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Briefe

Solare Erleuchtung
aus DER SPIEGEL 36/1987

Solare Erleuchtung

(Nr. 34/1987, SPIEGEL-Titel: SPIEGEL-Reporter Hans Halter über Sonne und Wasserstoff, die Energie der Zukunft) *

Ich atme schon jetzt bei dem Gedanken auf, die Sonne, Wasser und Luft könnten uns durch intelligente Nutzung vom Damoklesschwert Atom befreien!

Hamburg ELISABETH BOHRS

Es bleibt zu hoffen, daß sich diese Formen vernünftiger und berechenbarer Energieerzeugung gegen die Wahnsinnspolitik der Atom-Lobby und ihrer Politiker durchsetzen werden.

Hildesheim VOLKER HENK

Macht weiter PR für die Sonnenenergie, denn die Lobby der Atomindustrie ist größer!

Stuttgart T. WIELAND

Ohne Zweifel kann die Nutzung der Sonnenenergie in den Entwicklungsländern schon heute einen entscheidenden Beitrag zur Lösung der Energieprobleme vor Ort leisten. Es steht jedoch zu befürchten, daß neben der Kurzsichtigkeit der Politiker auch die wirtschaftlichen Interessen der Großkonzerne einer notwendigen schnellen Umstellung auf eine dezentrale, rationelle Energiepolitik nicht nur in der Bundesrepublik entgegenstehen.

Everswinkel (Nrdrh.-Westf.) ULRICH OTTO Ökologe

Wichtige Voraussetzung für eine dezentrale Sonnennutzung ist eine Verringerung des Energiebedarfs, was nichts mit Einschränkung zu tun haben muß. Ich kann beispielsweise dadurch weniger Energie verbrauchen, daß ich im Dunkeln sitze. Ich kann aber auch statt der üblichen Glühbirnen Energiesparlampen verwenden, die nur noch ein Sechstel des Stroms verbrauchen. Diese Art des Energiesparens ist gemeint, die keinen Mangel erzeugt, sondern den Weg zu größerer Unabhängigkeit weist. Unabhängigkeit von Ölmultis, Stromlieferanten und der stets offenen Steuerhand.

Lüdenscheid (Nrdrh.-Westf.) THOMAS BECKER Arbeitsgemeinschaft zur Förderung rationeller Energienutzung ev.

Es ist keineswegs sehr umweltfreundlich, große Flächen mit Solaranlagen zu verbauen. Denn eine in unseren Augen tote Wüste hat doch eine Menge Leben. Sollte man jedoch zu der Überzeugung kommen, daß dieses Leben nicht von Bedeutung ist und man würde dieser »toten Wüste« durch große Solaranlagen »Schatten spenden«, so würde das für viele dort lebende Tier- und Pflanzenarten unabsehbare Folgen haben.

Kassel RAINER DALLMANN

In der Entwicklung, Erprobung und Vermarktung dieser Technologie sind enorme Gewinnmöglichkeiten und eine Unmenge neuer Berufe und Arbeitsplätze enthalten. Aus meiner Sicht für gut 50 Jahre und mehr. Der Gedanke, zum Beispiel Marokko in die EG als Mitgliedsland aufzunehmen oder die Türkei, erscheint unter dem Gesichtspunkt der Sonnenfülle dieser Länder durchaus nicht mehr abwegig.

Höxter (Nrdrh.-Westf.) DR. VOLKER GROSS

Leider haben Sie versäumt, den tatsächlichen Erfinder des Konzepts der Energieversorgung mit Wasserstoff zu nennen: Professor Dr. Eduard Justi, bis zu seinem kürzlichen Tode Emeritus der Technischen Universität Braunschweig. Er hat bereits 1961 die Installation von Solarzellen in der Sahara, von Elektrolyse-Anlagen an der afrikanischen Küste und einer Wasserstoff-Pipeline zur Versorgung von Zentral-Europa engagiert

vorgeschlagen. Mit diesem Konzept könnte gleichzeitig die H2/O2-Brennstoffzelle, zu deren Entwicklung sein Institut wesentlich beigetragen hat, eine Wiederbelebung erfahren.

Braunschweig DIPL.-PHYS. DR. J. SIEVERT

Es verwundert den geduldigen Leser und Nichtfachmann, daß auf jetzt schon anwendbare Möglichkeiten bei der Wasserstoffnutzung hingewiesen wird, derer sich niemand bedient. Daß hierbei die kapitalistischen (Kohl-)Köpfe nicht mitspielen, weil nur profitablem Topfrand-Denken verhaftet, mag noch angehen. Daß aber die vor progressiver Weisheit triefenden sozialistischen Gesellschaftssysteme ihre Energiewirtschaft noch nicht auf »Wasserdampf« umgestellt haben, ist mehr als rätselhaft.

