens.

Das deutsche Hilfskorps, die Legion Condor, war nur zu begierig, »die Blamage der Italiener auszugleichen«, wie der Stabschef und spätere Kommandeur der Legion, Oberst Wolfram Freiherr von Richthofen, in sein Tagebuch schrieb.

So bombten Hitlers Jus und Heinkels dem General Mola den Weg nach Norden frei und verbreiteten dabei Schrecken, wie sie die Welt noch nicht erlebt hatte.

Am 31. März 1937 war Markttag im Baskenstädtchen Durango. Die Marienkirche

war voller Gläubiger, als Abt Morilla, der gerade die Messe las, segnend den Kelch hob. Da durchschlugen die ersten Bomben das Kirchendach.

»Eine Bombe«, berichtete später eine englische Kirchendelegation, »explodierte auf den Altarstufen, und aus den Trümmern birgt man später den verstümmelten Körper des Abtes. Die zusammengekrampfte Hand hält immer noch den Kelch.«

40 deutsche Condor-Bomber zerstörten drei Kirchen und das Augustinerkloster, in dem 15 Nonnen starben. »Nach dreifachem Bombardement binnen dreier Tage ist Durango nur noch eine Stätte von Ruinen«, berichteten die britischen Augenzeugen. »Dreihundert Tote, zweitausendfünfhundert Verwundete, eine Stadt in Trümmern.«

Doch Durango war nur das Vorspiel für eine noch schlimmere Untat, die den deutschen Namen nachhaltig befleckte und letztlich direkt zum totalen Luftterror im bald ausbrechenden Weltkrieg führte.

Die Legion Condor war damals mit etwa 6000 Mann die schlagkräftigste Truppe der Franco-Armee. Als Eliteeinheit blieb sie unter sich, pflegte kaum Kontakt zu Spaniern oder Italienern.

Die Condor-Mannschaften waren die höchstbesoldeten Kämpfer auf nationaler Seite. Wo immer sie eingesetzt wurden, errichteten sie ihre eigenen, für Fremde geschlossenen Basen. Sie nahmen spanisches Kantinenpersonal mit, dem sie beigebracht hatten, »salchichas de Frankfurt« herzustellen oder Bauernfrühstück zu bereiten - die Portion mit zwölf Eiern, wie sich Wirtssohn Ricardo Lobo aus Vitoria schaudernd erinnert.

»Mit den einheimischen Mädchen hatten die Deutschen, anders als die Italiener, keinen Kontakt«, so Lobo. »Sie waren ja auch eine überlegene Rasse.« Der Legionär Fritz Jeuris aus Essen, der »damals in Spanien wie Gott in Frankreich« lebte, bestätigt das: »Nein, keinen weiteren Kontakt zur Bevölkerung, vom Puff mal abgesehen.«

Hitler sorgte sich auch um die Seelen seiner Krieger. Der Sonderstab W in Berlin schickte jeweils zu Weihnachten Geistliche zur Legion. Pfarrer Karl Keding besuchte die Bomber 1937 und pries seine uniformierten Schäflein mit heiligem Stolz:

»An Pflicht und Treue im Einsatz für Fahneneid, Vaterland und Führer dachten sie und wurden froh, im weltgeschichtlichen Kampf auf der rechten Seite zu stehen, nicht als ,Rebellen'' und Landsknechte, sondern als Streiter in vorderster Front des heiligen Krieges gegen die, die von Gott und Gottesliebe, von Christus-Krippe und Kreuz nichts wissen wollen.«

Gewöhnlich wurden die Legionäre alle sechs bis neun Monate ausgetauscht - »danach kauften sich alle meine Kameraden erst mal ein Auto«, so Ex-Condor-Mann Jeuris.

Der Sechs-Monate-Turnus erlaubte es Hermann Göring, möglichst viele seiner Piloten durch die Feuerprobe zu schleusen. Länger blieben allenfalls Ausbilder die etwa 60000 Spanier schulten. Doch nicht nur Menschen und Material sollten unter Kriegsbedingungen getestet werden. Spanien bot auch die Möglichkeit, Bombenwirkungen auszuprobieren - sogar noch mehr: Schon Ende 1936 erstellte die Versuchsgruppe des Technischen Amtes bei der Legion Condor - so was gab''s tatsächlich - ein als »Einsatzunterlage« gedachtes »Gutachten über Bombenwirkung möglichst in einer Stadt wie Sevilla«.

