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Streit um Kaffee-Land

aus DER SPIEGEL 38/1992

Der Friedensprozeß im mittelamerikanischen El Salvador ist ins Stocken geraten. Die konservative Regierung sieht sich außerstande, Ansprüche der Befreiungsfront Farabundo MartI, in der fünf ehemalige Guerillagruppen vereinigt sind, zu befriedigen. Nach dem von der Uno überwachten Friedensabkommen sollten die 8000 Kämpfer der einstmals von Kuba und Nicaragua unterstützten Truppe bis zum 31. Oktober die Waffen abgeben. Das werden sie aber nicht tun, wenn die Regierung nicht auf ihre Forderungen eingeht. »Für einen faulen Scheck«, so Guerillaführer JoaquIn Villalobos, »lassen wir uns nicht demobilisieren.« Die Farabundo MartI verlangt für ihre Mitglieder und Sympathisanten 243 000 Hektar Ackerland, das sind elf Prozent des Territoriums von El Salvador. Aussicht auf Erfolg haben die Gruppen für ihre Ansprüche in den beiden relativ ärmlichen Nordprovinzen Chalatenango und Morazan, die sie während des zwölfjährigen Bürgerkriegs weitgehend erobert hatten und durch ihre Anhänger bewirtschaften ließen. Doch sie wollen auch fruchtbares Kaffee-Land in der Umgebung der Stadt Las MarIas in der Provinz Usulutan, das teilweise mächtigen Großgrundbesitzern gehört. Die Guerillaführer begründen ihren Anspruch mit dem von der Regierung zugestandenen Ziel, die Gegner von einst in die Politik und Wirtschaft des Landes zu integrieren, sowie mit der Notwendigkeit, sich die finanzielle Basis für ihre gerade gegründete Partei zu verschaffen.

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