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Briefe

SPIEGEL-Leser über Konrad Adenauer
aus DER SPIEGEL 41/1963

SPIEGEL-Leser über Konrad Adenauer

1948

Ihr Artikel über mich in der Nr. 42/ 1948 des SPIEGEL ist mir von befreundeter Seite gezeigt worden. Natürlich kann ich selbst nicht dazu Stellung nehmen, ob er gut gelungen ist, dazu fehlt mir der Abstand. Nur eine Tatsache möchte ich berichtigen: Es stimmt nicht, daß ich als Kölner Oberbürgermeister mehr verdient habe als der Reichspräsident von Hindenburg.

Rhöndorf KONRAD ADENAUER

1949

Wer dieses Mannes Schwäche für die Franzosen kennt, weiß schon heute, wohin dieses aus elf Bundesländern zusammengeflickte Staatsschiff steuern wird: In zwanzig Jahren wird diese Republik ein Satellit unseres westlichen Nachbarn sein, so wie die russisch besetzte Zone bereits jetzt ein Anhängsel des roten Blocks ist.

Husum PETER FRENZEL

1950

Man kann dem SPIEGEL nur immer wieder dankbar sein. Äußerungen soll man bekanntlich nicht ernster nehmen, als das ihr Urheber verdient. Aber diesmal reicht es, bei allem offensichtlich notwendigen Wohlwollen. Wenn die Formulierung Adenauers tatsächlich richtig wiedergegeben ist, dann ist die Charakterisierung des Grafen Schwerin (1950 militärischer Berater des Kanzlers) durch die Worte: »Dat is ja gar kein Soldat, dat is ja ein janz normaler Mensch« eine Aussage non plus ultra. Sachlich wäre anzumerken, daß General Graf Schwerin bei den Angehörigen der

Panzertruppe sowohl als guter Truppenführer und Soldat als auch als ganz normaler Mensch galt. Aber für Adenauer sind diese Begriffe offensichtlich unvereinbar.

Retzbach (Bayern) JOACHIM HOFFMEISTER

1951

Aus der Berufungsverhandlung gegen den früheren Kölner Oberbürgermeister, Herrn Dr. Riesen, damaliger Nachfolger des Herrn Dr. Adenauer, jetzigen Bundeskanzler der Bundesrepublik, ist es interessant zu hören, daß die Stadt Köln unter der Verwaltung des Herrn Dr. Adenauer 550 Millionen Mark Defizit hat. Nicht minder interessant ist, daß Herr Dr. Adenauer damals ein Gehalt von 107 000 Reichsmark bezogen hat, später eine Pension von 45 000 Reichsmark einsteckte, sein Nachfolger Herr Dr. Riesen nur ein Jahresgehalt von 22 000 Reichsmark bezog.

Hückeswagen (Nordrh.-Westf.) H. PATZAK

1952

Sagen Sie doch offen, daß Sie Herrn Adenauer für einen Separatisten halten.

Köln ALEXANDER GROSSE

Es geht Bundeskanzler Adenauer um nichts anderes, als aus Westdeutschland einen katholisch-klerikalen Pufferstaat zu machen und damit um die Liquidierung von Luthers Reformation. Nur unter diesem Gesichtswinkel gesehen, ist alle Politik Adenauers zu verstehen. Heute kann man nicht laut genug rufen: Protestanten, erwacht!

Bremerhaven H. A. V. HASSELN

In keiner Demokratie der Welt hätte sich der Regierungschef das leisten können, was Adenauer uns vorzuspielen wagte.

Hamburg M. MOROLD

1953

Beim Blättern in alten Illustrierten fand ich u.a. die Nr. 7 der »Kölnischen Illustrierten Zeitung« vom 18. Februar 1928. Dort wird unser jetziger Bundeskanzler zusammen mit anderen »großen europäischen Diktatoren« im Bild gezeigt. Ich bewundere die Prophetie des damaligen Schriftleiters.

Frankfurt ERNST BAROWSKI

SPIEGEL-Leser Barowski hätte bei Übersendung der witzigen Bildreihe aus der »Kölnischen Illustrierten Zeitung«, in der Kanzler Dr. h. c. Adenauer unter die großen europäischen Diktatoren eingereiht ist, wohl erwähnen müssen, daß es sich bei dieser Nummer der genannten Zeitung um eine Karnevalsausgabe handelt.