Die Zeit, solche Theorie endlich in Praxis umzusetzen, kam mit dem Baskenfeldzug. Condor-Stabschef von Richthofen hatte sich ausbedungen, seine »schweren Kampfkräfte« »ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung« einsetzen zu können.

Am 26. April war es soweit. Die Legion erhielt Einsatzorder auf Straßen _(Bei der Abschiedsparade der Legion ) _(Condor im Mai 1939 in Leon, links ) _(General Kindelan. )

und Brücke »hart ostwärts Guernica«. Von Richthofen notierte: »Dort muß zugemacht werden.«

Ab 16.45 nachmittags griffen deutsche Ju 52 und He-111-Bomber, insgesamt 43 Maschinen, die Stadt, die den Basken als heilig gilt, etwa drei Stunden lang in Wellen von 20 Minuten Abstand mit Spreng- und Brandbomben an. Über der Stadt hingen bald riesige Rauchwolken. In das Flammen- und Trümmermeer stießen He-51- und die erstmals eingesetzten Me-109-Jäger hinab und schossen mit MGs auf alles, was sich noch bewegte.

Guernica hatte damals etwa 7000 Einwohner, dazu kamen etwa 5000 Flüchtlinge. 1654 Zivilisten wurden an diesem einen Spätnachmittag in Guernica von Bomben und Bordwaffen getötet, das bis dahin schlimmste Terrorbombardement der Kriegsgeschichte.

Die Legion war erst noch stolz auf ihre Heldentat. Richthofen in seinem Tagebuch: »Guernica, Stadt von 5000 Einwohnern, buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht. Angriff erfolgte mit 250kg- und Brandbomben, letztere etwa 1/3... Bombenlöcher auf Straßen noch zu sehen, einfach toll.«

Doch die Condor-Piloten erhielten plötzlich Order, über ihren Guernica-Einsatz zu schweigen. Die totale Zerstörung einer friedlichen Stadt aus der Luft, bezeugt vom britischen Konsul und ausländischen Korrespondenten, löste weltweites Entsetzen aus. Darauf ließ Franco erklären, die Basken hätten beim Rückzug ihre Stadt selbst gesprengt und angezündet. Hitlers Außenminister von Ribbentrop wies eine von der britischen Regierung geforderte internationale Untersuchung der Zerstörung Guernicas als »unannehmbar« zurück.

Doch die Wahrheit setzte sich durch und führte zu leidenschaftlichen Protesten. Guernica wurde zum Synonym für Kriegsverbrechen. Der spanische Maler Pablo Picasso hielt das Grauen für alle Zeiten in seinem weltberühmten Kolossalwerk »Guernica« fest - das erst nach dem Tod Francos seine Heimat in Madrid fand.

Den Vormarsch der Armee Molas bremste der Zwischenfall nicht. Die Condor-Flieger, deren Stabschef von Richthofen sich vorübergehend zur Jagd auf »Steinbock in Gredos« abgemeldet hatte, bombten wirksam weiter. 8,8-Zentimeter-Flakbatterien der Legion schossen baskische Verteidigungsstellungen des sogenannten Eisernen Ringes um Bilbao sturmreif. Am 19. Juni fiel die Stadt. 35000 Basken wurden bei den drei Monate dauernden Kampf um ihre Heimat getötet oder verwundet.

Bis Oktober eroberte Franco Santander und (zum zweiten Mal in seinem Leben) auch das rebellische Asturien. Dabei halfen auch wieder die Italiener, die von Rom Befehl bekamen, möglichst viele erbeutete Fahnen und Kanonen heimzuschicken. Und wieder waren die Condor-Legionäre von unschätzbarem Wert. Der junge Oberleutnant Galland, später Hitlers Jagdfliegerchef, schrieb: _____« Ich erinnere mich, daß wir bei den Angriffen gegen » _____« die Bergstellungen vor Oviedo zum ersten Mal eine Art » _____« »Bombenteppich« » _____« ausprobieren. Wir brausten im geschlossenen Verband » _____« an und flogen im Tiefstflug die Bergkuppe an. Auf ein » _____« Zeichen wurden die Bomben gleichzeitig ausgeklinkt, und » _____« rauschend ging der ganze Segen nieder. ... Schritt für » _____« Schritt sammelten wir unsere Erfahrungen, trafen aus » _____« eigener Initiative allerlei Verbesserungen und schickten » _____« seitenlange Berichte nach Berlin. »

Ende 1937 kontrollierte der Caudillo bereits weit mehr als die Hälfte Spaniens. Mit Hitlers Hilfe hatte sich das Kriegsglück auf seine Seite gewendet.

