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KONZERNE Springer droht Kirch

aus DER SPIEGEL 5/2002

Neues Ungemach braut sich über der Kirch-Gruppe zusammen: Überraschend signalisierte der Axel Springer Verlag dem Münchner Medienhändler Ende vergangener Woche, nun doch auf der prompten Bezahlung einer alten Rechnung zu bestehen. Der Verlag hält noch immer 11,5 Prozent an Kirchs Sender-Holding ProSiebenSat.1 Media AG, die er Kirch Ende Januar zum Fixpreis von 767 Millionen Euro zurückgeben kann. Der hoch verschuldete Kirch-Konzern, mit 40 Prozent der Anteile zweitgrößter Gesellschafter des Springer-Verlags, hatte dort zuvor um eine Stundung gebeten. Noch Anfang der Woche, so ein Insider, habe Springer Einverständnis signalisiert, wenige Tage später aber eine plötzliche Kehrtwende gemacht. Kirch gerät damit erneut massiv unter Druck: Der Verkauf seiner Anteile an dem hochprofitablen spanischen Sender Telecinco ist noch immer nicht unter Dach und Fach, bei der Dresdner Bank musste er gerade eine weitere Verlängerung seines 460-Millionen-Euro-Kredits bis April heraushandeln. Die Springer-Rückkaufoption ist laut unternehmensnaher Kreise nicht durch Rücklagen gedeckt, weitere Kredite werden für Kirch angesichts von insgesamt rund sechs Milliarden Euro Schulden schwer zu organisieren sein. So bleibt Kirch nur die Option, den Verlag mit Anteilen an verbliebenen Filet-Stücken wie etwa den WM-Rechten oder mit Springer-Aktien zu bedienen - worauf der Verlag mit der Drohgebärde offenbar spekuliert. Besonders bitter für Kirch: Der Deal mit der Rückkaufoption wurde bereits im Sommer 2000 geschlossen. Nach aktuellem Börsenkurs wären Springers ProSiebenSat.1-Anteile gerade mal 113 Millionen Euro wert.

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