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Hausmitteilung SPIEGEL-Affäre / Titel / James Bond

aus DER SPIEGEL 40/2012
Schmidt, Mascolo

Schmidt, Mascolo

Foto: GREGOR SCHLÄGER / DER SPIEGEL

Kein Jubel, kein Pomp, kein Schulterklopfen. Der SPIEGEL wollte mit sich selbst nicht anders umgehen als mit den Menschen und den Ereignissen, über die er berichtet: akribisch bei den Fakten, kritisch im Urteil. Die Redaktion lud zum 50. Jahrestag der SPIEGEL-Affäre nicht zu einem Festakt, um sich und den Sieg der Pressefreiheit zu feiern. Fünf Jahrzehnte nachdem Gründer Rudolf Augstein wegen angeblichen Landesverrats in Haft gekommen war und Polizisten die Redaktion besetzt hatten, veranstaltete der SPIEGEL eine Konferenz und bat Historiker und Zeitzeugen um deren Analyse, deren Meinung und deren Erinnerung: Was genau geschah im Herbst 1962? Welche Bedeutung hatte die Affäre damals, welche hat sie noch? »Der SPIEGEL tritt hier in doppelter Rolle auf, einmal als Veranstalter der Konferenz, aber auch als Objekt« derselben, sagte Chefredakteur Georg Mascolo zur Begrüßung. »An den Diskussionen werden wir uns zwar beteiligen, aber wir wollen auch zuhören und lernen.«

Wehler

Wehler

Foto: GREGOR SCHLÄGER / DER SPIEGEL

Ehmke, Genscher

Ehmke, Genscher

Foto: GREGOR SCHLÄGER / DER SPIEGEL

An zwei Tagen folgten rund 500 Gäste den Vorträgen und Diskussionen im Foyer des SPIEGEL-Gebäudes in Hamburg, an den Wänden dokumentierten Fotos die damaligen Vorgänge. »SPIEGEL tot - die Freiheit tot«, so hatten es Demonstranten auf ein Plakat geschrieben. Und einer der bekanntesten deutschen Historiker, Hans-Ulrich Wehler, maß in seinem Eröffnungsvortrag der Affäre keine geringere Bedeutung bei: Sie habe »einem machtvollen säkularen Trend zum Sieg verholfen«, dem »Rückgriff auf autoritäre, obrigkeitsstaatliche Elemente haftete fortab ein Makel« an. Dass sich eine kritische Öffentlichkeit entwickelt habe und die Medien zur vierten Staatsgewalt geworden seien, verdanken »wir dem Kampf des SPIEGEL um die Meinungsfreiheit«, sagte Wehler. Wie wichtig die Ereignisse für die noch recht junge Bundesrepublik waren, ist unter Historikern umstritten. Manche Redner klangen zurückhaltend, etwa Thomas Schlemmer vom Münchner Institut für Zeitgeschichte. Der SPIEGEL möge sich und die Affäre nicht überschätzen, mahnte er und spottete: »Warum wollte Willy Brandt 1969 ,mehr Demokratie wagen', wenn der SPIEGEL 1962 schon alles für ihn erledigt hatte?« Hauke Janssen, Chef der SPIEGEL-Dokumentation und Organisator der Konferenz, bilanzierte: Die Affäre sei kein Wendepunkt der deutschen Geschichte gewesen, aber das »große symbolträchtige Einzelereignis, an dem sich diese Entwicklung kristallisieren sollte«.

