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LINKE Solidarität mit der Guerilla

aus DER SPIEGEL 22/2008

Abgesandte der berüchtigten kolumbianischen Guerilla Farc, die seit Jahren durch Geiselnahmen und Drogenhandel von sich reden macht, verfügen über beste Kontakte zur linken Szene in Deutschland. Das geht aus E-Mails auf den Laptops des getöteten Farc-Kommandeurs Raúl Reyes hervor, die von der kolumbianischen Staatsanwaltschaft sichergestellt wurden - Reyes kam im März bei einem Luftangriff auf sein Lager in Ecuador um. Im Januar 2005 hatte der Chef-Guerillero demnach seinen Sohn Ariel Robespierre Devia (Deckname »Roberto") in geheimer Mission nach Berlin geschickt. Er sollte die Propagandaarbeit der Farc in Deutschland ankurbeln und die Beziehungen zu den Linken wiederbeleben, die weitgehend ruhten - vor allem wegen »der neuen Anti-Terror-Gesetze«, wie »Roberto« in seinem Reisebericht an Reyes schrieb. Er traf sich mit PDS-Politiker Wolfgang Gehrcke und Vertretern der DKP. Gehrcke habe ihm vorgeschlagen, dass die PDS sich im Europaparlament dafür einsetzen könnte, die Farc von der Liste der terroristischen Organisationen zu streichen. »Es war ein sehr positives Treffen«, so »Roberto«. »Wir konnten einige Punkte konkretisieren, um die Solidarität mit dem Kampf des kolumbianischen Volkes zu reaktivieren.« Die linke Tageszeitung »Junge Welt« habe sich bereit erklärt, eine deutschsprachige Ausgabe der Farc-Zeitschrift »Resistencia« (Widerstand) zu betreuen. Außerdem habe sich die PDS-Lateinamerika-Arbeitsgruppe verpflichtet, eine Solidaritätskampagne für Farc-Kommandeur Simón Trinidad anzuschieben, den Kolumbiens Regierung wegen Drogenhandels in die USA ausgeliefert hatte. Die Farc hatte in den neunziger Jahren mehrere Kader nach Deutschland geschickt, die zumeist als Asylbewerber eingereist waren. Einer der Guerilleros mit Decknamen »Rodrigo« hatte die Reise des Reyes-Sohns vorbereitet. Die »Freundesgruppe« der Farc in Berlin bereitete unter anderem Protestaktionen gegen den Staatsbesuch des kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe in Berlin vor. Die Beziehungen zur Farc hat Gehrcke, heute Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags, nie bestritten. Solange die Farc nicht als Terrororganisation eingestuft gewesen sei, habe er auch Kontakt zum Europabeauftragten der Guerilla-Organisation mit Sitz in Schweden gehalten, so der Politiker. Im Juni 2007 hatte seine Partei Die Linke im Bundestag einen Antrag zur Streichung der Farc von der Terrorliste der EU gestellt.

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