Ich besitze sie zufällig auch noch und fand in derselben Ausgabe unter anderen humoristischen Anspielungen auf die Tätigkeit Adenauers als Oberbürgermeister von Köln auch den folgenden Vers:

Nur nicht boshaft, bitte - bitte,

Alles spucken, bloß kein Jift,

Was defekte Defizitte

In Colonia betrifft;

Unser Ober ist besonnen,

Hat er doch - wo's mal gekracht -

Stets die Redeschlacht gewonnen!

Oberhausen HANS GOLTZER

Gönnen Sie doch dem Bundeskanzler den Wahlsieg, den er unter Einsatz seiner ganzen Kraft erkämpft hat. Ich glaube nicht einmal, daß Adenauer so restlos begeistert darüber ist, daß der Sieg so total wurde, denn dieser umfassende Sieg macht ihn als Verhandlungspartner schwierig, und da der Sieg unter dem Motto »Politik der Stärke« erfochten wurde, kann ihn und seine Partei jetzt ein Nachgeben in lebenswichtigen Fragen des deutschen Volkes die Sympathien der Wähler kosten.

Ennepetal (Nordrh.-Westf.) H. HEIMHARDT

1954

Bei dieser Gelegenheit möchte ich anregen, doch nicht Herrn Adenauers Aussprüche im Original-Dialekt, dem geflissentlich gemütlichen Kölsch, nachzudrucken: Sie fördern damit nur den

beabsichtigten Eindruck arglosen und

weisen Opa-tums, der weiß Gott Herrn Adenauer nicht zukommt, und der, vor allem, über den tragischen Ernst seiner Irrtümer hinwegtäuscht.

Frankfurt HANS KÖNIG

Früher, so hieß es, habe der Bundeskanzler am Wochenbeginn jeweils vor den »Sonntagsreden« seiner Minister gezittert. Neuerdings ist es so, daß die Minister und das deutsche Volk vor den Interviews und sonstigen Erklärungen ihres Kanzlers zittern.

Mehr und mehr macht sich das Fehlen eines Außenministers in der Bundesrepublik bemerkbar. Wie lange will Dr. Adenauer noch alles allein machen?

Berlin THEO WALTHER

Um den Kanzler zu verstehen, muß man seine Hauptidee kennen, die Versöhnung mit dem großen französischen Nachbarn.

Frankfurt D. VON, ARMIN

Ich bin Ihnen für das Adenauer-Porträt, das Sie mit Ihrem Bericht »Londoner Konferenz - Etwas Eis, Gentlemen?« gezeichnet haben, außerordentlich dankbar. Noch nie ist mir der Kanzler so sympathisch erschienen wie in der Geisterstunde des »Claridge's«.

Kassel MADELEINE LÜDERS

... womit wir zu der Frage kommen, warum Sie sich eigentlich für Deutschland und seine Wiedervereinigung soviel Mühe machen. Für wen eigentlich? Wollen die Leute das denn wirklich? Hat der Kanzler nicht im Grunde recht, wenn er die Menschen verachtet, die Saar und die Ostzone aufs Spiel setzt und dafür sorgt, daß jeder sein Huhn im Topf hat?

Hamburg FRITZ BÖHMEL

Warum haben Sie für Bonn, für unseren Bundeskanzler, kein Wort der Anerkennung übrig?

Flockenbach (Bad.-Württ.) THEO SCHMITT

Oberprimaner

... wurde über den greisen Staatsmann Adenauer ein Artikel zum besten gegeben, der einer CDU-Zeitung gut zu Gesicht stehen würde.

Hamburg HORST KRAGE

1955

Ich habe mich geschämt für die Albernheiten (gelinde ausgedrückt), die der Kanzler anläßlich des Malenkow-Sturzes von sich gab.

Berlin GEORG FRIEDRICH

Ja, »der Alte« hat Deutschland stark gemacht. Stärker, als einigen Siegern lieb war.

