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Briefe

STIMMUNGSBILD
aus DER SPIEGEL 31/1965

STIMMUNGSBILD

Die Haßliebe Strauß/SPIEGEL, genauer: Augstein, nimmt offenbar, wie die Liebe des Husaren, kein Ende mehr. Straußens größte Dummheit war der Ritt gegen den SPIEGEL. Wie gut wäre es, wenn aus der Haßliebe eine Freundschaft werden würde, wie gut für die Politik, denn wir können auf Strauß, der ohne Frage der begabteste und tatkräftigste Politiker ist, nicht verzichten, dazu ist die Auswahl, die zur Verfügung steht, zu klein.

Strauß erlag seiner Umwelt, er bestätigte eine alte Weisheit: Macht verdummt! Macht muß verdummen bei der Liebedienerei - um keinen härteren Ausdruck zu gebrauchen - der »Umwelt«. Strauß ist begabt und hat wie alle hochbegabten Menschen seine Fehler, wer von uns hat sie aber nicht? Würde man verschiedene Politiker so unter die Lupe nehmen, wie der SPIEGEL den Strauß, wir würden vor Staunen sprachlos werden. Strauß, richtig gesteuert, ist die einzig wahre und große Begabung der deutschen Politik.

Wie wäre es, wenn Augstein und Strauß das Kriegsbeil begraben und vereint marschieren würden? Besser einen tatkräftigen Kurs gesteuert als gewurschtelt. Ob der SPIEGEL dies druckt? - kaum anzunehmen.

München JOHANNES MÖBIUS

Der SPIEGEL - als status stantis et cadentis democratiae - sollte in bezug auf jene Gestalt auch, einmal mehr, über den eigenen Schatten springen können!

Göttingen ARMIN KRAFT

Strauß ist - ob mit oder ohne Meinungsspiegelung - ein grüner Ast, der sich selbst abgesägt hat. Andere Exekutivwütige hingegen sitzen trotz politischer Dürre und guten Verbindungen zur Illegalität immer noch fest am Bonner Stamm.

Siegen (Nordrh.-Westf.) HANS BASEKOW

Mir imponiert Franz-Josef Strauß! Mir imponiert auch Erhards Meinung über die entartete Kunst, der einzig richtige Name für diesen Blödsinn!

Wien HANS KREMSER

Nicht nur als Wähler, sondern auch als Marktforscher habe ich Ihre Titelgeschichte mit großem Interesse gelesen. Sie haben einen zwar kostspieligen, aber lobenswerten Weg beschritten, indem Sie zwei Institute gleichzeitig mit der repräsentativen Erhebungsarbeit beauftragten. Für den Fall, daß wie ich annehme - die beiden Repräsentativuntersuchungen in Anlage und Methode vergleichbar sind, müßte das Prinzip der Reproduzierbarkeit von Marktforschungsergebnissen anwendbar sein, das heißt, zwei Institute müßten mit derselben Methode dieselben Ergebnisse erzielen.

In der Tat habe ich im großen und ganzen eine Übereinstimmung festgestellt, wenn man von den üblichen statistischen Fehlergrenzen absieht, die zum Beispiel bei 2500 Befragten und bei 90 Prozent Wahrscheinlichkeit je nach Höhe des Prozentwerts zwischen ein und 2,3 Prozent-Punkten schwanken. Überrascht hat es mich jedoch, daß bei Ihrer ersten Frage: »Wie ist Ihre Meinung: Sollte Strauß in der nächsten Regierung wieder Minister sein oder nicht?« größere Unterschiede zwischen »Infratest« und »Intermarket«

auftreten, die ich mir aus Unkenntnis der Einzelheiten nicht erklären kann.

Man muß Ihrem Bericht große Objektivität bescheinigen, jedoch wäre eine klarere Darstellung der Ergebnisse und Schlußfolgerungen wünschenswert, um dem Leser die Aufnahme zu erleichtern. Vielleicht sollten Sie auch im Anschluß an die drei Artikel über Strauß, Erhard und Brandt eine Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse veröffentlichen.

Karlsruhe KARL NIEDER

Mit Interesse habe ich Ihre Titelgeschichte gelesen und möchte bemerken, daß ich auch kein Strauß-Anhänger bin. Jedoch sind mir dabei einige Ecken aufgefallen. So bringen Sie zum Beispiel ein sogenanntes Polaritäten-Profil »Die Eigenschaften des Franz-Josef Strauß«. In diesem Polaritäten-Profil sind die Ladungen der einzelnen Items durch Striche verbunden, so daß der Eindruck einer recht bewegten Kurve entsteht. In Fachkreisen ist man sich schon seit langem weitgehend darüber einig, daß eine solche Darstellung durch

Linienverbindung unkorrekt ist. Durch sie wird ein dynamischer und auch mehr ganzheitlicher Eindruck vermittelt, der jedoch nur von der mehr oder weniger willkürlichen Anordnung der Itempaare abhängt. Es empfiehlt sich, die Ladung der einzelnen Items durch Balken zu demonstrieren.

Abgesehen davon sind zumindest fünf der im Polaritäten-Profil enthaltenen Itempaare in ihrer Bedeutung nicht mit Sicherheit als gegensätzlich zu bezeichnen. Dadurch besteht zumindest die Gefahr von Verschiebungen gegenüber objektiv gegensätzlichen Begriffspaaren.

Oberursel (Hessen) MICHAEL G. LÖHR

Markt-Forschung

Werbe-Forschung

Gestatten Sie mir, daß ich dem Bundesbürger durch Sie die folgenden Leitsätze als Wahlhilfe schenke: »Wählen Sie Strauß - wählen Sie CDU!«, »Wenn Sie nicht wählen - wählen Sie auch Strauß!«

Hamburg GÜNTER KOCH

Wenn die CDU/CSU die nächste Bundestagswahl wieder gewinnen will, dann wird es aber allerhöchste Zeit, daß sie sich in alle&Offentlichkeit gegen Strauß entscheidet.

Düsseldorf HANS-DIETER EDER

Es kann doch keinen »Edeka-Minister« bei uns geben!

Bad Aibling (Bayern)

GÜNTHER OHLBRECHT

Sollten die Unionsparteien die nächste Wahl gewinnen und würde Strauß Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU, werde ich alle Möglichkeiten prüfen, mein Geschäft bestmöglich verkaufen zu können, und werde mir für meine Familie einen passenden Platz im Ausland suchen.

Lorch (Bad.-Württ.) HANS EHLERT

»Bayern-Kurier«-Karikatur: »Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben ...« (Schiller, Wilhelm Tell)

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