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STASI-AKTEN Spektakulärer Fund

aus DER SPIEGEL 50/1999

Die Berliner Gauck-Behörde hat einen spektakulären Fund in ihren Archiven gemacht: Einem Elektronikspezialisten ist es gelungen, eine weitere Datenbank der DDR-Spionageabteilung Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) auf den »Sira«-Bändern zu decodieren, die im Januar 1999 in der Behörde bereits zum Teil geknackt worden waren. Das jetzt lesbar gemachte Band enthält die vollständige so genannte Vorgangskartei F-22 der HVA. Deren 63 035 Datensätze geben die Decknamen aller jemals von der HVA eingesetzten Agenten preis (rund 47 000 seit 1950) und verraten, wie lange diese für die DDR spionierten. Nach einer ersten Überprüfung der Stasi-Akten-Verwalter waren Ende 1989 noch rund 15 000 der Agenten aktiv; Sicherheitsexperten schätzen, dass bis heute nur rund ein Drittel enttarnt ist. In dem Speicher befindet sich auch eine vollständige Liste der »Objektvorgänge« - sie enthält Ministerien, Firmen, Parteien und Vereine, die systematisch ausgespäht wurden. In der vergangenen Woche informierte die Gauck-Behörde das Innenministerium und das Kanzleramt über den Fund. Die F-22-Datei gehört zu den Unterlagen, die der amerikanische Geheimdienst CIA ab dem kommenden Frühjahr an die Bundesregierung zurückgeben will (SPIEGEL 42/1999) - in Kopie und nur teilweise. Das in Berlin decodierte Band ist zudem umfangreicher: Während der amerikanische Bestand bereits 1988 endet, reicht diese Datei bis Dezember 1989.

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