Zur Ausgabe
Artikel 9 / 96

STREBER-STRAFE

aus DER SPIEGEL 44/1970

Allzu fleißige Arbeiter des Automobilkonzerns »British Leyland« werden von der Gewerkschaft mit Sonderabgaben bestraft. Alan Hinks, 58, Betriebsobmann der Metallarbeitergewerkschaft »Birmingham and Midland Sheat Metal Workers Society« (8800 Mitglieder) kontrolliert allwöchentlich die Lohnzettel der 650 im Leyland-Karosserie-Zweigwerk Longbridge in Birmingham arbeitenden Autowerker. Folge Wer durch Mehrarbeit mehr als 40 Pfund (350 Mark) brutto In der Woche verdient hat, muß außer seinem wöchentlichen Gewerkschaftsbeitrag von 2,85 Mark auch den Mehrverdienst an die Gewerkschaft abführen. Mit dem Streber-Strafgeld sollen die Lohntüten jener Funktionäre aufgefüllt werden, die wegen ihrer Arbeit für die Gewerkschaft ein geringeres Einkommen haben. Obmann Hinks sieht in der Strafaktion lediglich einen Beitrag zur sozialen Symmetrie: »Wir wollen die Arbeit gleichmäßig verteilen und einen realistischen Mindestverdienst für alle Mitglieder erreichen.«

Zur Ausgabe
Artikel 9 / 96
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.