Beinahe hätte Hitler seinem spanischen Verbündeten noch mehr geholfen, als der wollte. Dazu kam es so: Im März 1937 beschloß der sogenannte Nichteinmischungsausschuß in London eine Seeblockade der spanischen Küsten, um zu verhindern, daß weiter fremde Truppen und Material zu den kämpfenden Bürgerkriegsparteien kämen. Ausgerechnet den Deutschen und Italienern, die Franco mit allem, was sie hatten, unterstützten, fiel die Überwachung fast der gesamten republikanischen Mittelmeerküste zu.

Die deutsche Marine kreuzte mit einem ganzen Geschwader vor der rotspanischen Küste auf - zwei Panzerschiffen, einem Kreuzer, Zerstörer und Torpedobooten. Die Schiffe fuhren zusammen mit nationalspanischen Einheiten Patrouille und zogen damit naturgemäß Angriffe republikanischer Bomber auf sich.

Am 29. Mai bombardierten zwei rote Flugzeuge, die von russischen Piloten geflogen wurden, vor Ibiza ein Kriegsschiff, das sie angeblich für den nationalen Kreuzer »Canarias« gehalten hatten. Es war aber das Panzerschiff »Deutschland«. Zwei Bomben trafen das Schiff, 31 Matrosen starben, 78 wurden verwundet.

Der Führer, so berichtet Hans-Henning Abendroth in seinem Buch »Hitler in der spanischen Arena«, war über den Zwischenfall »rasend vor Wut«. Im ersten Zorn wollte er der spanischen Regierung den Krieg erklären. Der »Berliner Lokalanzeiger« wütete darüber, »daß bolschewistische Untermenschen es wagen durften, Söhne unseres Volkes anzurühren, ja, zu morden«.

Zur Vergeltung befahl Hitler der Marine, die Hafenstadt Almeria zu beschießen. Am 31. Mai feuerte das Panzerschiff »Admiral Scheer« eine halbe Stunde lang volle Breitseiten aus seinen 28-Zentimeter-Geschützen auf Almeria. 19 Tote und 55 Verwundete sowie 150 zerstörte oder beschädigte Häuser waren der Erfolg dieser Aktion.

Juan Negrin und sein Verteidigungsminister Prieto wollten mit aller Macht zurückschlagen. Prieto wollte die deutsche Mittelmeerflotte mit der gesamten republikanischen Luftwaffe angreifen, Negrin Deutschland gleich den Krieg erklären.

So hofften sie einen europäischen Konflikt zu entfesseln, in dem sie die stärkeren Verbündeten haben und damit siegen würden. Doch sie wagten weder das eine noch das andere ohne Stalins Zustimmung. Komintern-Sekretär Togliatti nahm Funkverbindung mit Moskau auf. Aus dem Kreml kam die Antwort »njet«.

Darauf versuchte die Republik, eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld zu erzwingen. Der erste große Angriff galt im Juli 1937 Brunete, westlich von Madrid. Er wurde mit 85000 Mann und großem Schwung vorgetragen und blieb dann in faschistischen Gegenangriffen, deren Speerspitze die Legion Condor bildete, stecken.

Oliver Law, ein Farbiger, der das amerikanische Lincoln-Bataillon der Internationalen Brigaden kommandierte, und der englische Major Nathan fielen. Dreihundert Soldaten von »El Campesino«, dem legendären republikanischen Kommandeur, wurden von Marokkanern gefangengenommen, die ihnen die Beine abhackten. Darauf ließ El Campesino 400 Moro-Gefangene erschießen.

