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TAIWAN Sockelsturz eines Despoten

aus DER SPIEGEL 22/2007

Vor 32 Jahren schon starb Chiang Kaishek, der langjährige Präsident der Republik - nun rechnet Taiwan mit ihm ab. Während der nach ihm benannte internationale Flughafen von Taipeh bereits voriges Jahr einen neuen Namen erhielt, wurde jetzt auch die pompöse Gedenkstätte für den Generalissimus im Zentrum umgetauft: Sie heißt fortan »Nationale Taiwan-Demokratie-Gedenkhalle«. Derzeit verschwinden vor allem in den Kasernen auf der Insel Statuen und Büsten des Despoten. Zudem soll sein Leichnam aus dem staatlichen Mausoleum verbannt und auf privatem Grund begraben werden. Chiangs nationalistische Partei Kuomintang

(KMT) hatte nach ihrer Niederlage im Bürgerkrieg gegen die kommunistischen Truppen Mao Zedongs die Taiwaner jahrzehntelang unterdrückt.

Ein demokratisches Taiwan sollte keinen Diktator ehren, begründet Präsident Chen Shuibian die Demontage. Chen will mit der Kampagne rund ein Jahr vor Ende seiner Amtszeit allerdings auch die oppositionelle KMT ärgern - und mit dem Sockelsturz eine weitere Verbindung zum Festland kappen. Er hofft, auf diese Weise in die Geschichte einzugehen als Politiker, der die Eigenständigkeit Taiwans förderte.

Wie die KP-Führung in Peking, für die Taiwan eine abtrünnige Provinz ist, plädierte auch Chiang Kai-shek stets für die Einheit Chinas - allerdings unter seiner Führung. Obwohl er Hunderttausende Kommunisten auf dem Gewissen hat, gilt er daher in der Volksrepublik nicht als Unperson. Im Gegenteil: Geschichtsbücher, Museen und Ausstellungen ehren ihn als wichtige historische Figur.

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