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STASI Stolz am Revers

aus DER SPIEGEL 47/1998

Der brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) ist in der Affäre um die DDR-Verdienstmedaille erneut schwer belastet wor-

den. Eine Richterin des Berliner Amtsgerichts Tiergarten vernahm am vergangenen Mittwoch drei Stunden lang den ehemaligen Stasi-Führungsoffizier Stolpes, Klaus Roßberg.

Der Ex-Major schilderte detailliert, wie er im November 1978 den damaligen Kirchenmann auf Befehl Erich Mielkes in einem Stasi-Haus mit der Medaille ausgezeichnet habe. Stolpe (IM »Sekretär") sei »überrascht« gewesen, habe aber

»in bestimmter Form richtig geschmeichelt« gewirkt.

Dann habe er das Blech »während unseres gemeinsamen Zusammentreffens« stolz am Revers getragen. Die Übergabe habe »zur Festigung« des Kontakts geführt und »das Höchstmaß meiner persönlichen Erwartung« erfüllt. Wie erwartet sei Stolpe »im Sinne von Konspiration« mit der Auszeichnung umgegangen und habe den Stasi-Hintergrund auch gegenüber seinen Vorgesetzten in der Kirche geheimgehalten.

Stolpe und der ehemalige Roßberg-Vorgesetzte Joachim Wiegand bestreiten Roßbergs Version: Sie behaupteten im Stolpe-Untersuchungsausschuß, der verstorbene Staatssekretär für Kirchenfragen, Hans Seigewasser, habe die Auszeichnung vorgenommen. Roßberg gab zu Protokoll, Wiegand habe aus Gründen »des Quellenschutzes zu Gunsten von Herrn Stolpe« versucht, auch ihn auf diese Variante festzulegen. Die Justiz ermittelt seit sechs Jahren gegen die beiden Stasi-Offiziere und gegen Stolpe.

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