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Briefe

SONDERPREIS
aus DER SPIEGEL 44/1970

SONDERPREIS

(Nr. 41/1970, Otto Köhler Ober die »Neue Zürcher Zeitung")

Der Lokalteil und die Südamerika-Berichterstattung scheinen es Ihnen, sehr geehrter Herr Köhler, besonders angetan zu haben. Ihr Schock muß gewaltig gewesen sein, als Sie feststellten, daß sich die Berichterstattung der NZZ einmal nicht mit Ihrer persönlichen Meinung deckte. Nun, wenn die paar aufgeführten Beispiele alles darstellen, was Sie aufgrund Ihrer zweiteiles tiefschürfenden und monatelangen Recherchen angeblich Nachteiliges über die NZZ finden konnten, dann darf Ihre Kritik wohl eher als ein Lob aufgefaßt werden. Für die unfreiwillige Werbung zugunsten der NZZ verdienen Sie fürwahr einen Sonderpreis.

Binningen (Schweiz) PIERRE C. PFENNINGER

Der Verfasser des Artikels »Von Katzen und Menschen« sollte das Angebot der Neuen Zürcher Zeitung annehmen und sich Probenummern dieses ausgezeichneten Blattes zu Gemüte führen, damit er ein qualifiziertes Urteil abgeben kann.

Mainz KARL BREITENBACH

Wir Schweizer haben eine 700jährige demokratische Tradition. Sie Deutsche eine 2Ojährige, denn die letzten fünf Jahre sind schon wieder von Ihren Linksfaschisten und Neonazis erschüttert. Von Ihren Vätern lernten Sie wahrscheinlich, daß es nichts ausmacht, wenn man unschuldige Menschen als Geiseln entführt. Für uns Schweizer und für unsere NZZ bleiben sowohl die Tupamaros als auch andere »Freiheitskämpfer« dieser Art Terroristen, solange sie Geiseln entführen und ermorden. Und Sie, meine Herren vom SPIEGEL, bitte ich, zur Kenntnis zu nehmen, daß Sie uns noch viel zu unmaßgebend sind, um uns Lektionen in Demokratie zu erteilen.

Ischia (Italien) ANNA UYFELER

Anscheinend ist sich Herr Otto Köhler nicht über die Seriosität der NZZ bewußt, denn ich konnte in dieser Beziehung noch keine Mängel feststellen. Zur Ehrenrettung der NZZ sei gesagt, daß sie in der BRD noch immer ihresgleichen sucht und auch der SPIEGEL keine Konkurrenz bietet. Wenn Herr Köhler einen Artikel herausgreift, der ihm suspekt erscheint, so sollte er seine Fahndungen auch auf den SPIEGEL ausdehnen Das Niveau, das die NZZ ihren Lesern bieten kann, ist bis heute unübertroffen im deutschsprachigen Raum. Hoffentlich erstickt Herr Köhler nicht in seinem aufgewirbelten Staub, bevor er in einer gegen die »Bild-Zeitung« gerichteten Kampagne eingesetzt werden kann ...

Münster VOLKER BETTIN

Die Schweiz hat eine Zeitung, welche Deutschland noch fehlt: die Mischung aus FAZ und »Bild«. Stellt eine Zeitung den Tierschutz vor den Menschenschutz, so liegt der Vergleich nahe, daß sie die südamerikanischen Machthaber als Tiere und die unterdrückte Bevölkerung als Menschen ansieht.

Bern DETLEF HEIBEL

Ich habe nicht die Absicht, für die NZZ eine Lanze zu brechen, denn das haben weder diese internationale Tageszeitung noch ich nötig. Und zweitens, um etwaige vorhandene Illusionen restlos zu beseitigen, hin ich keine armbrustschwingende Schweizer Patriotin, sondern Deutsche ... Wie Leute Ihres Schlages sich aber erfrechen können. über eine Tageszeitung herzuziehen, deren vornehmstes Ziel es ist, zu Informieren, nicht aber den Geist des Lesers zu deformieren, wird mir ewig schleierhaft bleiben.

Zürich ANITA HÖLTSCHI-WÜSTE

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