München K. SCHMID

Unterschätzen Sie Adenauers Positionsstärke nicht: Der Alte gefällt den Frauen - sie werden ihn immer wieder wählen.

Hannover WALTER HENKE

Konrad Adenauer hat bekanntlich Thomas Dehler aus dem Buch meines früheren Mitarbeiters Horst Geyer »Über die Dummheit« mit erhobenem Zeigefinger die Überschrift des Kapitels »Dummes Verhalten infolge zu hoher Intelligenz« vorgelesen. In seinem Buch sagt Geyer auch, wir verfielen schließlich alle seniler Geistesschwächen, soweit wir nicht durch den Tod bewahrt werden würden.

Göttingen PROF. DR. LENZ

Die überspitzte Verherrlichung der etablierten Macht ist bei uns Deutschen schon zu einer Krankheit geworden. Ich glaube, daß es jedem fähigen Kanzler gelungen wäre, infolge der Spannung zwischen Ost und West unsere Wirtschaft mit Hilfe amerikanischer Politik, deutschen Fleißes und Bereitstellung von 500 000 deutschen Soldaten wiederaufzubauen.

Münster JOHANNES FIEBACK

Adenauer ist der personifizierte Untergang des Abendlandes.

Köln ALFRED KÖNIG

Wie gut, wie erfolgreich und lobenswert müssen politisches Können und Lebenshaltung eines Mannes wie Dr. Konrad Adenauer sein, daß sie vermögen, solch animalischen Haß auf sich zu lenken, wie er aus Leserbrief-Veröffentlichungen Ihres Blattes immer wieder auflodert!

Köln CHRISTOPH BRÜCK

In Ihrer Ausgabe vom 3. Oktober 1956 hat mit Professor Eschenburg (Tübingen) ein Jurist zu der angeblichen Beschlagnahme eines Bildes meines Vaters Stellung genommen. Ich habe mich daraufhin mit dem betreffenden Kriminalbeamten in Verbindung gesetzt und dabei erfahren, daß von einer Beschlagnahme nicht die Rede sein kann. Der Beamte hat die Verkäufer lediglich darauf aufmerksam gemacht, daß es bessere und neuere Photos meines Vaters gebe, dabei aber ausdrücklich betont, daß sie natürlich auch die

alten weiter verkaufen könnten. Es würde sich empfehlen, in Zukunft bessere Informationen einzuholen.

Rhöndorf GEORG ADENAUER

Der SPIEGEL hatte berichtet (SPIEGEL 36/1956): »Unschöne Porträts aus den letzten Jahren will Konrad Adenauer aus dem Verkehr ziehen und durch repräsentablere Aufnahmen ersetzen lassen. Die Umtausch-Aktion ... ist zunächst in der engeren Heimat des Regierungschefs anberaumt. Mit ungewohnter Liebenswürdigkeit empfahlen Kriminalbeamte den Souvenirgeschäften ... die beanstandeten Ansichtskarten-Exemplare gegen die gleiche Anzahl von Adenauer-Neuausgaben umzutauschen.« - Zu dieser Meldung hatte Professor Eschenburg Stellung genommen (SPIEGEL 40/1956); weder er noch der SPIEGEL haben behauptet, daß die Bilder beschlagnahmt worden seien. Es würde sich empfehlen, in Zukunft genauer zu lesen.

(Redaktionelle Anmerkung SPIEGEL 41/1956).

Den Wert, den der Herr Bundeskanzler auf einen gesunden Schlaf legt, seine Enthaltsamkeit von Nikotin und anderen Narkotika habe ich immer für den Ausdruck einer sympathischen praktischen Lebensweisheit gehalten, denn nur ein ausgeschlafener Mensch kann klare Gedanken fassen. Wenn er sich aber in jener Nacht (vom 5. auf den 6. November, auf dem Höhepunkt der Suez-Krise), da die mit Atombomben beladenen Superbomber des strategischen Luftkommandos aufstiegen und die amerikanische Flotte auslief, aufs Ohr legte und sich dem Schlaf des Gerechten hingab, dann sieht das beinahe nach einer politischen Instinktlosigkeit gegenüber einer unmittelbar drohenden Gefahr oder dem fatalen Eingeständnis eines alten Mannes aus, einer unvorhergesehenen Situation nicht mehr gewachsen zu sein.

