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Briefe

So oft beschworen
aus DER SPIEGEL 6/1996

So oft beschworen

(Nr. 4/1996, Titel: Notprogramm in Bonn - 6 Millionen Arbeitslose, Gefahr für Standort Deutschland)

Soll keiner behaupten, man habe das nicht gewußt oder nicht wissen können. Die Verwaltungsreform des Öffentlichen Dienstes liegt seit Jahren bundesweit in den verschiedenen Schubladen, um sie erst bei allergrößtem Spardruck mehr schlecht als recht durchzuboxen. Erfolge? Stellenstreichungen in der unteren Ebene, Zurückschrauben der Ausbildung, Parteibuchgeklüngel. *UNTERSCHRIFT:

Berlin HEIDRUN SCHWARZ

Ganz stark finde ich die Aussage von Herrn Ludewig, durch eine durchgreifende Reform der Lohn- und Einkommensteuer das Steuersystem »leistungsfreundlicher« zu gestalten. Dabei handelt es sich doch nur um eine vorgezogene Wahlkampfphrase, denn gerade jetzt bestraft das Jahressteuergesetz 1996 insbesondere Leistungsträger, also zum Beispiel Angestellte, die die von Politikern so oft beschworene berufliche Mobilität aufbrachten oder aufbringen mußten und unter der Woche von der Familie getrennt leben und einen zweiten Wohnsitz unterhalten. Diese erheblichen zusätzlichen Kosten, die ja Voraussetzung sind, um überhaupt Einkommen zu erzielen, können steuerlich nicht mehr geltend gemacht werden. *UNTERSCHRIFT:

Kelkheim/Taunus PETER NIEMCZEWSKI

Gewiß, unsere Lohnkosten sind hoch. Nur die Billiglohnländer schaffen mit ihrem Billiglohn nicht genügend Kaufkraft im eigenen Land und sind daher dringend auf unsere durch hohe Löhne große Kaufkraft angewiesen. *UNTERSCHRIFT:

Berlin GERHARD STRUCK

Ein riesiges Potential an Produktinnovationen ruht bei Zehntausenden Klein- und Mittelbetrieben ungenutzt in der Schublade. Wenn belegbare Aufwendungen für die Entwicklung neuer Produkte sofort gegen Steuerverbindlichkeiten verrechenbar wären, hätten wir den größten Innovationsschub in Hunderten von Sparten seit 1945. *UNTERSCHRIFT:

Tübingen HELMUT SCHÄFER

Über das Argument der Gewerkschaften, die Inlandsnachfrage würde bei steigender Arbeitslosigkeit sinken, lacht man doch nur im Arbeitgeberlager. Die zu verteilenden Löhne und Gehälter lassen sich genausogut in Überstunden investieren, deren Ertrag auch viel freudiger in den Konsum gesteckt wird, als dies beim schmalen Salär von Arbeitslosen der Fall wäre. *UNTERSCHRIFT:

Hamburg ARNIM DAHLEN

Besser kann der Zynismus einiger Politiker nicht vermittelt werden als mit dem Lambsdorff-Interview. Mir ist nicht bekannt, daß der Graf sich öffentlich von der Diätenerhöhung des Deutschen Bundestages distanziert hat. Aber die Bürger sollen sich alle auf reale Einkommensverluste für einen gewissen Zeitraum einstellen. Der Graf hat recht, nun klingeln die Alarmglocken, hoffentlich auch beim Wähler bei den nächsten Landtagswahlen im Frühjahr. *UNTERSCHRIFT:

Berlin KLAUS-DIETER BUSCHE

Unverschämt und verletzend empfand ich Graf Lambsdorffs ketzerische Aussage zur Abschaffung der Drehtür-Einrichtung. »Sonst kann doch jeder von Fortbildungskurs zu Fortbildungskurs marschieren und sich ein schönes Leben machen.« Ich selber bin in den Genuß eines neunmonatigen Fortbildungskurses gekommen. 40 Schulstunden die Woche und täglich 3 Stunden Pauken, dagegen war mein Abitur ein Kinderspiel, und eine geregelte Tätigkeit mit höherer Akzeptanz würde ich auch vorziehen. *UNTERSCHRIFT:

Freiburg GOTTFRIED LANTZ

Wer von Fischer Neues und Wegweisendes zur »Zukunft des Sozialstaates« erwartet hat, wurde herb enttäuscht. Nur ein Kessel Banales, über drei Seiten verstreut und in einem so erbärmlichen Soziologendeutsch geschrieben, als hätte Hubert Kleinert dem guten Joschka die Feder geführt. *UNTERSCHRIFT:

Magdeburg CHRIS BOPPEL Ex-Landtagsabgeordneter der Grünen/Hessen

Der nette arrivierte Minister Fischer schreibt in seinem Essay: »Den Sozialstaat in Europa aber als solchen in Frage zu stellen heißt mit dem Feuer zu spielen und die Axt an die Wurzeln der Demokratie zu legen.« Minister Fischer übersieht, daß die Axt des Geldadels ihre Arbeit längst erledigt hat und bereitliegt, den Rest auch noch zu Kleinholz zu verarbeiten. *UNTERSCHRIFT:

Osterrade (Schlesw.-Holst.) PETER A. BRUNS

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