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NS-Verbrechen Stiftung für tschechische Opfer

aus DER SPIEGEL 21/1995

Tschechische Nazi-Opfer können nun doch auf Entschädigung aus Bonn hoffen. Die Bundesregierung will nach Pfingsten einen Vorschlag präsentieren, um das Verhältnis zu Prag zu normalisieren. Danach soll es keine direkten Zahlungen an die 17 000 Überlebenden des Nazi-Terrors in Tschechien geben. Statt dessen könnten nach Bonner Vorstellungen über eine gemeinsame deutsch-tschechische Stiftung nicht nur Krankenhäuser und Rehabilitationszentren finanziert werden, sondern auch Entschädigungsgelder fließen.

Bisher hatte die Bundesregierung die Aussöhnung durch ein Junktim verhindert. Solange die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Böhmen und Mähren vertriebenen Sudetendeutschen von Prag nicht wieder in alte Rechte eingesetzt würden, so die deutsche Haltung, sollten die tschechischen NS-Opfer von Bonn keine Mark bekommen. Die Bundesregierung will ihren Plan erst nach dem Pfingsttreffen der Sudetendeutschen, das in München stattfindet, offiziell vorstellen. Denn nur wenn die Vertriebenen zu moderaten Tönen gegenüber Prag bereit sind, hat das Versöhnungsprojekt eine Chance.

Bereits kommende Woche werden Außenminister Klaus Kinkel (FDP) und der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Schäuble das Thema beim Bonn-Besuch des tschechischen Außenministers Josef Zieleniec sondieren.

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