München ERWIN HOLTEN

Auch Hindenburg legte sich in der entscheidenden Nacht von Tannenberg schlafen, denn wie Adenauer Brentano, so hatte er Ludendorff.

Bochum WILFRIED VON OERTZEN

Hauptmann a.D.

Herr Dr. h. c. Adenauer war ein wenig zu lange Bundeskanzler, ich möchte

sagen, er war es sechs Jahre und zehn Monate zu lange.

Hamburg HARALD REIMERS

1957

Abschließend darf ich mir noch die Frage erlauben, wie Sie sich die Füllung Ihrer Spalten denken, falls der nächste Bundeskanzler nicht mehr Dr. Adenauer heißt?

Hamburg MANFRED HINTZE

Sie schreiben: »Diesmal hieß es, der Schweizer Arzt - mit dessen Zellulartherapie so berühmte Patienten wie Konrad Adenauer, Winston Churchill und Aga Khan 'revitalisiert' wurden wolle den Präsidenten Eisenhower mit Zelleinspritzungen behandeln.« Es ist somit in Ihrem Artikel von einem Gerücht um eine Eisenhower -Behandlung die Rede, dagegen wird die Behandlung des Bundeskanzlers nach Niehans mit Zelleinspritzungen quasi als Tatsache hingestellt. Jedenfalls muß der unbefangene Leser Ihren Bericht

so auffassen. In Wirklichkeit aber - das möchte ich als Arzt des Bundeskanzlers herausstellen - ist der Kanzler nie mit Zelleinspritzungen behandelt worden.

Bad Honnef DR. MED. ELLA BEBBER-BUCH

Sie haben gebracht, meine Herren SPIEGEL-Redakteure, Zitate gebracht verschiedentlich aus Reden, welche, meine Herren, gehalten hat der Herr Bundeskanzler. Und nun, meine Herren, ist die Frage, was Sie erreichen wollen mit dem Abdruck von Sachen, Gott, die sind gesprochen, was er in Nürnberg gesagt hat, und in Bamberg und neulich in Bochum, meine Herren, doch in großem Ernst sind gesprochen. Ich lege Wert auf das Wort gesprochen, und eine Rede ist keine Schreibe.

Köln WILLY LAU

Es ist durchaus nicht so abwegig, Konrad Adenauer mit Bismarck zu vergleichen. Vielleicht wird sein Name in weiteren fünfzig Jahren sogar noch vor Bismarck in den Geschichtsbüchern aufgeführt werden. Aber immer gibt es Alberne, die sich über Äußerlichkeiten lustig machen müssen - damals über Bismarcks Fistelstimme, heute über den Redestil des Bundeskanzlers.

Hannover IRMGARD KURZE

Genießt den Adenauer - der Strauß wird schrecklicher sein!

Kronach (Bayern) GERHARD HOLST

Jeder zweite westdeutsche Wähler entschied sich für Adenauer. Welch ein großes Glück, welch ein Hoffnungsschimmer für unsere westdeutsche Bevölkerung, welch ein Sieg über Erbärmlichkeit und den Teufel ...

Ludwigsburg DR. KLAUS HOLTERMANN

1958

Ist Ihnen übrigens aufgefallen, daß der Herr Bundeskanzler zum erstenmal offen - wenn auch als Lapsus linguae - zugegeben hat: L'état c'est moi =

Der Staat bin ich (Louis Quatorze), denn er sagte in seiner Rundfunk- und Fernsehrede am 15. Januar wörtlich, als er von den Bulganin-Briefen sprach, die Bulganin »an 83 Staaten sandte, darunter auch an mich«.

Düsseldorf HANS HACK

Bürgermeister i. R.

Daß der Herr Bundeskanzler mehrere Lautarten der Wahrheit kennt ("die einfache, die reine und die lautere Wahrheit"), hat er auf einem Bankett der ausländischen Presse genüßlich auseinandergesetzt. Wieviel Lautarten der Unwahrheit er kennerisch beherrscht, mögen nach seiner letzten Rundfunkrede neben Moraltheologen, Beichtvätern und sonstigen Beflissenen der apologetischen Dialektik auch durchschnittliche Intelligenzen beurteilen.