Berlin GÜNTHER HOFFMANN

Wie soll über oben eher hohlkörperliche als leicht wasserstoffliche Politiker eine solare Erleuchtung kommen, wenn diese dauernd in ihren dunklen und muffigen Rats- und Amtsstuben hocken, dies wohl aus Angst davor, draußen in der Helle und Freiheit (des Geistes) einen Sonnenstich zu erhalten?

Lindau (Schweiz) RALF WINKLER

BRIEFE

Allemal Satanswerk?

(Nr. 33/1987, SPIEGEL-Titel: Chomeinis blutiger Islam) *

Die Weltpolitik hat doch selbst dazu beigetragen, daß das blutige Regime von Chomeini zustande gekommen ist. Heute beklagt man es.

Eschborn (Hessen) J. F. WILHELM HÖRNICKE

Chomeini ist auf Europas Magazinen als Teufel abgebildet. Und was sich in den islamischen Ländern tut, ist dem aufgeklärten Westen - die UdSSR und ihre Vasallen eingeschlossen - allemal ein Satanswerk. Als lebten wir noch zur Zeit der Kreuzzüge, als ständen noch wie einst beim Prinzen Eugen, die Türken vor den Toren; eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem, was westliche Politik - und dazu gehört auch die koloniale - in diesen Ländern angerichtet hat, findet nicht statt. Unbegreiflich ist uns, warum plötzlich Frauen wieder den Tschador tragen, wo doch Yves Saint Laurent und Gucci selbst auf den Flughäfen von Bahrein oder Dschidda ihre Duty-Free-Vertretungen haben. Unbegreiflich, weshalb diese Leute da im Ramadan fasten, wo doch unser Credo des unausgesetzten Verbrauchens per Hochglanzwerbung auch bei ihnen verbreitet wurde. Unbegreiflich, daß sie sich von unserer Predigt der Emanzipation emanzipieren und ihren eigenen Weg suchen und gehen: »Zurück ins Mittelalter«, wie der SPIEGEL seinerzeit schrieb. Ins Mittelalter, in das die arabische Welt das Erbe der Griechen und Ägypter hinübergerettet hatte, während allerdings bei uns der finsterste Aberglaube herrschte, so daß Menschen wegen der bloßen Kenntnis naturwissenschaftlicher Gesetze gesteinigt und gefoltert wurden? Ins Mittelalter, als in europäischen Klöstern arabische Schriften kopiert und übersetzt und dann als geistiges Eigentum der entsprechenden Äbte ausgegeben wurden? Dantes »Göttliche Komödie« oder Andersens »Fliegender Koffer« - die Entlehnung arabischen Gedankengutes ohne Nennung der Herkunft hatte Methode, ebenso wie Europas Diebstahl an den Schätzen dieser

Länder. Arabische Autoren beschrieben schon um das Jahr 1000 die Körper als von kreisenden Atomen gebildet und Gott als das Willensprinzip, das diese Bewegung in sich erhält - wie Albert Einstein in unserem Jahrhundert. Persien ist eine fünftausend Jahre alte Kultur, Ägypten I ist ähnlich alt, Indien auch. Zu Zeiten, als bei uns noch in finsteren Wäldern die Bären brüllten, wurden dort die Künste entwickelt die wir dann mittels Imitation übernahmen und zu den unseren machten. Raubbau haben wir dann an diesen Ländern getrieben, ihre Schätze liegen in europäischen Schatzkammern. Und dann haben wir sie »Entwicklungsländer« getauft, um noch um so besser an ihnen verdienen zu können. Im Augenblick verdient Europa, der Westen, an den Waffen, die wir dorthin verkaufen.

Berlin HELMA SANDERS Autorin und Regisseurin des Films »Shirins Hochzeit

Bei drei Millionen iranischen Flüchtlingen allein in Westeuropa müßte doch auch dem SPIEGEL langsam aufgegangen sein, daß es tatsächlich Millionen von Chomeini-Gegnern gegenüber einigen wenigen Hunderttausenden fanatischen Anhängern gibt.

Köln A. MORADI

Soll sich diese »Verteidigungsschießerei« noch jahrelang fortsetzen? Wird höchste Zeit, daß Amerika eingreift!

