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ORDEN Statt baarem Gelde

Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß will den Maximiliansorden für hervorragende Künstler und Wissenschaftler wiederbeleben.
aus DER SPIEGEL 31/1979

Statt baarem Gelde König Ludwig I. (1825 bis 1848) ist

wegen seiner schönen Mätresse Lola Montez, die vom Volk verjagt wurde, im Freistaat Bayern bis heute unvergessen. König Ludwig II. (1864 bis 1886) wurde wegen seiner bizarren Schlösser und seines mysteriösen Todes im Starnberger See unsterblich.

Der König dazwischen hingegen, Maximilian II. (1848 bis 1864), der sieh für damalige Verhältnisse etwas unzeitgemäß der »Unterstützung der Hülflosen« und dem »Nothstand der unteren Klassen« gewidmet hatte, blieb da in der Erinnerung des Bayern-Volks vergleichsweise etwas farblos.

Nun soll der Erinnerung an den matten Monarchen ein wenig aufgeholfen werden -- von einem späten Nachfolger: Freistaatschefs Franz Josef Strauß will den 1853 vom König gestifteten Maximiliansorden neu begründen. Ein entsprechender Gesetzentwurf ging vergangene Woche dem Landtag zu.

Der Orden soll an hervorragende Wissenschaftler und Künstler verliehen werden. Das Ordenszeichen aus einem hellblau emaillierten gotischen Kreuz mit weißem Rand und vier Strahlen in den Winkeln wird an einem fünf Zentimeter breiten, zackigen Halsband getragen.

Allerdings wird das Zeichen im Vergleich zum Ur-Orden auch Veränderungen aufweisen. Statt wie unter Maximilian II. ein »erhöhtes, in Gold geprägtes Brustbild des Stifters im Profil, heraldisch rechts gewendet«, wird unter Franz Josef Strauß das Medaillon in der Mitte nur noch einen »Bayerischen Löwen aus Gold« zeigen, heraldisch rechts gewendet ist aber auch er. Von der sinnbildlichen Eule (für die Wissenschaft) und dem Pegasus (für die Kunst) ist in der Beschreibung des bisherigen Entwurfs nicht mehr die Rede. Und die Regel, daß die »Großmeisterwürde« nur dem Stifter selber vorbehalten bleibt, ist auch verschwunden.

Außer der Bayerischen Rettungsmedaille am Band und dem Bayerischen Verdienstorden, der in den fünfziger Jahren von dem Sozialdemokraten Wilhelm Hoegner eingeführt wurde und -in höchstens 2000 Exemplaren -- alljährlich an erstklassige Zeitgenossen verteilt wird, kann Strauß künftig auch noch bis zu 100 Stück des neuen Edel-Ordens ausgeben.

Der Regierungschef tut es gerne. Mitte Juli, als er 28 Lebensrettern ihre Medaille umhängte, sagte Strauß sogar, er könne sich »kaum eine andere Amtshandlung denken«, die er »mit größerer Freude vornehmen« würde. Ihm, Strauß, gehe es immer um den »außerordentlichen Menschen, der über sich selbst hinauswächst und überwindet, was uns im Alltag als das Normale und Gewohnte begegnet«.

Wer als Nachfolger für die früheren, längst gestorbenen Ordensträger wie Max Planck, Gerhart Hauptmann, Richard Strauß oder Max Liebermann ausersehen ist, ist ungewiß. Und ungewiß ist vorerst auch, ob es mit der Wiederbelebung des Maximiliansordens sein Bewenden haben wird.

Immerhin hat König Maximilian II., der die Revolution in der Pfalz von 1849 blutig niederschlagen ließ, auch viele schöne militärische Orden gestiftet -- ein »Veteranen-Denkzeichen« für Teilnehmer der Völkerschlacht von Leipzig, ein »Militärdenkzeichen« für die Feldzüge von 1813, 1814 und 1815 und ein spezielles Denkzeichen für die bei den revolutionären Unruhen pflichttreuen Truppenangehörigen.

Denn die Symposien des Königs Maximilian II. mit Kulturträgern und Wissenschaftlern glichen mehr einem Refugium vor den politischen Unbilden der Zeit und den Intrigen in der Aristokratie. Hierin ähnelte Maximilian seinem Vater Ludwig I., der vor dem Anspruch, »König der Teutschen« zu sein, nur allzugern in die bizarre Welt eines spinnerten Duodezfürsten -- Hohenschwangau -- flüchtete' aber auch seinem Sohn Ludwig II., der lieber mit Richard Wagner verkehrte als mit dem Eisernen Kanzler Bismarck.

Nicht nur wegen des üppigen Ordenssegens' den er über Militär- und andere Personen streute, war Maximilian II. aber dann doch ein sozialer König: Nach der Thronbesteigung gab es tagelang Freibier, die Maß kostete fortan einen halben Kreuzer weniger, und für die ganz Armen stiftete er statt Orden »Suppe-Anstalten«, »Wärmestuben« und überhaupt »Naturalspenden statt baarem Gelde«.

* Im Juni 1979 mit dem Bayerischen Verdienstorden.

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