Frankfurt HANS KÖNIG

Ministerialrat a. D

Was veranlaßt Herrn Gutermuth zu der Vermutung, der SPIEGEL erscheine in einigen Jahren bei dieser Regierung nicht mehr? Glaubt er ernstlich, daß diese Regierung auf eine solche Wahlhilfe verzichten will? Der Bundeskanzler wird sich ins Fäustchen lachen, denn er kennt seinen Michel ganz genau.

Leverkusen GEORG FREUDENBERG

Adenauers eingeborenes Konzept ist das westeuropäische Deutschland mit katholischem Rückgrat. Nur der Schelm gibt mehr, als er hat.

München GÜNTHER GRAGERT

Adenauer ist gewiß untröstlich darüber, daß die Wiedervereinigung noch nicht da ist. Was ihn vielleicht getröstet hätte: Ein Deutscher wäre Papst geworden.

Wuppertal ERNST KLOPSCH

Wenn die hiesige Zeitung »Het Parool« schreibt, daß der Bundeskanzler in seinem »primitiven, aber erfolgreichen Stil« in den Wahlkampf eingegriffen habe, dann ist das nicht nur eine Charakterisierung des Bundeskanzlers, sondern des deutschen Volkes.

Amsterdam ALFRED WOLFF

1959

Stellen wir die charmanten, aber leeren Worte unseres Bundeskanzlers neben das mystische Wischi-Waschi Karls von Gallien, so dürfen wir erkennen, daß die beiden alten Karolinger sich in ihrem rednerischen Stil sehr ähnlich sind und sich nicht zuletzt wegen dieses rhetorischen Habitus so gut verstehen.

Stuttgart DR. GERHARD SCHMIDT

Glänzender läßt sich wohl Adenauers Charakter nicht umreißen als vor dem

traurigen Hintergrund des Ränkespiels um den neuen Bundespräsidentschaftskandidaten! Man hat 1945 das Verhalten der Deutschen verurteilt, weil sie nicht aus eigener Kraft dafür sorgten, daß beseitigt werde, was versagte. Heute haben wir nicht einmal eine annähernd vergleichbar gefährliche Exekution wie damals. Und dennoch ist es möglich, daß ein Mann wie Adenauer hingenommen wird, ohne das geringste Wetterleuchten hervorzulocken.

Radolfzell (Bad.-Württ.) DR. P. BAUMGARTEN

Ist es wahr, daß Bundeskanzler Dr. Adenauer gesagt hat, er werde Gift nehmen, wenn die Russen an den Rhein kommen*? Wenn er das tatsächlich im Ernst äußerte, so muß das die Masse seiner christlichen Wähler irremachen an seiner deutschen Politik und an seinem katholischen Glauben. Und was sollen die Soldaten der Bundeswehr davon halten, daß der Initiator der westdeutschen Aufrüstung für seine eigene Person an einen solchen letzten Ausweg denkt?

Köln HANS SIEMERS

Ob aber nicht auch der SPIEGEL in dieser kritischen Phase unserer deutschen Geschichte etwas mehr Zurückhaltung in der Beurteilung eines Mannes aufbringen sollte, dem wir schon heute sehr viel zu verdanken haben und dessen geschichtliche Leistung mit ihrem vollen Gehalt sicher erst spätere Generationen werden würdigen können?

Freiburg CLEMENS GRAF KAGENECK

Direktor der Dresdner Bank AG

Wenn es dem Herrn in seinem Rosengarten morgens einfällt, die erbliche Monarchie auszurufen, und übermorgen, den General Franco zum Mitverweser der gestorbenen Nachkriegsdemokratie einzusetzen, wird die CDU nach schwerem Ringen auch diese Akte staatsmännischer Weisheit akzeptieren.

Berlin GÜNTHER SCHWARBERG

1960

Das traurigste Ergebnis von elf Jahren Adenauer ist, daß, wie ich selbst erfahren habe, auch die Opposition nicht mehr zuläßt zu fragen, welche Politik not tue.

