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Hausmitteilung SPIEGEL, DDR

aus DER SPIEGEL 39/1983

Datum: 26. Sept. 1983 Betr.: SPIEGEL, DDR »Was werden Sie denn schreiben über uns?« fragten die Arbeiter einer Taktstraße auf der Großbaustelle Fritz-Heckert-Siedlung bei Karl-Marx-Stadt den SPIEGEL-Redakteur Karl-Heinz Krüger.

Für einen Report über Städtebau und Architektur der DDR hatte Krüger beim Ost-Berliner Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten die Akkreditierung als Reisekorrespondent beantragt und erhalten; das Ost-Berliner Internationale Pressezentrum ("Dienstleistungsamt für Ausländische Vertretungen") betreute ihn während seiner zweiwöchigen Informationsreise zwischen Ostsee und Erzgebirge.

Die gewünschten Gesprächstermine und alle erbetenen Besichtigungen wurden ermöglicht; die Genossen Chefarchitekten, darunter der Ost-Berliner Roland Korn, standen Rede und Antwort, kein Bauzaun blieb dicht. Dem SPIEGEL öffneten sich noch dort Türen, wo sie zur Zeit sogar DDR-Reportern verschlossen sind - so zu den Rekonstruktionsarbeiten an der Semperoper in Dresden.

Das Resultat von Krügers Recherchen ist zu lesen im SPIEGEL-Report auf Seite 254 ("Wir hatten nie Probleme durch Überfluß"). Auch Dieter Nogatzky, 42, Hafenarbeiter beim VEB Fischfang in Rostock - und Obmann einer Hausgenossenschaft, die ihren Vorgarten schmuck in Schuß hat -, würde da gern einen Blick hineinwerfen. »Kriegt man denn«, fragte er Krüger, »zu sehen, was du Schreiberling verzapft hast?«

Nogatzkys Chancen sind schlecht. Der SPIEGEL steht nicht auf der DDR-Postzeitungsliste, darf also in der DDR nicht bezogen werden. Weniger als 300 SPIEGEL-Exemplare wöchentlich erreichen, über eine West-Berliner Abo-Firma, die DDR. Nur drei DDR-Bezieher werden aus der Hamburger SPIEGEL-Zentrale direkt beliefert, darunter die Deutsche Bücherei in Leipzig, die - wie von jedem anderen westdeutschen Druckerzeugnis - vom SPIEGEL jede Woche ein »Pflichtstück« erhält.

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