Auf der anderen Seite berichten Offiziere der Legion Condor, die »durch ihren konzentrierten Einsatz die nationale Front rettete« (Chronist von Oven), von der Jagd auf die »frechen Feinde": _____« Wo man hinsieht, Ziele über Ziele. Kopflos laufen sie » _____« in Reihe hintereinander über die offenen Felder, » _____« wildgewordene Pferde zwischendurch, dann wieder Autos in » _____« wilder Fahrt und viele Tanks, immerzu schießend. Von oben » _____« sehen wir, daß die feindlichen Gräben gestopft voll sind » _____« mit Deckungsuchenden. Wir streichen sie mit unseren » _____« Maschinengewehren ab und wissen, daß kaum eine Kugel » _____« danebengehen kann. Wie furchtbar die Wirkung eines » _____« solchen Tiefangriffes sein kann, zeigte das Ergebnis, als » _____« man in einzelnen Gräben, die wir beschossen, über hundert » _____« Tote fand. »

Nach Wochen verlustreicher Kämpfe erstarrte die Front wieder da, wo sie vorher verlaufen war. Condor-Flieger hatten so viele republikanische Flugzeuge abgeschossen, daß sie fortan unbestrittene Luftüberlegenheit besaßen. In Aragon wechselte das Städtchen Belchite zweimal den Besitzer. Den völlig zerstörten Ort ließ Franco als Ruinenstadt-Denkmal für die »Bestialität der roten

Kanaillen« stehen und baute später daneben ein »neues glückliches Belchite« hin. (Das Denkmal des Caudillo, das an diese Wohltat erinnerte, wurde von den Einwohnern gleich nach Francos Tod demoliert.)

Zu einer der blutigsten Schlachten des Bürgerkrieges geriet die republikanische Offensive gegen Teruel in Aragon. Die Stadt stach wie eine Speerspitze in republikanisches Gebiet. Doch ihre Linien waren dünn besetzt. Franco plante nach dem Sieg im Norden eine neue Offensive über Guadalajara auf Madrid. Dem kam die Republik zuvor.

Am 15. Dezember 1937 griffen 100000 Mann die 20000-Einwohner-Stadt an, die von Oberst Rey d''Harcourt mit 4000 Mann verteidigt wurde. Er verschanzte sich im Palast des Zivilgouverneurs und wartete auf einen von Franco versprochenen Gegenangriff. Der blieb in meterhohem Schnee und klirrender Kälte bis zu minus 18 Grad stecken. Am 8. Januar ergab sich Rey d''Harcourt, dafür von den Franquisten als Feigling geschmäht und später von den Republikanern erschossen. Eine siebenwöchige Materialschlacht aber, bei der die Legion erstmals Stukas einsetzte (von den Spaniern »Angelitos«, Engelchen, genannt), zermürbte die Republikaner. Es kam zu Meutereien. An einem Tag wurden 50 Deserteure erschossen.

El Campesinos 101. Brigade wurde, wie er meinte, durch Verrat, eingekesselt. Von seinen 900 Mann überlebten 82. Er selbst war zweimal totgesagt - sein blutbefleckter Mantel wurde als Beutestück zu Franco gebracht.

Doch er überlebte. Campesino der in Wahrheit Valentin Gonzalez hieß, setzte sich bei Kriegsende nach Rußland ab, floh mehrmals, war Latrinenwärter in Stalins KZ Workuta, entkam schließlich über China nach Frankreich, wo er bis in die 60er Jahre an der Pyrenäengrenze einen privaten Partisanenkrieg gegen Franco führte und dafür 1961 von den Franzosen noch interniert wurde. Nach Francos Tod kehrte er nach Spanien zurück, heiratete die Mutter seiner fünf Kinder und starb 1983 in Madrid.

100000 Tote, Verwundete, Gefangene waren das Resultat der Schlacht um Teruel - katastrophal vor allem für die Republik. Denn sie hatte auf dem Schlachtfeld ihre besten Einheiten und das Gros ihres Materials verloren. Teruel brach ihre Kampfkraft.

Francos schneidigster Soldat, Yagüe, der eben zum General befördert worden war, und Oberst Thoma von der Legion Condor nutzten die Gelegenheit und stießen blitzartig weiter vor.

Die Stukas der Legion, Thomas'' Panzer und 8,8-Flak schossen jeden Widerstand sturmreif, die Infanterie stieß auf Lastwagen nach. In Tagesmärschen von 30, 40 Kilometern drangen die Nationalen gegen das Mittelmeer vor. Am 15. April 1938, einem Karfreitag, erreichte die 4. Navarra-Division das Meer nahe dem Städtchen Vinaroz.

