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Hausmitteilung SPIEGEL-Gespräch / Karatschi / Andenpakt

aus DER SPIEGEL 47/2010
Suu Kyi, Thielke in Rangun

Suu Kyi, Thielke in Rangun

Foto: PANOS PICTURES / Der Spiegel

Fünf Tage wartete SPIEGEL-Korrespondent Thilo Thielke, 42, auf ein Zeichen der burmesischen Regimegegnerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, 65 - in der Hoffnung auf ein Interview. Über sieben Jahre hatte die Oppositionspolitikerin unter Hausarrest gestanden, bis dieser vorige Woche aufgehoben wurde. Thielke harrte vor Suu Kyis Villa aus und verfolgte ihre erste Rede vor der Parteizentrale der Nationalen Liga für Demokratie. Während der Recherche musste der SPIEGEL-Mann seinerseits Regimespitzel abschütteln, die ihn bis vor die Tür seines Hotelzimmers verfolgten. Schließlich klappte es mit dem Interview. »In diesem Land kann man ohne Grund jederzeit verhaftet werden«, sagte Suu Kyi, auch ihre eigene Freiheit könne jäh wieder enden. »Ich werde den politischen Kampf fortführen«, versprach sie, »denn in diesem Land muss sich endlich etwas ändern« (Seite 114).

Karatschi ist eine der faszinierendsten Städte der Welt, ihr Hafen das Nadelöhr für den militärischen Nachschub des Nato-Einsatzes in Afghanistan. Inzwischen gilt die pakistanische Mega-City mit ihren 18 Millionen Einwohnern jedoch als Metropole des Schreckens. Extremisten infiltrieren ganze Viertel, Entführungen gehören ebenso zum Alltag wie Morde und Bombenanschläge. Als SPIEGEL-Reporterin Susanne Koelbl, 45, für ihr Porträt in die Stadt eintauchte, geriet sie in eine Welt zwischen Glitzer und Gangstern. Dieselben Politiker, die sich auf der Straße mit Killerkommandos bekämpfen, stehen auf Botschaftsempfängen lächelnd nebeneinander. Koelbl traf islamistische Terrornetzwerker, die den Dschihad organisieren, fand aber auch ein paar Mutige, die sich der Verrohung Karatschis entgegenstemmen. Den Fahnder Omar Shahid etwa, der gerade einen Anschlag auf sein Büro überlebt hatte. »Es gibt noch ein paar Helden in dieser schrecklich-schönen Stadt«, sagt Koelbl, »aber viel zu wenige« (Seite 124).

Es war der SPIEGEL, der im Sommer 2003 das Geheimnis des Andenpakts lüftete, eines Geheimbundes, dem führende CDU-Politiker wie Roland Koch, Christian Wulff oder Friedrich Merz angehörten. Heute, 31 Jahre nach der Gründung des Pakts während einer Lateinamerika-Reise, haben die Männer aus dem Westen ihren Kampf gegen die Ostdeutsche Angela Merkel um die Macht in Land und Partei endgültig verloren. SPIEGEL-Reporter Markus Feldenkirchen, 35, zeichnet die Stationen dieses einmaligen Duells nach. Für seine Recherche sprach er mit fast allen Mitgliedern des geheimnisumrankten Kreises. Fast immer erhielt er den Hinweis: »Dieses Gespräch hat offiziell nicht stattgefunden.« Formal hielten sich die Herren damit an die interne Abmachung, nicht über den Andenpakt zu plaudern. »Es ist bemerkenswert, dass dieser Kreis drei Jahrzehnte gehalten hat, obwohl es immer heißt, Freundschaften seien in der Politik nicht möglich«, sagt Feldenkirchen. »Die Niederlage gegen Merkel haben die meisten Paktbrüder aber bis heute nicht verwunden« (Seite 40).

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