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Autobahnen »Solide bauen«

aus DER SPIEGEL 22/1996

SPIEGEL: Zu Pfingsten quälen sich unzählige Autofahrer an Baustellen vorbei, auf denen sich keine Hand rührt. Warum wird an Deutschlands Autobahnen eigentlich selten rund um die Uhr gearbeitet?

Wissmann: Weil es für Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit bei uns arbeits- und tarifrechtliche Beschränkungen gibt. Die entsprechenden Zuschläge würden zu derart hohen Mehrkosten führen, daß wir die Autobahnen in ihrer Substanz nicht erhalten könnten. Gegen zuviel Nachtarbeit sprechen außerdem erhöhte Unfallgefahr und Qualitätseinbußen durch fehlendes Tageslicht.

SPIEGEL: In Holland beispielsweise werden zumindest die Fahrbahndecken nachts erneuert. Geht das nicht auch hierzulande?

Wissmann: Das geschieht, wo immer es vertretbar oder durch die Verkehrslage geboten ist. Auf der A 61 zwischen dem Kreuz Meckenheim und Bingen etwa wurden in den letzten Wochen nachts und am Wochenende Teile der Fahrbahndecke erneuert. Die großen Baustellen eignen sich allerdings nicht für ununterbrochenen Betrieb. Deckschichten müssen abkühlen, Beton muß erhärten und vieles mehr. Nur in Ausnahmefällen kann dort die Bauzeit durch Nachtarbeit verkürzt werden.

SPIEGEL: Kann es sein, daß die Autobahnen zu aufwendig gebaut werden?

Wissmann: Sicher nicht. Unsere Autobahnen sind keine Luxusmeilen. Mit unserem Baustandard werden Fahrbahnschäden so gering wie möglich gehalten, damit nicht nach kurzer Zeit neue Baustellen notwendig werden. Deutschland mit seiner ohnehin hohen Verkehrsdichte ist nach dem Fall der Mauer zum größten Transitland Europas geworden, vor allem für Lastwagen. Deshalb müssen wir die Fahrbahndecken der Autobahnen auch künftig mindestens so solide bauen wie bisher.

SPIEGEL: Mag sein, daß nächtlicher Baustellenverkehr die Unfallgefahr erhöht. Aber ist die Gefahr durch plötzliche Staus nicht viel größer?

Wissmann: Grundsätzlich besteht nachts die höhere Unfallgefahr, vor allem für das Baustellenpersonal. Die beste Beleuchtung kann Tageslicht nicht ersetzen. Tagesbaustellen sind in der Regel so eingerichtet, daß die Zweispurigkeit erhalten bleibt und der Verkehr fließen kann, wenn auch langsamer. Unfälle passieren meist an den Übergängen zur Baustelle. Leider kommt es zu oft vor, daß Fahrer rücksichtslos auf Baustellenabschnitte zurasen.

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