»Die Soldaten«, so von Oven, »gebärdeten sich wie närrisch. Sie tanzten am Strand, warfen ihre Gewehre in die Luft, stürzten in voller Uniform ins Meer. Sie hatten einen blitzartigen Sieg errungen.« Und, so von Oven: »Dieser größte, ja entscheidende Erfolg des spanischen Bürgerkrieges war unter maßgeblicher Beteiligung deutscher Waffen, deutscher Soldaten und deutscher Generalstäbler zustande gekommen.«

Es schien der Anfang vom Ende. Die Rest-Republik war in zwei Teile zerschnitten. Ihre beiden Hauptstädte, Barcelona und Valencia, waren miteinander nur noch durch einen U-Boot-Pendelverkehr verbunden.

Mussolini, dem auch wieder mal nach Ruhm war, ließ von Mallorca aus Barcelona erbarmungslos bombardieren. An zwei Tagen starben 1300 Menschen in den Trümmern.

Der Duce freute sich unbändig darüber, daß Italiener »endlich einmal durch ihre Angriffslust Schrecken verbreiteten, statt als Mandolinenspieler Gefallen zu erregen«. Die Terrorangriffe, hoffte er, würden auch sein Ansehen bei den Deutschen stärken, »die den totalen und unbarmherzigen Krieg lieben«.

Der republikanische Verteidigungsminister Prieto sah bereits »alles verloren« und trat zurück. Negrin aber gab nicht auf. Er erreichte bei der französischen Regierung, die über Hitlers Einmarsch in Österreich empört war, eine Aufhebung des Waffenembargos.

Im Frühling 1938 trauten die Einwohner der Stadt Figueras nahe der Grenze _(Bei der Festnahme durch französische ) _(Gendarmen in Pau 1961. )

kaum ihren Augen. Endlose Lastwagen-Kolonnen rollten von Norden heran. Tieflader hatten Flugzeugteile geladen, Hunderte Panzer ratterten durch die Straßen. Die Franzosen hatten auf ihrer Seite sogar kilometerweit ihre schattenspendenden Chausseebäume umgehauen, um den breiten Spezialtransportern den Weg zu bahnen.

Mehr als 25000 Tonnen Kriegsmaterial wurde in wenigen Wochen an den Ebro gebracht, wo noch einmal fast 100000 Soldaten der Republik auf den Befehl zum letzten Großangriff warteten.

In der Nacht zum 25. Juli setzte das »Hans-Beimler-Bataillon« der Internationalen Brigaden über den Fluß. Auf Pontonbrücken folgten auf breiter Front vier Divisionen. Sie trieben die Truppen Francos 40 Kilometer weit ins Hinterland, machten 4000 Gefangene.

Die Republik bäumte sich noch einmal auf. Der sieggewohnte Franco stand jäh »am Rand einer Niederlage« (von Oven). Mussolini schmähte den Caudillo: »Die Roten sind Kämpfer, Franco nicht!«

Wieder rettete ihn die Legion - von der insgesamt 350 Mann in Spanien fielen. General Volkmann, ihr neuer Befehlshaber, warf alles in die Schlacht, was er hatte - Bomber, Jäger, schwere und leichte Flak, sogar eine Lehr-Batterie. Der deutsche Jagdflieger Werner Mölders schoß am Ebrobogen mit seiner Me 109 und einer neuen Taktik - er flog den Feind aus der gleißenden Sonne heraus an - fünf »Rata«-Flugzeuge der Republikaner ab.

Franco brachte sieben Divisionen für einen Gegenangriff an die Front. Der Kampf wurde auf beiden Seiten mit letzter Erbitterung geführt. Yagüe befahl, jeden gefangenen Interbrigadisten auf der Stelle zu erschießen.

Lister auf der republikanischen Seite gab am 2. August folgenden Befehl aus: »Wenn jemand auch nur einen Zoll breit Boden verliert, muß er ihn an der Spitze seiner Männer zurückerobern, sonst wird er erschossen.«

In höchster Not schickte Franco wieder seinen bewährten Helfer Bernhardt nach Deutschland: er brauche dringend 120 Batterien Artillerie - überein halbes Tausend Geschütze -, 50000 Gewehre, 2000 MGs. Göring tobte über diese »wahnwitzige Forderung«. Als Bernhardt aber fragte: »Können wir ihn verlieren lassen?«, sagte er neue Lieferungen zu. Franco erhielt mehr Material als je zuvor.

