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VANUATU Später Lohn für Sklavenarbeit

aus DER SPIEGEL 18/2004

Für Leid und Elend während der Sklaverei will die Regierung des pazifischen Inselstaats Vanuatu östlich von Australien Entschädigungsansprüche gegenüber den früheren Kolonialmächten Großbritannien und Frankreich geltend machen. Das kündigte Außenminister Moana Carcasses an. Rund tausend Familien und Nachkommen früherer Sklavenarbeiter seien notfalls bereit, gegen die Regierungen in Paris und London zu klagen. Die Zahl könnte sich noch deutlich erhöhen. Ende des 19. Jahrhunderts waren nach Schätzungen von Historikern über 30 000 Menschen von der heute 82 Eilande zählenden Inselgruppe zur Arbeit vor allem auf Zuckerrohrplantagen in den Kolonien Queensland und Fidschi oder in Nickelminen Neukaledoniens gebracht worden. Tausende von ihnen wurden von europäischen Menschenhändlern in britischem oder französischem Auftrag verschleppt oder durch Tricks außer Landes gelockt. Rechtsexperten schätzen die Chancen auf Schadensersatz allerdings gering ein, weil der Vorwurf der Sklaverei heute außergewöhnlich schwer zu belegen sei. »Es gab Gewalt und Betrug, es passierten grausame Dinge«, sagt Wissenschaftler Clive Moore von der Universität von Queensland, »aber es wäre eine Beleidigung der Intelligenz der Inselbewohner zu glauben, alle wären gegen ihren Willen als billige Arbeitskräfte entführt worden.« Die australische Regierung als Rechtsnachfolgerin von Queensland hat entsprechende Entschädigungsansprüche auch bereits abgelehnt. Deshalb dämpft Außenminister Carcasses allzu große Hoffnungen.

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