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Briefe

STILGEWÜHL
aus DER SPIEGEL 23/1959

STILGEWÜHL

Wie kommst Du eigentlich dazu, diesen Milchbart uns als Cover-Boy zu offerieren? Seit wann schießt man Mücken mit Maschinengewehren?

Neuß (Rhein) ALFRED LANGE

Mit den Zuschriften zur Schmidt-Titelgeschichte haben die SPIEGEL-Leser (und die Redakteure) einmal Geist bewiesen, der den manchmal so öden Leserbriefen sonst oft abgeht ... Vielleicht hat der SPIEGEL den Schmidt -Artikel nur gebracht, um ein paar schöne Pointen einheimsen zu können. Dann hat er sein Ziel sogar erreicht.

Gütersloh JOACHIM MAUSCH

Dieser Artikel lag schon länger in der Luft, und man sollte Dir dafür dankbar sein.

In der Einleitung zu Benns Aphorismen bemerkt der Verleger, daß jedes seiner Worte wie ein »Leopardenbiß«, ein »Wildtiersprung« wirkt. Den gleichen Effekt möchte auch der egozentrische Autor Schmidt erhaschen, erzielt aber nur unsinnige Ungereimtheiten. Trotz der manchmal scheinbaren Prägnanz seiner Darstellungen fehlt jegliche Treffsicherheit. Sie sind und bleiben wirkungslose Querschläger. Auch müßte ihm seine

messerscharfe Verstands-Vernunft sagen, daß seine etwaigen Leser auch etwas von Expressionismus verstehen, wenn er das damit meint.

Da seine Aussagen - wenn sie überhaupt welche sind - nur auf die Blindheit und das intuitive Erfassen ausgerichtet sind, muß man sie als eklatantes Ekel empfinden. Mag er also seinem Geist das Zentimetermaß anlegen, soll er ihn ruhig sezieren, tot ist er so oder so.

Duisburg-Hochfeld MICHAEL MORAWETZ

Nichts gegen die in mancher Hinsicht unbestreitbare Nützlichkeit solcher Erscheinungen wie den SPIEGEL oder Arno Schmidt! Falsch ist nur, in ihnen nicht die Symptome der Auswüchse unserer Zeit, sondern deren Grundlagen zu sehen. Das Fundament, auf dem wir leben und bauen, ist allen pseudoliterarischen Clownerien zum Trotz immer noch der christlich-abendländische Humanismus. Wer sich im Bewußtsein dieser Bindung sicher weiß, kann mit gelassenem Humor den hektischen Eifer derer betrachten, die verbissen an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen.

Rheydt HERBERT MAEGER

Kommt mir vor wie ein armer Haidhund, der nachts an der Kette den Mond anbellt, wenn er bei 10° 20' 52« ö. L. aus der Haide auf- und jenseits des Bargfelder Kirchturms bei 10° 20' 53« ö. L. wieder in selbige niedertaucht. Ich befinde mich im Augenblick auf dem Wege nach Griechenland und

hoffe, dort noch anzukommen, ehe der rabiate Schmidt auch den alten Homer vom Olympos wischt und sich selber draufsetzt.

Braunschweig DR.-ING. H.-H. OPPERMANN

Goethe, dessen Prosa Arno Schmidt zur Rumpelkiste degradiert, sagt in einem Gespräch mit Eckermann am 11. Februar 1831: »Es ist immer ein Zeichen einer unproductiven Zeit, wenn sie so ins Kleinliche des Technischen geht, und eben so ist es ein Zeichen eines unproductiven Individuums, wenn es sich mit dergleichen befaßt.«

Duisburg KLAUS KRIEGLER

stud. phil.

Arno Schmidt: Eine Wildsau im Acker unserer deutschen Sprache!

Frankfurt DR. HANS SPIERLING

Zahnarzt

Schmidt-Titel

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