Damit warf er die republikanische Armee über den Ebro zurück. Die war nach der Schlacht am Ebro, oft als spanisches Verdun bezeichnet, erledigt, es gab keine Reserven mehr. Die internationale Nichteinmischungskommission hatte wieder mal den Stopp von Waffenlieferungen und Rückzug der fremden Hilfstruppen verlangt. Frankreich sperrte erneut die Grenze. Zwei italienische Divisionen, die »niemand vermißte« (so ein Condor-Kamerad), kehrten nach Italien zurück. Die Republik löste im Gegenzug die im Kampf so vielfach bewährten Internationalen Brigaden auf.

Am 15. November 1938 traten die einzigen wahren ausländischen Freiwilligen des Krieges in Barcelona zur Abschiedsparade an - 6000 Mann, angeführt vom Deutschen Ludwig Renn.

Dolores Ibarruri, die kommunistische »Pasionaria«, sprach unter Tränen die Abschiedsworte für die Reste jener Fremdlinge, von denen mehr als 20000 für die Republik ihr Leben gelassen hatten. Sie wandte sich an die Frauen von Barcelona: _____« Frauen! Mütter! Wenn die Jahre vergangen und die » _____« Wunden des Krieges vernarbt sind, wenn die Erinnerungen » _____« an die dunklen Wolken dieser schmerzvollen und blutigen » _____« Tage in einer Gegenwart voll Freiheit und Liebe wieder » _____« hochkommen, wenn der Stolz auf ein freies Land alle » _____« Spanier gleich beseelt, dann erzählt euren Kindern von » _____« den Internationalen Brigaden. » _____« Erzählt ihnen, wie sie über Meere und Gebirge kamen, » _____« bajonettestarrende und von Bluthunden bewachte Grenzen » _____« überwanden, um für einen Kreuzzug der Freiheit in unser » _____« Land zu kommen. Sie haben alles aufgegeben, ihre Lieben, » _____« ihr Land, ihr Heim, ihre Zukunft. Sie kamen und sagten » _____« uns: »Hier sind wir, eure Sache, Spanien ist auch die » _____« unsere!« Heute gehen sie wieder. Viele, Tausende von » _____« ihnen aber bleiben für immer hier, in spanischer Erde. »

Den Brigadisten rief sie nach, die Staatsräson zwinge, sie wegzuschicken aber sie seien bereits eine Legende, sie hätten Geschichte gemacht. Etwa die Hälfte der über 12000 Ausländer, die damals noch für die Republik kämpften, verließ in den folgenden Wochen unter Aufsicht des Völkerbunds das Land.

Andere, Deutsche, Österreicher, Italiener, Jugoslawen, Ungarn, Tschechen, blieben. Sie konnten nirgendwohin gehen. In ihren Heimatländern herrschten Faschisten oder deren Verbündete. Sie starben entweder in den letzten Rückzugskämpfen der Republik oder wanderten über französische Internierung in Nazi-Konzentrationslager.

Der Rest war für Franco Routine. Er hatte nun eine Million Mann unter Waffen. In der Republik herrschten Defätismus und Hungersnot. Hauptnahrung waren Linsen, in Madrid als »Dr. Negrins kleine Siegespillen« verspottet. Nationale Flugzeuge warfen über republikanischen

Städten Brotlaibe ab, um ihren Überfluß zu demonstrieren.

Mit 300000 Mann eroberten die Faschisten im Dezember und Januar Katalonien, dessen Verteidiger gerade noch 17000 Gewehre besaßen. Wieder waren die Deutschen in vorderster Front. Aus einem Siegesbericht der Legion Condor: »Unsere Flak steht wie immer als erste vorn. Ihre Granaten wühlen sich in die Reihe der Fliehenden oder krepieren nur meterhoch über ihren Köpfen mit entsetzlicher Wirkung.« Barcelona fiel fast kampflos. Francos Rache an den Katalanen war furchtbar. In der ersten Woche nach der Besetzung wurden 10000 Menschen erschossen, nachher noch 25000. Mussolini sagte, auch alle gefangenen Italiener sollten erschossen werden: »Tote können nichts erzählen.«