Dortmund WALTER POLLER

Chefredakteur der

»Westfälischen Rundschau«

1961

In Ihrem allgemein bekannten, verbissenen Kampf gegen Adenauer bringen Sie eine Geschichte aus jenen zwanziger Jahren (über Adenauers Börsenspekulationen). Das mag Ihr gesetzliches Recht sein, vom Standpunkt des guten Geschmacks sieht es sich anders an. Aber

das hat Sie im Interesse des Geschäfts ja nie geniert.

Wien R. H. PICK

Eine bessere Propaganda für Adenauer konnten Sie gar nicht machen. Was unsere Politik braucht, ist nicht Charakter, sondern Gerissenheit.

Schiffdorf (Nieders.) GÜNTER BREMER

Ich wünschte mir und uns allen, er könnte Sie verklagen.

Bonn

WOLFGANG DÖRING

Hurra, es ist erreicht, Konrad Adenauer wird wohl nicht mehr Kanzler. Aber nun, da der Fels endlich fortgerollt ist - was

kommt darunter an das Tageslicht: Gewürm.

Bremen HANS OHLSEN

Auch der SPIEGEL hat seine Wahlverdienste: 1957 drosch er in jeder Vorwahlnummer auf Konrad Adenauer ein. Resultat: Adenauer siegte mit absoluter Mehrheit. 1961 wurde der Kanzler geschont und Franz-Josef Strauß verteufelt. Resultat: Adenauer verlor die absolute Mehrheit, Strauß ging mit seiner CSU-Truppe gestärkt aus den Wahlen hervor.

Bad Orb (Hessen) KARL FRANKE

Richard Wagner, »Das Rheingold«, vierter Auftritt:

Fasolt: Aus denn ist's, beim Alten bleibt's.

Freya: Hilfe! Hilfe!

Mainz ANDREAS STOLZ

In Bonn regiert eindeutig Konrad Adenauer. Ein Mann, der ohne große Schwierigkeiten die Herren Strauß und Mende überspielt, die sich doch in ihren besten Mannesjahren befinden, kann nicht selber schon am Ende seiner geistigen Kräfte sein.

Diepholz (Nieders.) HELMUT KÖNEKE

Der Satz: »Einem Mann wie Adenauer kann man allenfalls mit Charakter, keinesfalls aber mit grundgesetzwidrigen Kniffen beikommen«, ist eine Erkenntnis, die wir uns nach jahrelangem Bemühen, immerhin aber noch rechtzeitig vor dem 23. Oktober 1955, verschafft haben. Darauf allein beruht der - leider - einzige

Schritt einer deutschen Wiedervereinigung nach dem Kriege, die Rückkehr der Saar. Nur die gerade Haltung einiger weniger Männer an der Saar und Thomas Dehlers unerschütterlicher Kampf in Bonn haben dem Bonner Opportunismus das Nein abgerungen, dem acht

Monate später die 67,6 Prozent der Saarbevölkerung gefolgt sind.

Saarbrücken DR. HEINRICH SCHNEIDER

Minister a.D.

Sie sind mit Adenauer umgegangen wie man mit einem Großen umgeht.

München INA VON GÖTZ

Es ist kein Zufall, daß Metternich Rheinländer war.

Wiedenbrück (Nordrh.-Westf)

W. TOPPESBERGER

Tiefenpsychologisch ist interessant, daß der Vater Adenauers in Pflichtgesinnung und asketischer Lebensführung (zugunsten der Ausbildung seiner Kinder) den Preußen-Idealismus repräsentierte. Aber die Mutter war heitere Kölnerin, sie war eine rheinische Frohnatur; der preußische Komplex wurde »verdrängt« und zugleich dynamisiert.

Wiesbaden DR. ADOLF SONNENSCHEIN

Regierungspräsident a.D.