Frei, Hachmeister

Frei, Hachmeister

Foto: GREGOR SCHLÄGER/DER SPIEGEL

Hohlmeier, Augstein, Doerry

Hohlmeier, Augstein, Doerry

Foto: GREGOR SCHLÄGER / DER SPIEGEL

Auf der Konferenz stellte sich der SPIEGEL auch der eigenen Geschichte: der Tatsache, dass ehemalige SS-Offiziere der Redaktion angehörten. Wurden sie von Augstein eingestellt, gerade weil sie in der SS gewesen waren und ihre Kenntnisse des NS-Apparats in die Redaktionsarbeit einbringen konnten, wie der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister argumentierte? Und trugen sie dazu bei, dass Artikel in den fünfziger Jahren antisemitische Klischees enthielten und einen Landser-Ton hatten, wie es der Historiker Norbert Frei dem Magazin attestierte? Die Redaktion war nach der Gründung des Magazins 1947 offensichtlich nicht in allen Belangen besser als der Rest der Republik. Aber schon in den fünfziger Jahren begann der Wandel, konzedierte Frei; »anders ließe sich auch nicht erklären, dass so viele aufgeklärte Zeitgenossen 1962 für den SPIEGEL Partei ergriffen«, sagt Klaus Wiegrefe, Redakteur für zeitgeschichtliche Themen. Von den Ereignissen in jenem Herbst erzählten auf der Konferenz mehrere Männer, die dabei waren, etwa die späteren Minister Hans-Dietrich Genscher, damals FDP-Bundesgeschäftsführer, und Horst Ehmke, damals als Anwalt für den SPIEGEL tätig. Altkanzler Helmut Schmidt, einst Hamburger Innensenator, kündigte an: »Wenn es noch mal passiert und wenn ich dann noch unter den Lebendigen weile, gehe ich auch auf die Barrikaden.« Und es diskutierten zwei Töchter: Franziska Augstein und Monika Hohlmeier, jüngstes Kind von Franz Josef Strauß. In dem Gespräch, moderiert vom stellvertretenden Chefredakteur Martin Doerry, pochte Hohlmeier darauf, dass ihr Vater viel freiheitlicher gedacht habe, als der SPIEGEL es jemals dargestellt habe. Franziska Augstein mochte nicht alle Schärfe in den Artikeln rechtfertigen; nichtsdestoweniger bleibe festzuhalten, dass Strauß den Rechtsstaat »ein bisschen wenig geachtet« habe.

SPIEGEL-Beilage

SPIEGEL-Beilage

SPIEGEL-Gebäude in Hamburg

SPIEGEL-Gebäude in Hamburg

Foto: THOMAS RAUPACH

Der SPIEGEL wird die Konferenz dokumentieren, in einem Tagungsband, der im Frühjahr erscheinen soll. Der Anlass für den Kampf zwischen Strauß und Augstein, Staatsmacht und SPIEGEL, Obrigkeit und Freiheit - der ist schon in dieser Ausgabe nachzulesen. Eine Beilage enthält die damalige Titelgeschichte »Bedingt abwehrbereit« und weitere Texte aus den Jahren 1962 und 1963 als Faksimile.

Was treibt den Menschen dazu, seine Grenzen zu überschreiten? Warum rennen Ärzte Hunderte Kilometer durch die Wüste, warum schwimmen Lehrer mit Haien, warum springen Manager mit Skiern aus einem Helikopter? SPIEGEL-Redakteur Maik Großekathöfer hat sie gefragt, für die Titelgeschichte. »Die Suche nach der Grenzerfahrung kann süchtig machen«, sagt er. Ohnehin ist der Extremsport nur ein Beispiel. Immer mehr Menschen wollen ausbrechen aus dem ritualisierten Alltag mit Job, Familie und dem abendlichen TV-Programm. Die Sehnsucht nach dem Extremerlebnis ist nirgendwo so deutlich zu beobachten wie am Mount Everest. An einem Wochenende im vergangenen Mai wollten über 300 Bergsteiger auf den Gipfel, 6 von ihnen starben. SPIEGEL-Redakteur Lukas Eberle ist nach Katmandu geflogen, um das Drama zu rekonstruieren. »Viele dieser Menschen haben mehr Angst, ein langweiliges Leben zu führen, als ihr Leben zu verlieren«, sagt er (zum Artikel ).

Auf die Frage, wo Bond zu Hause sei, antwortete Roger Moore, 84, stets lakonisch: »Im Bett mit einer Blondine!« Als SPIEGEL-Redakteur Lars-Olav Beier den Schauspieler zum 50. Jahrestag des ersten »James Bond«-Films interviewte, erfüllte er sich einen Jugendtraum: 1977 war Beier durch Moores Bond-Darstellung in »Der Spion, der mich liebte« zum Kino-Fan geworden. Nun wollte er wissen, was die Popularität dieser Figur ausmacht. Er sprach mit Moore über Bonds Abneigung zu töten, besuchte den Ausstatter Ken Adam, 91, der Bonds Aston Martin getunt hatte, und traf sich mit dem aktuellen Bond-Darsteller Daniel Craig, der mit dem neuen 007-Film »Skyfall« am 1. November in die deutschen Kinos kommt. »Bond verfügt über eine Fähigkeit, die wir alle gern hätten«, erzählte ihm Moore. »Er bedauert nichts, er hadert nicht mit sich. Er schaut einfach nur nach vorn« (zum Artikel ).

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