Eine halbe Million verzweifelter Republikaner, die als einziges Gut oft nur eine Handvoll Heimaterde mitbrachten, flohen über die Pyrenäengrenze nach Frankreich. Sie wurden in fünfzehn provisorische Lager gepfercht, in denen es kein Dach über dem Kopf, keine Latrinen, kein Brot, oft nicht mal Wasser gab, dafür reichlich Stacheldraht und senegalesisches Wachpersonal mit aufgepflanztem Bajonett. Spaniens großer Dichter Machado starb auf der Flucht an Asthma. Belgien nahm 3000 Kinder auf. Die Bilder des Prado-Museums wurden zum Völkerbund nach Genf gebracht.

Zu Fuß retteten sich nach einer letzten pathetischen Cortes-Sitzung, am 1. Februar 1939 im Keller der düsteren Burg von Figueras, auch Präsident Azana und Premier Negrin. Azana ging nach Paris und trat am 2. März zurück. Negrin aber kehrte mit dem Flugzeug nach Spanien zurück und befahl die Fortsetzung des Kampfes. Noch kontrollierte die Republik ein Drittel des Landes und befehligte eine Armee von einer halben Million Mann.

Negrin spielte auf Zeit. Er hoffte auf ein Ereignis, das der Rest des Kontinents fürchtete wie die Pest - den Weltkrieg, in dem die Republik auf der Siegerseite überleben würde. Er verfehlte ihn nur um wenige Monate.

Das gemarterte Land erlebte in den ersten Märztagen noch eine sinnlose Tragödie, einen zweiten Bürgerkrieg im Bürgerkrieg. In Madrid putschte Oberst Casado, der Kontakte zu Franco aufgenommen hatte, gegen Negrin und die Kommunisten, die den Kampf weiterführen wollten. Noch einmal starben zweitausend Menschen in einem Bruderkrieg zwischen Republikanern.

Franco, inzwischen schon von England und Frankreich anerkannt, brauchte nur zuzusehen, wie die Republik sich selbst zerfleischte und sich dann in nichts auflöste. Negrin floh ein zweites Mal nach Frankreich. Die Soldaten gingen einfach nach Haus. Der Sieger konnte die Hauptstadt und den Rest fast kampflos besetzen, seine Rache genießen.

Die büßten dann zwei Millionen Spanier mit jahrelanger Zwangsarbeit in Konzentrationslagern, die, wie etwa der »Campo de Concentracion y Trabajo Nanclares de Oca«, nach deutschem Vorbild eingerichtet wurden. Noch einmal fast hunderttausend starben unter den Salven der Sieger, über eine halbe Million bezahlte die Treue zur Republik mit jahrzehntelangem Exil. Erst nach 15 Jahren unter Franco erreichte Spanien den Lebensstandard wieder, den es vor dem Bürgerkrieg gehabt hatte.

Am Pier von Alicante warteten Ende März Zehntausende Verzweifelte auf Rettung. Doch die Flotte der Republik hatte sich zu den Franzosen nach Tunesien abgesetzt, fremde Schiffe nahmen nur Auserwählte auf, darunter den Putsch-Obristen Casado. Dutzende erschossen sich oder stürzten sich ins Meer. Der Rest wurde am 1. April 1939 abgeführt in ein Mandelbaum-Wäldchen, das die Gefangenen selber mit Stacheldraht einzäunen mußten.

Francisco Franco gab sich am Ziel seiner glühenden Wünsche als Caudillo von Gottes Gnaden über ganz Spanien demonstrativ beherrscht. Er laborierte in Burgos an einer Grippe, als am 31. März 1939 spätabends ein Adjutant meldete, die Truppe habe nun das ganze Land in ihrer Hand, der Krieg sei zu Ende:

»Sehr gut«, sagte der Sieger. »Vielen Dank.«

Ende

Auch Franco ließ sich in Sachen Geheimpolizei von Experten helfen:SD-Chef Heydrich schickte ihm im Mai 1938 SS-Oberführer Jost alsBerater.Bei der Abschiedsparade der Legion Condor im Mai 1939 in Leon, linksGeneral Kindelan.Bei der Festnahme durch französische Gendarmen in Pau 1961.

Zur Ausgabe
Artikel 50 / 84
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.