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Am Rande Spielt euch warm

aus DER SPIEGEL 25/1998

Als die englische Mannschaft in dervergangenen Woche ein Geheimtraining abhalten wollte, gelang es einem einzelnen Fan, bis an den Sportplatz zu gelangen - die Sicherheitskräfte hatten ihn für den Abgesandten eines Sponsors gehalten, weil der Brite sich als Wurst verkleidet hatte. Zwar verwiesen die englischen Fußballer die Fan-Wurst sogleich des Feldes, aber man darf wegen des britischen Humors annehmen, daß dies unter Bezeugung von Respekt und Hochachtung geschah.

Die Deutschen sind da anders. Falls ihnen jemand zu nahe tritt, stellt sich alsbald heraus, daß die Würste bei uns zum Mannschaftstroß gehören, personifiziert durch Pressesprecher Wolfgang Niersbach in der Rolle der beleidigten Leberwurst. Ende vergangener Woche drohte er rechtliche Schritte gegen Harald Schmidt an, weil der in seiner Show Goldlöckchen Jürgen Klinsmann als »Schwaben-Schwuchtel« bezeichnet hatte.

Okay, man kann sich fragen, ob »Schwaben-Schwuchtel« witzig war - oder ob bei dem notorischen Elfmeterschinder Klinsmann »Schwalben-Schwuchtel« nicht treffender gewesen wäre.

Wovor haben die Sensibelchen vom DFB eigentlich Angst? Daß die Kicker sich nicht mehr warmspielen wollen aus lauter Angst vor weiteren anzüglichen Witzen? Denn eigentlich könnte es ihnen doch Wurscht sein, was Harald Schmidt über Sat 1 verbreitet - sie können den Sender im Hotel nicht empfangen. Wahrscheinlich aber soll die Empörung nur vorbauen für den Fall, daß die Deutschen allzu früh rausfliegen und ein Schuldiger gesucht wird.

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