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Privilegien Sozialwohnung für Staatssekretär

aus DER SPIEGEL 29/1994

Hart am Rand der Legalität hat die Deutsche Bundespost die Wohnungsprobleme des Staatssekretärs im Bundespostministerium, Gerhard O. Pfeffermann, gelöst. Weil der Christdemokrat am 1. September 1993 nach 21 Parlamentsjahren zum Spitzenbeamten avancierte (Gehalt: etwa 18 000 Mark monatlich), sollte er zu Anfang dieses Jahres die Bundeswohnung räumen, die dem Abgeordneten aus Darmstadt für seine Bonner Arbeitstage zur Verfügung stand. Die mühsame Suche nach einer neuen Wohnung blieb Pfeffermann erspart. Trotz langer Wartelisten für posteigene Sozialwohnungen in Bonn fand sich eine 52-Quadratmeter-Bleibe, »die der Postdienst selber nicht belegen konnte«, so Ministeriumssprecher Christian Hoppe. Aus einem Mietblock mit 16 Parteien im Stadtteil Beuel konnte deshalb diese Wohnung »von der Sozialbindung freigestellt« werden (Hoppe). Nach einer gründlichen Renovierung übernahm Pfeffermann die Wohnung für 13 Mark pro Quadratmeter. Andere Hausbewohner hatten jahrelang vergebens darum gebeten, ihre Räume zu renovieren und Wasserschäden im Keller zu beseitigen. Als nun eine Handwerkerkolonne anrückte, um eine einzige Wohnung aufs feinste herzurichten, wunderten sich die anderen Hausbewohner. Jetzt kennen sie den Grund: Die Post sorgt für Pfeffermann.

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