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VERBRAUCHER Streit um Gen-Nahrung

aus DER SPIEGEL 2/2003

Die neuen EU-Verordnungen für Gen-Nahrung sind der amerikanischen Agrarlobby zu streng. Drei US-Senatoren drängen den amerikanischen Präsidenten George W. Bush deshalb dazu, die Europäer vor der Welthandelsorganisation WTO auf Schadensersatz zu verklagen. In einem Brief an den Präsidenten behaupten sie, der seit fast viereinhalb Jahren bestehende Zulassungsstopp für Gen-Pflanzen in der EU habe die US-Exportwirtschaft bereits um 300 Millionen Dollar geschädigt. Außerdem habe die »falsche Logik und Desinformation« der Europäer dazu geführt, dass afrikanische Länder in schlimmster Hungersnot US-Nahrungsmittelhilfen aus Angst vor Gen-Verseuchung abwiesen. Die EU-Verordnungen, die strengere Kennzeichnungspflichten für Gen-Nahrung und Gen-Futtermittel festschreiben sowie präzise Dokumentation für die Rückverfolgbarkeit bei Schäden vorsehen, halten die US-Senatoren überdies für unpraktikabel und wirtschaftsschädigend.

Sollten die USA mit einer WTO-Klage Erfolg haben, droht ein ähnlicher Konflikt wie um das US-Hormonfleisch. Gegen dessen Einfuhr sperrt sich die EU seit Jahren, musste jedoch nach einer Entscheidung des WTO-Schiedsgerichts Strafzölle in Höhe von über hundert Millionen Dollar in Kauf nehmen. Bei Gen-Produkten hatte Brüssel den Stopp verfügt, weil Insekten in Zusammenhang mit genmanipuliertem Mais verendet waren. Die schärferen Kennzeichnungsbestimmungen, die noch durch das EU-Parlament müssen, sollen den Zulassungsstopp beenden.

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