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Briefe

SPIEGEL-URTEIL
aus DER SPIEGEL 34/1966

SPIEGEL-URTEIL

Neben dem 4:2 bei der Fußball-Weltmeisterschaft ist das 4:4 beim Bundesverfassungsgerichtsentscheid auch schon ein ganz schöner Erfolg... »O Sohn! der Feind ist riesenstark«, heißt es bekanntlich bei Ludwig Uhland.

Karlsruhe DR. KARL HÄFELE

Der Spruch war ein Pyrrhussieg der Staatsraison, der stimulierend weiterwirkt, mag auch äußerlich damit der Schlußpunkt unter die SPIEGEL-Affäre gesetzt sein.

Alsbach (Hessen) KARL L. ZIMMERMANN

Das Karlsruher Urteil über Deine Verfassungsbeschwerde muß jeden Demokraten, der sich durch die Vorgänge der Nacht-und-Nebelaktion damals mitbetroffen fühlte, enttäuschen.

Hockenheim (Bad.-Württ.) KURT WOLFF

ES BLEIBT WEITERHIN LAST UND ÄRGERNIS, BÜRGER DIESES DEUTSCHEN STAATES ZU SEIN STOP BLEIBEN SIE ES MEHR DENN JE. Hamburg BERND C. HESSLEIN

Einen Sturm Ihrerseits habe ich nach dem Karlsruher Urteil erwartet. Was kam, war ein laues und apathisches Lüftlein. Sie werden doch hoffentlich nicht in den Knien weich geworden sein?

Mannheim GUNTHER HAUBNER

Sie haben brav gekämpft, ich danke Ihnen.

Köln JEAN ZÖNSKES

Der Entscheid des Bundesverfassungsgerichtes nimmt mich nicht wunder. Die Zeit arbeitet gegen Sie. Bei der konstanten Abwertung Erhards und dem Neuaufbau von Strauß will wohl auch kein Richter »querschießen«.

Berlin HEINZ KRAAYVANGER

Die zuständigen Repräsentanten des obersten Gerichtshofes der Bundesrepublik in der »Residenz des Rechts« zu Karlsruhe können sich darüber im klaren sein, daß für die zitierten Entscheidungen nicht nur die überwiegende Mehrheit von Fach- und Sachkundigen in der Materie der politischen Wissenschaft, sondern auch das sogenannte Fußvolk auf dem flachen Lande kein großes Verständnis oder gar Billigung aufzubringen vermag.

Lautern (Bad.-Württ.) DR. JUR. WILHELM HARTMANN

Landgerichtsrat i. R.

Der Entscheid klingt fast wie eine Absprache.

Neesen (Nordrh.-Westf.) O. MÜLLER

... möchte ich Ihnen mein Bedauern und meine Empörung über das an Sie ergangene Urteil aussprechen.

Offenbach ELISABETH KNEIDING

Es ist so gekommen in Karlsruhe, wie ich mir von vornherein gedacht habe. Die politische Raffinesse, einen Allgemeinmaulkorb zu verpassen, ist schon zu weit gediehen. Trotzdem Bravo für Ihre Zivilcourage als Hüter der Demokratie und der Verfassung!

Bad Orb ANNA OKOLOWITZ

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes war für mich eine tiefe Genugtuung, da es Ihre Perseveranz, Ihr Mut und Ihre Zivilcourage waren, die bewiesen haben, daß die Zeit des Knüppels in Deutschland vorüber ist. Im Ausland (ich habe 34 Jahre in Süd - und Zentralamerika verbracht) schätzte ich den SPIEGEL nicht besonders, da er mir zu zänkisch und provozierend erschien. Erst nach meiner Rückkehr in unser geliebtes Paradies der Pseudo-Demokratie lernte ich Ihr Verhalten zu schätzen und zu würdigen.

Berlin PETER BERG

Wo einerseits der Presse Freiheit garantiert, andererseits aber deren vornehmste Aufgabe - die umfassende Information (eben auch über militärische Vorgänge) - strafverfolgt wird, dort ist Demokratie längst zu einer sogenannten geworden, ihr BGH zur Farce.

Marburg JOCHEN KRONJÄGER

Zum Aufsatz von Herrn Augstein erlaube ich mir, folgendes zu bemerken:

Zur Frage, ob die Veröffentlichung einer Sammlung von Einzelnachrichten in dieser Konzentrierung des Geheimschutzes bedarf:

1958 wurde mir als damaligem Schriftleiter der militärischen Fachzeitschrift »Wehrkunde« von einem jungen Journalisten eine größere Arbeit über das Strategische Bomberkommando der USA mit sehr genauen Zahlen- und Ortsangaben angeboten. Die Prüfung der ungemein interessanten Arbeit durch den von mir darum gebetenen zu dieser Zeit amtierenden Inspekteur der Bundesluftwaffe persönlich, General Kammhuber, ergab, daß die Publikation nach dessen Worten schwersten Verrat militärischer Geheimnisse bedeutete. Der Verfasser, nach seinen Quellen befragt, äußerte, er habe seit Jahren aus der in- und ausländischen Presse sämtliche Mitteilungen über das Strategische Bomberkommando karteimäßig erfaßt und aus ihnen seine Studie zusammengestellt. Ich unterließ ihre Publikation. Wenige Monate später erschien die Arbeit in einer anderen militärischen Fachzeitschrift. Kein Hahn hat danach gekräht.

Ahrensburg (Schlesw.-Holst.) HERMANN TESKE

Oberst i. G. a. D.

Frankfurter Rundschau

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