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Briefe

»Sie werden nicht mehr lachen«
aus DER SPIEGEL 10/1979

»Sie werden nicht mehr lachen«

(Nr. 8/1979, Briefe: Dr. Venohr behauptet, keine öffentliche Erklärung der Nazi-Führer zu kennen, aus der Vernichtungsabsichten gegenüber den Juden abzulesen waren>

Abgesehen von den Aushangkästen des »Stürmer« ist ein Rosenberg-Zitat oft gebracht worden:

Wenn auf Rassen- und Völkerverhöhnung, wenn auf Rassenschande einmal Zuchthaus- und Todesstrafe stehen werden, dann wird es stählerner Nerven und schärfster Formkräfte bedürfen, bis das »Ungeheuerliche' einmal zur Selbstverständlichkeit geworden ist.

Freiburg WILLI LORENZ

Gestatten Sie, daß ich aus Hitlers Rede im Löwenbräukeller am 8. November 1942 zitiere:

Sie werden sich noch erinnern an die Reichstagssitzung, in der ich erklärte, wenn das Judentum sich etwa einbildet, einen internationalen Weltkrieg zur Ausrottung der europäischen Rassen herbeiführen zu können, dann wird das Ergebnis nicht die Ausrottung der europäischen Rassen, sondern die Ausrottung des Judentums in Europa sein (starker Beifall). Sie haben mich immer als Prophet ausgelacht, von denen, die damals lachten, lachen unzählige nicht mehr (Lachen>. Die jetzt noch lachen, werden in einiger Zeit nicht mehr lachen.

Artberg (Bayern)

GERHARD KLETSCHKA

Hitler hat sehr wohl öffentlich bekundet, was er mit den luden zu tun gedachte. In seinem

Buch »Mein Kampf« (1925/27) schreibt Hitler:

Nun wäre aber der Zeitpunkt gekommen gewesen, gegen die ganze betrügerische Genossenschaft dieser jüdischen Volksvergiftung vorzugehen ... Es wäre die Pflicht einer besorgten Staatsregierung gewesen, ... die Verhetzer dieses Volkstums unbarmherzig auszurotten. Wenn an der Front die Besten fielen, dann konnte man zu Hause wenigstens das Ungeziefer vertilgen.

Hätte man zu Kriegsbeginn und während des Krieges einmal zwölf- oder fünfzehntausend dieser hebräischen Volksverderber ... unter Giftgas gehalten, ... dann wäre das Millionenopfer der Front nicht vergeblich gewesen. Im Gegenteil: Zwölftausend Schurken zur rechten Zeit beseitigt, hätten vielleicht einer Million ordentlicher, für die Zukunft wertvoller Deutschen das Leben gerettet.

In einer Grußbotschaft zur Parteigründungsfeier am 24. Februar 1942 rief Hitler seinen AIt-Kämpfern zu:

Meine Prophezeiung wird ihre Erfüllung finden, daß durch diesen Krieg nicht die arische Menschheit vernichtet, sondern der Jude ausgerottet werden wird. Was immer auch der Kampf mit sich bringen oder wie lange er dauern mag, dies wird sein endgültiges Ergebnis sein.

Zur Eröffnung des Winterhilfswerkes am 30. September 1942 unterstrich Hitler vor dem Hintergrund der bereits angelaufenen .Endlösung« und unter Berufung auf seine Reichstagserklärungen:

Die Juden haben einst auch in Deutschland über meine Prophezeiungen gelacht. Ich weiß nicht, ob sie auch heute noch lachen oder ob ihnen nicht das Lachen bereits vergangen ist. Ich kann aber auch jetzt nur versichern: Es wird ihnen das Lachen überall vergehen.

Göttingen ULRICH POPPLOW

Herr Dr. Venohr- sollte sieh den Leitartikel von Herrn Dr. Gochbels aus »Das Reich« vom 16. November 1941 nochmals durchlesen:

Wir erleben eben den Vollzug dieser Prophezeiung, und es erfüllt sich damit am Judentum ein Schicksal, das zwar hart, aber mehr als verdient ist ... es erleidet nun einen allmählichen Vernichtungsprozeß, den es uns zugedacht hatte

Haltingen (Nrdrh.-Westf.)

SIEGFRIED MARUHN

Als Geschichtslehrer an einer Berliner Realschule spiele ich seit Jahren meinen Schülern folgenden Ausschnitt aus einer Goebbels-Rede vor:

Wie der Kartoffelkäfer die Kartoffelfelder zerstört, ja zerstören muß, so zerstört der Jude die Staaten und Völker. Dagegen gibt es nur ein Mittel, nämlich radikale Beseitigung der Gefahr.

Berlin HANS-JOACHIM DIETZEL

Als kleinen Beitrag zu diesem aktuellen Thema hiermit ein Zitat aus dem Tagebuch meines Vaters, Dr. Curt Prüfer, der von 1939 bis 1942 deutscher Botschafter in Brasilien war. Vermutlich aus naiven Camouflagegründen pflegte er seine Aufzeichnungen teilweise auf französisch oder gar arabisch zu Papier zu bringen:

(Berlin) 22. 11. 42. On m'a raconté ce matin des histoires affreuses sur le traitement des Persans. (Anmerkung: Kurfürstendammausdruck für Juden.) Ils ont été massacrés, hommes, femmes et enfants en grand nombre par des gas asphyxiants ou par la mitrailleuse. La haine qui, forcément, doit en surgir ne sera jamais éteinte Dies weiß heute jedes Kind in allen Details.*

Ich war damals zwölf Jahre alt. Im Jungvolk und in der Hitlerjugend in Baden-Baden, wo ich damals lebte, waren Aussprüche wie »Wennde nicht gehorchst, kommste ins KZ und wirst vergast« völlig an der Tagesordnung.

Kent (USA) DR. OLAF H. PRÜFER Professor der Anthropologie

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