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Graf-Affäre Spiel, Satz, Prozeß

aus DER SPIEGEL 21/1996

Der Beginn des Steuerstrafprozesses gegen Peter Graf und seinen Helfer Joachim Eckardt soll sich nach dem Turnierplan von Steffi Graf richten. Der Vorsitzende Richter am Landgericht Mannheim Joachim Plass, 50, erklärte intern, das umfangreiche Verfahren, in dem es um fast 20 Millionen Mark angeblich hinterzogener Steuern geht, werde am 5. oder 12. September beginnen. Er wolle bei der Terminierung allerdings die U.S. Open berücksichtigen, die Steffi Graf im Vorjahr gewann und wo sie ihren Titel verteidigen will. Das Turnier in New York beginnt am 26. August und endet am 8. September.

Der offenbar tennisbegeisterte Richter ersetzt den Vorsitzenden der 24. Strafkammer des Landgerichts, Horst Köhler, der aus gesundheitlichen Gründen um Entlastung gebeten hatte. Unklar ist weiterhin, ob Steffi Graf lediglich Zeugin oder doch Angeklagte sein wird. Auf Druck der Karlsruher Generalstaatsanwaltschaft war das Verfahren nicht, wie ursprünglich geplant, gegen Zahlung einer Geldbuße in Höhe von drei Millionen Mark eingestellt worden. Mit neuen Ermittlungen wegen einer Mittäterschaft von Steffi Graf sind die Fahnder noch zurückhaltend. Sie haben allerdings mit einigen Anfragen versucht, das diffizile Terrain zu erkunden, und vorsichtig ausgelotet, ob mögliche Zeugen gegen die Tennisspielerin auszusagen bereit sind.

Steffi Graf, die in der vergangenen Woche bei den German Open in Berlin als »Weltsportlerin des Jahres 1995« ausgezeichnet wurde und nach den Ovationen der Fans erklärte, sie empfände es »als Glück, wieder in Deutschland zu spielen«, muß auch ohne konkrete Ermittlungen gegen ihre Person einiges verkraften. Die psychische Situation ihres seit August 1995 inhaftierten Vaters Peter Graf, der alkoholkrank und tablettenabhängig ist, verschlechtert sich weiter. Graf hatte sich nach einer kurzen Pause auch hinter Gittern weiter mit den gewohnten Drogen versorgen können. Die Verteidiger bemühen sich beim Oberlandesgericht um eine Haftverschonung, damit sich Peter Graf einer stationären Therapie in einer Uni-Klinik unterziehen könne.

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