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Streit der Öl-Prinzen am Golf

aus DER SPIEGEL 42/1992

Der Grenzkonflikt zwischen dem Königreich Saudi-Arabien und dem Golf-Emirat Katar - saudische Armeeeinheiten hatten einen katarischen Grenzposten angegriffen, zwei Soldaten getötet und einen gefangengenommen - spitzt sich zu. Die Regierung des ölreichen Emirates hat ein Grenzabkommen aus dem Jahre 1965 mit dem mächtigen Nachbarn aufgekündigt, Katar fordert den sofortigen Abzug der saudischen Truppen von seinem Boden. Saudi-Arabien wiederum wirft dem winzigen Emirat vor, dessen Armee halte saudisches Staatsgebiet besetzt. Ein Vermittlungsversuch des kuweitischen Kronprinzen scheiterte. Vordergründig geht es bei dem Streit der Öl-Prinzen auf der arabischen Halbinsel um den Verlauf der gemeinsamen Wüstengrenze. Sie war vor 27 Jahren von der britischen Schutzmacht willkürlich festgelegt worden. Seither führte der Disput um Wüstengebiete und einige Inseln immer wieder zu Grenzkonflikten zwischen Saudi-Arabien, Katar und dem vergleichsweise ölarmen Bahrein. Tatsächlich befinden sich in den umstrittenen Zonen gewaltige, bislang noch nicht angezapfte Erdgaslager. Sie sollen satte Profite bis weit in das nächste Jahrtausend garantieren. Ausgelöst wurde der Konflikt durch den Druck von Saudi-König Fahd auf das katarische Herrscherhaus, drei gasreiche Inseln dem Saudi-Verbündeten Bahrein zuzuschlagen. Mit Mißtrauen beobachtet Riad zudem die enger werdenden Beziehungen zwischen Katar und dem Iran. Es gibt bereits Pläne, durch den Persischen Golf eine Pipeline zu bauen, um Katar mit iranischem Süßwasser zu versorgen. Im Gegenzug soll der Mullah-Staat Erdgas erhalten.

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_210b Grenzkonflikt Saudi-Arabien/Katar

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