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SPECTRUM Alexander der Große - ein Säufer?

aus DER SPIEGEL 40/1980

Den meisten Historikern galt Alexander der Große bislang als rastloser Eroberer und genialer Feldherr. Zur Empörung vieler Alexander-Bewunderer behauptet nun der New Yorker Geschichtswissenschaftler John O'Brien, der Makedonenkönig sei in Wirklichkeit ein hemmungsloser Säufer gewesen -- eine plausible Erklärung für die innere Unruhe und das zügellose Temperament des Feldherrn. Vornehmlich in den letzten sieben Jahren seines Lebens hätten sich bei Alexander »die klassischen Symptome eines akuten Alkoholismus gezeigt« -- Aggressivität gegen Freunde, krankhaftes Mißtrauen und Empfindlichkeit gegen Kritik. Häufig beging der König exzessive Suff-Handlungen, die ihn hinterher -- typisch für Alkoholkranke -- bitter reuten: Nachdem er etwa an der Spitze einer betrunkenen Soldateska die eroberte Perser-Hauptstadt Persepolis angesteckt hatte (330 vor Christus), bekam er angeblich einen Weinkrampf; und als er seinen Freund Kleitos im Alkoholstreit erstochen hatte, wollte er sich hinterher gleich selbst umbringen. Auch des Feldherrn vielgerühmter Wagemut in der Schlacht sei, meint O'Brien, weniger auf Tapferkeit als auf Trunksucht zurückzuführen: »Seine Handlungen erinnern an die für Alkoholiker typische Todessehnsucht.« Das Zechen lernte Alexander schon früh: Sein Vater Philipp galt als gewaltiger Trinker, seine Mutter Olympias war Anhängerin des Dionysoskultes -einer Ritengemeinschaft, die wüste Sauforgien feierte.

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