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SOCIETY Sonne und Mond

Kein anderer deutscher Star vermarktet sich so konsequent wie Veronica Ferres. Neuer Höhepunkt der PR-Kunst: die Trennung von ihrem Ehemann.
aus DER SPIEGEL 49/2008

Über Monate hatten sie sich erbittert gestritten, meistens in der Öffentlichkeit. Von Verrat war die Rede, von Illoyalität und davon, dass er für Geld alles tue. Am Dienstag vergangener Woche folgte der Eklat, der endgültige Bruch: Die beleidigte Diva der Sozialdemokratie, Wolfgang Clement, gab per Fax ihren Austritt aus der SPD bekannt, nach 38 Jahren.

Es war nicht die einzige Promi-Trennung an diesem Tag und, gemessen am geheuchelten Mitgefühl in den Medien, auch nicht die wichtigste. »Veronica Ferres: Traum-Ehe kaputt« titelte die »Bild«-Zeitung, also »die traurigste Überraschung des Jahres«. Wirklich?

Veronica Ferres, 43, allgegenwärtige Darstellerin ihrer selbst, und Martin Krug, 51, im Hauptberuf seit 2001 Ferres' Ehemann und oberster PR-Stratege, drückten es in einer gemeinsamen Erklärung via »Bild« so aus: »Nach langen Überlegungen, nach vielen Gesprächen und auch nach vielen Stunden gemeinsamen Schweigens sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir ein Paar, aber kein Ehepaar mehr sind.« Ein Satz wie aus dem Drehbuch eines jener tränenreichen TV-Melodramen, welche die Schauspielerin in den vergangenen Jahren zuhauf gedreht hat.

»Trotz aller ehrlichen Bemühungen hat unsere Ehe keine Zukunft mehr«, legte Ferres nach, um das hässliche Wort Scheidung zu vermeiden. Die Poeten in manchen Redaktionen liefen prompt zur Höchstform auf: »Der Herbst, in dem die Liebe starb«, dichtete das Berliner Boulevardblatt »B. Z.« in einem Ehe-Nekrolog, »Bussi, Bussi, Schlussi«, kommentierte die »Süddeutsche Zeitung«.

Dabei galt die Verbindung Ferres/Krug in der Branche als vorbildlich, vor allem in geschäftlicher Hinsicht: Keine andere deutsche Schauspielerin wird so erfolgreich vermarktet wie die propere Blondine - ein Gesamtkunstwerk der Windmacherei. Ferres hat allein seit 2001 mehr als 20 Filme gedreht; sie vermietet ihr Gesicht etwa für Hautcreme des Waschmittelkonzerns Henkel oder für die Billigmodefirma Adler; sie ist Stammgast in diversen Talkshows; sie verfügt über eine stattliche Trophäensammlung vom Bambi bis zum Bayerischen Verdienstorden. Und auch ihr Privatleben zelebrierte sie bislang ausgiebig in der Öffentlichkeit, allen Beteuerungen zum Trotz ("Ich bin ja von Beruf nicht Veronica Ferres, sondern Schauspielerin") auch gern mit intimen Details.

In Interviews betrauerte Ferres etwa den Tod ihrer Mutter oder schwärmte vom Liebesurlaub mit Krug: »Auf Mallorca besorgten wir uns in einer Dorfapotheke einen Schwangerschaftstest.« Noch Mitte Oktober berichtete das Ferres-Zentralorgan »Bunte« von »einem Familienausflug aufs oberbayerische Land. Mit Tochter Lilly und Ehemann Martin Krug war sie auf einem Bauernhof und suchte Eier im Heu«.

Entsprechend geschockt beklagt »Bunte«-Chefredakteurin Patricia Riekel nun

»das Ende eines Traums": »Im Fall Veronica Ferres hat ihr Mann Martin sein Leben um das ihre herum aufgebaut: sie die Sonne, er der Mond.«

Die Liebeslyrik aus dem Hause Krug klingt dagegen deutlich nüchterner: »Bedingt durch das breitgefächerte, gut verknüpfte Netzwerk ergeben sich feste Möglichkeiten, ein vielseitiges Spektrum an Synergien zu verknüpfen, um eigene Plattformen neu zu definieren und crossmediale Strukturen zu nutzen.« So jedenfalls wirbt Krugs PR-Agentur Mediapool für ihre Dienste. Prominenteste Klientin, bislang und angeblich auch in Zukunft: Veronica Ferres.

Krug und Ferres gründeten zudem 2002 eine eigene Produktionsfirma namens Bella Vita Film. Und auch der umstrittene Kinderschutzverein Power-Child ist eine Erfindung des Noch-Paares: Gründer und Vereinsvorsitzender ist Krug, Ferres fungiert als Schirmherrin. Krug will sich demnächst offenbar in den Beirat zurückziehen.

Ferres, so viel scheint sicher, bleibt auch nach der Trennung gut im Geschäft - so wie sie bereits vor neun Jahren nach dem Ende ihrer Beziehung zu Regisseur Helmut Dietl bewiesen hatte, dass im Showgeschäft Ehrgeiz und Disziplin oft wichtiger sind als schauspielerische Finessen.

Durchhalten lautet auch jetzt die Devise. Derzeit dreht Ferres, weit weg von deutschen Paparazzi, in Südafrika einen Fernsehfilm, Arbeitstitel »Geheimnis der Wale«. Sie kämpft darin, sehr verdienstvoll, gegen die »Verlärmung der Ozeane«, teilt die verantwortliche Produktionsfirma Teamworx mit.

Teamworx-Chef Nico Hofmann fürchtet derweil, die aktuelle Aufregung um die Trennung könne von einem anderen Projekt ablenken: »Die Patin«, ein ebenfalls von seiner Firma produzierter Krimi-Dreiteiler mit Ferres in der Hauptrolle - RTLs teuerster Film des Jahres, Sendetermin Mitte Dezember. »Zyniker, die ich ablehne, werden behaupten: Die derzeitige Aufregung um Veronica kommt zwei Wochen zu früh«, sagt Hofmann. »Mir wäre es lieber, der Film würde für sich allein stehen, die Qualität dazu hat er.«

Ferres spielt in »Die Patin« eine Hausfrau und Mutter, die auf die harte Tour lernen muss, dass ihr Mann in dunkle Machenschaften verstrickt ist. »Ein Leben definiert sich komplett um«, so Hofmann.

Parallelen zum wahren Leben sind natürlich völlig abwegig. MARTIN WOLF

* Vor der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises am 11.Oktober in Köln.

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