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Stolze: Beirat und Berater

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aus DER SPIEGEL 39/1984

Die niedersächsischen Zeitungsverleger sind »betroffen« über einen Mitarbeiter von Ministerpräsident Ernst Albrecht. Diether Stolze, 55, ehemaliger »Zeit«-Verleger und von Oktober 1982 bis Mai 1983 Regierungssprecher bei Helmut Kohl, dient der Landesregierung seit Mai als Medienberater. Für ein Honorar von 60 000 Mark und Aufwandsentschädigung von 25 000 Mark pro Jahr soll er unter anderem private Rundfunkanstalten nach Hannover locken.

Gleichzeitig bezieht Stolze von der Stuttgarter Holtzbrinck-Verlagsgruppe, die schon seit langem Interesse an privaten Rundfunklizenzen zeigt, ein stattliches Entgelt für seine Mitarbeit im »Beirat für neue Medienfragen«. Der Sprecher der niedersächsischen Verleger, Victor Lis, findet das unhaltbar: »Wer die Konkurrenz berät, kann nicht gleichzeitig die Regierung bei der Auswahl beraten.«

Albrechts Sprecher Hilmar von Poser spielt den Konflikt herunter: »Herr Stolze berät die Landesregierung lediglich und trifft keine eigenen Entscheidungen. Er bereitet Entscheidungen vor.«

Stolze war schon einmal in den Verdacht geraten, Politisches und Privates vermischt zu haben. Während seiner Amtszeit als Kohls Regierungssprecher gehörte er dem Fernsehrat des ZDF an. Dieses Kontrollorgan hat, laut Staatsvertrag, unter anderem »den Intendanten bei der Programmgestaltung zu beraten«.

Zugleich war er aber auch Gründer der Hamburger »Merca media Gesellschaft für Kommunikation- und Finanzberatung mbH«. Unter der Geschäftsführung seiner Frau Sylvia beschäftigt sich diese Firma, so der Eintrag im Handelsregister, mit der »Vermittlung von Beiträgen für Fernseh- und Rundfunkanstalten«. In München ist sie an der »Arbor TV-Filmproduktion GmbH« beteiligt, die ähnliche Interessen in Süddeutschland vertritt.

Stolze mochte da eine Interessenkollision nicht erkennen: »Ich unterscheide aufs sorgfältigste zwischen meiner Frau und mir.« Auch diesmal sieht er den Konflikt »bei bestem Willen nicht gegeben«. Denn: »Sonst hätte ich das Angebot des Landes Niedersachsen nicht akzeptiert.«

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