Münster DOMINIK EPKE

Im Konflikt um die Golfregion, insbesondere im Krieg Irak - Iran, wird es einen Zeitpunkt geben, an dem der wirtschaftliche Aufbau der kriegführenden Nationen den Waffenlieferanten (unter anderem der Bundesrepublik Deutschland und den USA) mehr Profit einbringen wird als die weitere Unterstützung eines Krieges. Zu diesem Zeitpunkt wird der Konflikt beendet werden. Ich stimme Abol Hassan Banisadr zu, wenn er meint, Amerikaner und Russen seien die Sieger im Golf!

Winsen (Nieders.) CHRISTIAN FASSBINDER

BRIEFE

Bundesweit vorn

(Nr. 35/1987, Rückspiegel zur Panorama-Meldung: »Rauswurf für den »Roten Meier") *

Präsident Meier hat bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Verkabelungspolitik des Postministers voll unterstützt. Anders wäre es wohl kaum zu erklären, daß die Anschlußdichte (Verhältnis der anschließbaren und angeschlossenen Wohneinheiten) für das Kabelfernsehen in Oberbayern und Schwaben (Bezirk der Oberpostdirektion München) mit

rund 40 Prozent über dem Bundeswert mit 35,6 Prozent liegt. In den entscheidenden Bereichen der neuen Medienpolitik hat die Oberpostdirektion bei der Schaffung der technischen Voraussetzungen Pionierarbeit geleistet. Erinnert sei nur an das Kabelpilotprojekt München und an den ersten Hörfunksender für private Anbieter. Bundesweit vorne lag die Oberpostdirektion München auch mit ihrem ersten Fernsehsender für Private.

München HELMUT ESTERL Oberpostdirektion

BRIEFE

Normal und nobel

(Nr. 34/1987, Popmusik: Superstar Madonna) *

Während eines Einkaufsbummels in London City trafen wir Madonna und waren sehr beeindruckt. Von einem »blechbehangenen Punk-Weihnachtsbaum«, »einer Edelschlampe« mit »Hausfrauensex« und selbst von einem »Monroe-Verschnitt« war nichts zu sehen. Ganz im Gegenteil: Sie machte einen sehr noblen und sympathischen Eindruck, von der Kleidung bis zu ihrem sonstigen Äußeren. Ihr Hals war nicht mit »billigem Plastik- und Blechgerümpel« behangen, und sie schenkte den Fans, die sich mittlerweile vor dem Geschäft versammelt hatten, keine Schlafzimmerblicke. Im Gegenteil: Sie lächelte offenherzig! Daß Madonna in ihren Konzerten nicht im Freizeitlook auftritt, halten wir eigentlich für ganz normal!

Wir können uns zwar auch nicht vorstellen, daß die Beatles in Unterhosen aufgetreten wären, aber die Zeiten ändern

sich und mit ihnen die Sitten. Jedenfalls scheint Madonna mit ihren Dessous gut anzukommen, und dies ist wohl alles, was sie will.

London SABINE KINZEL SVENJA BREUER

Wie würden Sie »Hausfrauensex« definieren? Und wie grenzen sich »Journalistensex« und »Hausfrauensex« voneinander ab?

Ottobrunn (Bayern) DORIS KUHNERT

Nur schwarze Spitzenunterwäsche macht aus Madonna keine Marilyn Monroe, dazu fehlt ihr auch deren Charme.

Göppingen EMANUELLE DANNAORLEIH

BRIEFE

»Maska em Kaschda«

(Nr. 33/1987, Politisches Buch: Heiner Geißler über die Lothar-Späth-Biographie von Filmer/Schwan) *

Dem »schwarzen« Generalsekretär möchte man raten, weniger von Moral zu sprechen als sie zu praktizieren. Auch ein Nachfolger im Parteivorsitz und als Regierungschef, der seinen über eine schlimme Affäre gestürzten Vorgänger Filbinger mit zum Ehrenvorsitzenden der südwestdeutschen CDU kürt oder der so »geschmähten Generation« seelischen Beistand gewährt, wird es wohl mit der Moral nicht so genau nehmen.

Gammelshausen (Bad.-Württ.) HERMANN MAYER

Heiner Geißler schreibt, man habe in dem jungen Herrn Späth einen verkappten Sozialisten vermutet. Zur Zeit stellt er sich als verkappter CDUler dar! Keine Sorge! Lothar hat noch ein paar »Maska em Kaschda«. Allerdings läßt er nunmehr seine staatsbeamteten Diensthelfer, auf Steuerzahlerkosten, prüfen, aus welcher Richtung demnächst der opportunistische Karrierewind bläst. Unser Lothar wird nur von Landsleuten durchschaut.

Stuttgart MANFRED STAAB

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