In der sechsten Fortsetzung Ihrer Serie »Mein Gott - was soll aus Deutschland werden?« schreiben Sie, der Vater meines Vaters sei erst Berufsoffizier und dann Justizbeamter der mittleren Laufbahn gewesen. Wie Sie in der Biographie von Weymar »Konrad Adenauer«, Seite 18, nachlesen können, wurde mein Großvater nach der Schlacht von Königgrätz im Jahre 1866 wegen Tapferkeit vor dem Feinde zum Leutnant befördert. Es war in der damaligen Zeit außerordentlich selten, daß es einem Angehörigen des Mannschaftsstandes gelang, in den Offiziersstand aufzusteigen. Mein Großvater hat die Offizierslaufbahn nicht fortgesetzt, weil er die Tochter eines Bankbeamten heiraten wollte, der die in der

damaligen Zeit erforderliche Kaution für seine Tochter nicht aufbringen konnte.

Köln DR. JUR. KONRAD ADENAUER

Die Anhänger wie die Gegner des Bundeskanzlers müssen Ihnen dankbar dafür sein, daß Sie die Persönlichkeit unseres Bundeskanzlers mit soviel Willen zur Gerechtigkeit und Unbefangenheit gezeichnet haben. Sie haben dabei deutlicher als in anderen Darstellungen die geistige Landschaft sichtbar gemacht, aus der er stammt. Aber es scheint notwendig, das Bild zu ergänzen und noch die Verwurzelung im Wilhelminismus eingehender zu untersuchen. Adenauer war eine fertige und ausgeprägte Persönlichkeit, als das Wilhelminische Reich zu Ende ging. In seinem politischen Profil sind manche Züge aus dieser Zeit geblieben. Konrad Adenauer wäre sehr entrüstet, wenn man ihn einen Militaristen nennte. Er hat nie ein Gewehr getragen und hegt gegenüber allem militärischen Gepränge eine sehr sympathische und, wie ich gern zugebe, ganz unwilhelminische Geringschätzung. Aber der Kern des Militarismus, die Überbewertung des Militärischen, der Verzicht auf das Königsrecht der schöpferischen Diplomatie zugunsten des militärischen Denkens war eine überpersönliche Erscheinung.

Ihr erlagen im Wilhelminischen Reiche auch Naturen, denen nach ihrer Erziehung und geistigen Herkunft der Militarismus hätte fremd sein müssen. Die Außenpolitik des Bundeskanzlers verrät deutlich die Einflüsse seiner Jugend- und seiner Mannesjahre.

Der Irrglaube der fünfziger Jahre, die Wiedervereinigung auf dem Wege über ein Militärbündnis erreichen zu können, die Verachtung aller außenpolitischen Möglichkeiten, die im Rapacki-Plan lagen, zugunsten angeblicher militärischer Möglichkeiten, nicht zuletzt die vermessene Hybris gegenüber einer Weltmacht, das alles ist schlechtes Erbe aus der nachbismarckschen Zeit.

Hamburg DR. PAUL SETHE

1962

Es war Ironie, die mich in der »Welt« vom 20. Oktober dieses Jahres schreiben ließ, Herr Adenauer werde die Chefredaktion des SPIEGEL übernehmen. Bei uns ist die Behörde einfallslos genug, Ironie zum blutigen Ernst zu machen.

Köln GERHARD ZWERENZ

Das Grauen wandelt uns an: Schon spricht Adenauer von denen, die »ihr Vaterland nicht lieben« - er und »Vaterland«? Wer hat ihn je zuvor dies Wort gebrauchen hören?

Wuppertal KURT SIEWERT

1963

Ich äußere mich auch unaufgefordert zum Abschied Adenauers. Bitte, wählen Sie oder verwerfen Sie: »Ära wem Ära gebührt.«

Berlin WOLFGANG NEUSS

* SPIEGEL 41/1955, »Lieber SPIEGEL-Leser!": »Ich selbst habe den Bundeskanzler in Gegenwart des Untersuchungsrichters und des Rechtsanwalts Dr. Augstein gefragt, ob er sich etwa durch die Meldung beleidigt fühle, daß er im Falle eines Einmarsches der Roten Armee Deutschland verlassen würde ... Der Kanzler sagte mir: 'Ich will Ihnen eine Antwort geben. Wenn der Russe kommt, dann fliehe ich nicht, dann vergifte ich mich.'«

Georg Adenauer

Ella Bebber-Buch

FDP-MdB Döring gest.

Schneider

Konrad Adenauer

Sethe

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